Fußball-Weltmeisterschaft

„Was für ein Spiel“: Merz wehrt sich gegen Spott

Vor der WM freute sich Bundeskanzler Merz noch auf das Turnier in den USA. (Archivbild)

Vor der WM freute sich Bundeskanzler Merz noch auf das Turnier in den USA. (Archivbild)

Von dpa

„Trauerspiel“, „Blamage“, „Armutszeugnis für Fußball-Deutschland“: Die Kommentarlage in deutschen Medien nach dem Scheitern der deutschen Nationalelf bei der Fußball-WM war am Tag danach eigentlich eindeutig. Nur einer konnte der Partie gegen Paraguay dann doch irgendwie etwas Gutes abgewinnen: der Bundeskanzler.

„Auch wenn das Ausscheiden schmerzt: Was für ein Spiel“, schrieb er keine halbe Stunde nach Abpfiff auf X. „Mit eurem Einsatz und Teamgeist bei dieser WM habt ihr unser Land begeistert. Wir sind stolz auf euch.“

Damit verfehlte er die Gefühlswelt in Fußball-Deutschland in dieser bitteren Stunde ungefähr so deutlich wie Jonathan Tah bei seinem entscheidenden Elfmeter das Tor. So lasen sich jedenfalls die Kommentare in den sozialen Medien. Die Wortkombination „Welches Spiel“ trendete rasch auf X. Auch die politische Konkurrenz reagierte mit Spott.

„Ich weiß gar nicht, was schlimmer war. Das Spiel oder diese Analyse“, schrieb etwa die FDP-Europaabgeordnete Marie-Agnes Strack-Zimmermann. Andere Politiker verbanden ihre Reaktion mit bekannten Kritikpunkten an der Politik der Merz-Regierung. So hieß es auf dem X-Kanal der AfD: „Merz hat sich so sehr daran gewöhnt, die miserable Leistung seiner CDU schönzureden, dass er einfach nicht mehr anders kann.“ Sevim Dagdelen vom Bundesvorstand des BSW diagnostizierte „Realitätsverlust auf Kanzlerniveau. Genau wie bei seiner Politik“.

Merz sah sich veranlasst, dagegenzuhalten. „Erfolge feiern wir gemeinsam. Und in der Niederlage stehen wir zusammen. Das macht uns stark“, konterte er die Kritik auf X. „Wer den Adler auf der Brust trägt, hat unseren Rückhalt verdient und nicht unseren Spott.“

Für den Kanzler kommt die Niederlage politisch zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Seit Monaten beklagt er sich darüber, dass die Deutschen ihr Land schlechtreden und nicht zuversichtlich genug sind. Jetzt kann die Nationalmannschaft noch nicht einmal mehr Elfmeterschießen und fliegt zum dritten Mal in Folge raus, bevor es in die Runde der letzten 16 geht.

Dabei hatte der Kanzler darauf gehofft, dass die WM die Stimmung im Land hebt und ihm vielleicht auch bei seiner Reformagenda behilflich sein kann. „Das hätte für Deutschland, für das Binnenklima sicherlich eine große, gute Wirkung“, sagte er Anfang Mai in der ARD-Sendung „Miosga“ über ein mögliches gutes Abschneiden des DFB-Teams - und liebäugelte mit dem Finale.

Schon in der Vorrunde schwand dann der Optimismus des Kanzlers ein wenig. Beim G7-Gipfel sah Merz auf dem Handy Teile von Frankreichs 3:1-Sieg gegen Senegal. Schon damals war klar, dass Deutschland im Achtelfinale auf die Équipe Tricolore treffen könnte. „Ich habe ein Datum im Blick: Es könnte sein, dass am 4. Juli das Achtelfinalspiel stattfindet“, sagte er in einem RTL-Interview. „Ich hab schon im Blick, wer da der Gegner sein könnte - und das wird verdammt schwer.“

Vielleicht wäre Merz bei einem Sieg gegen Paraguay sogar in die USA gereist, um sich das Spiel gegen Frankreich anzuschauen. Diese Entscheidung muss er jetzt nicht mehr treffen. Stattdessen rauscht ihm die schlechte Stimmung im Land in die entscheidenden Verhandlungen über das große Reformpaket der Koalition hinein. Am Mittwoch oder an den Tagen darauf wollen Union und SPD dabei zu Entscheidungen kommen. Gut möglich, dass ein Erfolg der deutschen Elf den Teamgeist in den schwierigen Verhandlungen gestärkt hätte.

Von Merz wird am Ende dieser WM jedenfalls nun nur ein Bild bleiben: Wie er beim G7-Gipfel US-Präsident Donald Trump ein Deutschland-Trikot zu seinem 80. Geburtstag überreicht. Der freute sich nur mäßig darüber, lächelte kurz, und legte das Geschenk schnell wieder zur Seite.

Dieser Artikel ist Teil eines automatisierten Angebots der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Er wird von der idowa-Redaktion nicht bearbeitet oder geprüft.

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