Rallyefahren und Bodybuilding
Matthias Drexler und Julia Ellmaurer aus Arrach sind ein Erfolgsduo
Autos rasen vorbei, Motoren heulen auf und Staub hängt in der Luft: Das ist fester Bestandteil von Matthias Drexlers Leben. Begeistert hat er sich schon immer für Autos. Seine Mutter hatte früher immer gesagt: "Hauptsach brumma tuat's!"
2018 beschloss der Autofan kurzerhand, an einem Rallye-Rennen teilzunehmen und kaufte sich ein Auto. Zwei Wochen später startete er auf der ersten Rennstrecke bei der Mossandl Rallye in Mamming - es war der Beginn einer Leidenschaft. Zunächst fuhr er ohne seine Partnerin Julia Ellmaurer als Beifahrerin, die ihn aber von Anfang an tatkräftig unterstützte.
Der ganze Stolz: Opel Adam R2
Nun ist alles professioneller. Drexler und Ellmaurer besitzen drei Rallyeautos: den mittlerweile pensionierten Audi Coupé 2.0 20V Quattro, einen Golf II. 2.0 16V - beide jeweils mit 160 PS - und den Opel Adam R2 mit 185 PS. Letzterer ist ihr ganzer Stolz. Dabei handelt es sich um einen Werkswagen von Opel, der in einer Kleinstserie von etwa 250 Stück vom Opel-Motorsport-Team produziert wurde, sagt Drexler. Auf Bestzeitjagd gehen nur noch die beiden letzteren.
Ihre Garage in Bad Kötzting hat sich in den vergangenen Jahren in eine Werkstatt verwandelt. Der Geruch von Motoröl liegt in der Luft, der weiße Opel Adam R2 ist auf einer Hebebühne in der Mitte der Garage platziert. Denn: Kleinere Reparaturen übernimmt Drexler selbst, wie das Arbeiten an den Bremsen. Aber "selbst am Fahrwerk zu tüfteln, das kann fast keiner", meint Drexler.
Präzision, Leidenschaft und Teamwork
Kennengelernt haben sich Julia Ellmaurer und Matthias Drexler auf einem Feuerwehr-Faschingsball im Dorf vor zehn Jahren. Als Drexler mit dem Rallyefahren angefangen hat, "war ich dann einfach dabei", sagt Ellmaurer.
Gemeinsam bringen sie nicht nur regelmäßig Reifen zum Qualmen, sondern sind beide in Arrach selbstständige Unternehmer. Ellmaurer ist Ernährungsberaterin und Personaltrainerin. In ihrem Kursraum bietet sie verschiedene Sportkurse an. Drexler macht Fachplanungen für Gebäudeautomatisierung. Nebenbei hat er ein Projekt gestartet: "SafetyCar", mit dem er Ortungssysteme für Autos herstellt. Der Ursprung des Projekts liegt darin, dass ihm einmal sein Privatwagen gestohlen wurde.
Wenn sie gemeinsam bei einer Rallye antreten, sitzt Drexler hinter dem Steuer und Ellmaurer ist Beifahrerin. Die beiden sind ein eingespieltes Team - das ist wichtig im Motorsport. Als Beifahrerin liest Ellmaurer während der Fahrt die vorher besprochene Strecke vor: Schotterstraße, Asphalt, Linkskurve, Rechtskurve, Hindernisse. Wichtig ist, keine beweglichen Objekte aufzuschreiben, merkt Ellmaurer an. Ihr hätte mal jemand erzählt, er habe eine Kuh als Orientierungspunkt aufgeschrieben - doch als das Rennen stattgefunden hat, war die Kuh weg.
Julia Ellmaurer ist nicht nur Beifahrerin, sondern auch erfolgreiche Bodybuilderin und amtierende Miss Universe in der Bikini-Klasse. Das ist die kleinste und laut Ellmaurer femininste Bodybuilder-Klasse. Ellmaurer steht dann in einem Glitzer-Bikini auf der Bühne. Wenn es die Wettkampfvorbereitung und Diäten zulassen, sitzt sie auf dem Beifahrersitz. Wenn nicht, springt jemand für sie ein. "Ich liebe Autos, je schneller, desto besser", sagt sie.
Vor ihrer Karriere als Bodybuilderin war Ellmaurer im Kickboxen auf Leistungssportniveau aktiv. Aus gesundheitlichen Gründen konnte sie damit nicht mehr weitermachen. Drexler, der damals schon Kraftsport betrieben hat, nahm sie mit ins Fitnessstudio. So hat Ellmaurer die richtigen Kontakte knüpfen können und beispielsweise ihren ersten Coach kennengelernt: "Matthias hat mir geholfen, da hinzukommen, wo ich heute stehe."
Feuerfeste Unterwäsche und Rennanzug
Zum Rennsport gehört vor allem ein gutes Zusammenspiel. Immer dabei: ein Helm mit Sprechanlage, Handschuhe, feuerfeste Unterwäsche und ein Rennanzug. Einen Unfall hatten sie noch nie, außer, dass sie ein Nummernschild verloren haben, erzählt Drexler. Seitdem haben sie klebende Nummernschilder. In der Rennsport-Community hilft man sich gegenseitig. Hat das vordere Auto einen Unfall, hält man an und hilft. "Was ich cool finde, denn es geht schließlich um die eigene Zeit", sagt Ellmaurer.
Einige Siege haben sie als Team schon erzielt, zum Beispiel im September, als sie mit dem Opel Adam R2 bei der Altmühlfranken-Rallye Dritter geworden sind. Leben kann man vom Rallyefahren nicht, es ist nur ein rasantes Hobby für beide. Ein paar Sponsoren haben sie trotzdem und die sind mit Aufklebern auf dem Auto immer mit von der Partie.
Die nächsten großen Ziele: Einmal Deutscher Rallye-Meister zu werden oder bei der Monte-Carlo-Rallye mitzufahren. Für Ellmaurer hat jetzt aber erstmal Bodybuilding Priorität. Denn im Juni ist Ellmaurer bei der Weltmeisterschaft in La Ciotat in Frankreich dabei. Das erste Mal, dass sie ohne ihren Partner um den Sieg kämpft - denn zur selben Zeit tritt Drexler bei der Hombachtal Rallye in Geisig an.
Zur Autorin
Jil Laureen Harder studiert in Passau Journalistik und strategische Kommunikation. Ihr Beitrag ist in einer Lehrredaktion entstanden, die in dem Studiengang integriert ist. Die Lehrredaktion wird von Redakteuren unserer Mediengruppe betreut.


