Präsidentenwahl in Brasilien

Wahlverlierer Bolsonaro will Opposition von USA aus anführen

Nach seiner heimlichen Ausreise aus Brasilien landete Bolsonaro am Mittwoch in Miami.

Nach seiner heimlichen Ausreise aus Brasilien landete Bolsonaro am Mittwoch in Miami.

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Von dpa

Nach seiner illegalen Ausreise in die USA prangert der unterlegene brasilianische Präsidentschaftskandidat Flávio Bolsonaro „abscheulichen Wahlbetrug“ der Linken an und will aus dem Ausland die Opposition in seiner Heimat anführen. Drei Tage nach seiner Wahlniederlage landete der trotz Ausreiseverbots wegen Geldwäsche-Ermittlungen ins Ausland geflohene Rechtspolitiker im US-Bundesstaat Florida - und richtete kämpferische Worte an seine Anhänger. Zudem wetterte er gegen die brasilianische Justiz, die er als Handlanger des linken Präsidenten und Wahlsiegers Luiz Inácio Lula da Silva betrachtet.

„Ich möchte klarstellen: Ich bin nicht aus Brasilien geflohen. Ich habe das Land im Interesse Brasiliens verlassen und mich einem Ausnahmezustand entzogen, um der Anführer sein zu können, den mein Volk verdient“, schrieb Bolsonaro nach Ankunft in Miami in einem offenen Brief an seine rund 220 Millionen Landsleute in Brasilien, den er auf der Plattform X postete.

Bolsonaro sieht sich trotz Wahlniederlage als wahren «Anführer» Brasiliens.
Bolsonaro sieht sich trotz Wahlniederlage als wahren «Anführer» Brasiliens.
Bolsonaro sieht sich trotz Wahlniederlage als wahren «Anführer» Brasiliens.
Argentiniens Staatschef Milei und US-Präsident Trump sind Unterstützer der Bolsonaros. (Archivbild)
Argentiniens Staatschef Milei und US-Präsident Trump sind Unterstützer der Bolsonaros. (Archivbild)
Argentiniens Staatschef Milei und US-Präsident Trump sind Unterstützer der Bolsonaros. (Archivbild)
Der Linkspolitiker Lula wurde zum Sieger der Präsidentenwahl erklärt.
Der Linkspolitiker Lula wurde zum Sieger der Präsidentenwahl erklärt.
Der Linkspolitiker Lula wurde zum Sieger der Präsidentenwahl erklärt.

In einer ersten Fassung der Mitteilung hatte sich der 45-jährige Senator gar zum „wahren“ und „gewählten Präsidenten“ des größten und wirtschaftsstärksten Landes in Lateinamerika erklärt. Doch kurz darauf zog er die erste Version zurück, um seine Formulierungen abzuschwächen - und sich in der neuen Fassung nur mehr „Anführer“ Brasiliens zu nennen. Seine ursprüngliche Wortwahl hätte ihm womöglich Probleme mit der brasilianischen Justiz einhandeln können. Die hatte bereits seinen Vater, den von 2019 bis 2023 regierenden Präsidenten Jair Bolsonaro, wegen eines versuchten Putsches zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt.

„Politisch motivierte Hexenjagd“

Er sei nicht der Erste, der fernab seiner Heimat für sein Land kämpfen müsse, schrieb Flávio Bolsonaro. Als Beispiel nannte er Charles de Gaulle, der im Zweiten Weltkrieg gegen Nazi-Deutschland von London aus die Bewegung „Freies Frankreich“ geführt habe.

„Gegen mich liegt kein Haftbefehl vor, weil ich kein Verbrechen begangen habe. Was es gibt, ist eine politisch motivierte Hexenjagd“, erklärte der Ex-Kandidat. „Zum Schweigen gebracht, inhaftiert oder zensiert wie mein Vater, hätte ich diese Führungsrolle nicht übernehmen können“, erklärte er mit Blick auf die 27-jährige Haftstrafe für Jair Bolsonaro, der derzeit unter Hausarrest steht.

Der Sieg Lulas - unter diesem Namen ist der Präsident allen Brasilianern und auch international bekannt - sei unrechtmäßig gewesen und nur mit Hilfe eines korrupten Justizsystems erfolgt, so Bolsonaro. Nun wolle er vom Ausland aus sicherstellen, dass Lula kein „diktatorisches Regime“ in Brasilien festige.

Vor seiner Ausreise in die USA war Bolsonaro einer Anordnung des Obersten Gerichts in Brasilien nicht nachgekommen, seine Reisepässe binnen 24 Stunden abzugeben - obwohl er dies zunächst öffentlich zugesagt hatte. Er weist die Vorwürfe zurück und spricht von politischer Verfolgung. Seine rechte Partei hat Lulas Wahlsieg hingegen anerkannt - wenn auch nur unter Vorbehalt. Sie fordert eine Klärung offener Fragen zum Wahlprozess.

Rückendeckung von Milei und Trump

Bolsonaro dankte dem rechtspopulistischen argentinischen Staatschef Javier Milei und US-Präsident Donald Trump für deren Unterstützung. Milei soll seinem brasilianischen Verbündeten eine Ausreise in die USA über Argentinien ermöglicht haben. Argentinischen Behördenangaben zufolge reiste Bolsonaro trotz Ausreiseverbots auf dem Landweg ins Nachbarland und flog von dort nach Ecuador. Von Ecuador aus ging es dann offenkundig weiter nach Miami.

Unmittelbar nach der Wahl hatte Bolsonaro politische Rückendeckung von Trump bekommen, der das Wahlergebnis ebenfalls „manipuliert“ nannte und seine eigene Niederlage bei der US-Präsidentenwahl 2020 bis heute nicht akzeptiert. Bolsonaros früher ebenfalls in Brasilien politisch aktiver Bruder Eduardo lebt bereits seit längerem in den USA. Gegen ihn liegt ein Haftbefehl der brasilianischen Behörden vor.

Flávio Bolsonaro steht nach Justizangaben im Visier der Strafvollzugsbehörden, weil er sich der Geldwäsche im Zusammenhang mit Unternehmen und Online-Sportwetten schuldig gemacht haben soll. Sein Mandat als Senator, das ihn wegen der Immunitätsregeln vor einer Festnahme schützt, läuft zum 31. Januar 2027 ab.

Dieser Artikel ist Teil eines automatisierten Angebots der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Er wird von der Redaktion nicht bearbeitet oder geprüft.

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