Militärische Spionageabwehr

MAD: Bedrohung durch Sabotage hat „erheblich zugenommen“

Zum Stichtag 1. Dezember 2025 hatte der MAD laut Bericht rund 1.600 Bedienstete. (Symbolbild)

Zum Stichtag 1. Dezember 2025 hatte der MAD laut Bericht rund 1.600 Bedienstete. (Symbolbild)

Von dpa

Der Militärische Abschirmdienst (MAD) warnt vor einer zunehmenden Bedrohung durch hybride Angriffe und Einsätze angeworbener Auftragsagenten („Low-Level-Agents“). Dabei sei Deutschland „priorisiertes Aufklärungsziel russischer Spionageaktivitäten“, heißt es im Jahresbericht des Militärgeheimdienstes. Grund dafür seien die geostrategische Lage Deutschlands in Europa und der Nato, der Aufwuchs der Bundeswehr und die Einführung neuer Waffensysteme.

„Die hybride Bedrohungslage in Deutschland hat sich weiter verschärft“, stellt der Dienst zudem fest. Hybride Angriffe sind eine Kombination aus militärischen, wirtschaftlichen, geheimdienstlichen und propagandistischen Mitteln, die darauf abzielen, andere Staaten zu destabilisieren. Dazu gehören Cyberattacken, Drohnenangriffe, Versuche der politischen Einflussnahme bis hin zu Störangriffen auf Verkehr, Energieanlagen und Telekommunikation.

MAD-Präsidentin Martina Rosenberg mit den Chefs der anderen Nachrichtendienste. (Archivbild)
MAD-Präsidentin Martina Rosenberg mit den Chefs der anderen Nachrichtendienste. (Archivbild)
MAD-Präsidentin Martina Rosenberg mit den Chefs der anderen Nachrichtendienste. (Archivbild)
Martina Rosenberg ist die Präsidentin des Bundesamtes für den Militärischen Abschirmdienst. (Archivbild)
Martina Rosenberg ist die Präsidentin des Bundesamtes für den Militärischen Abschirmdienst. (Archivbild)
Martina Rosenberg ist die Präsidentin des Bundesamtes für den Militärischen Abschirmdienst. (Archivbild)

„Erheblich zugenommen“ habe zudem das Bedrohungspotenzial durch Sabotage, die von sogenannten „Low-Level-Agents“ verübt wird, warnt der MAD. In dem Bericht für das Jahr 2025 werden zu diesem Themenkomplex keine vergleichenden Zahlenangaben gemacht, um Gegnern keine Rückschlüsse zu ermöglichen.

Ein zentrales Instrument der russischen Informationsbeschaffung im Ausland seien die sogenannten Legalresidenturen, getarnte Stützpunkte russischer Nachrichtendienste in Botschaften oder halbstaatlichen Vertretungen. Genannt werden auch Presseagenturen.

Mit Sorge sieht der MAD Reisen von Bundeswehrsoldaten. So sei festgestellt worden, „dass trotz der angespannten Sicherheitslage in den letzten Jahren zahlreiche Angehörige der Bundeswehr nach Russland oder Belarus reisten und dabei in das Blickfeld der russischen und belarussischen Nachrichtendienste gerieten“. Häufig handele es sich um Soldaten mit verwandtschaftlichen Beziehungen in diese Länder. „Hieraus resultiert eine besondere Gefährdung für Erpressungen und Bedrohungen durch die dortigen Sicherheitsbehörden“, so der MAD.

Auch China ist in Deutschland aktiv

Der Bericht nennt auch Spionageversuche aus China. So geht der MAD davon aus, dass zumindest einige der Ausspähungen militärischer Infrastruktur - darunter Drohnenüberflüge und das Eindringen in Liegenschaften der Bundeswehr - auf chinesische Nachrichtendienste zurückzuführen sind. Diese setzten auch Teile der chinesischen Diaspora ein.

Mehr Verdachtsfälle wegen Rechtsextremismus

Der MAD registriert eine zunehmende Zahl von Verdachtsfällen wegen Extremismus in der Bundeswehr. „Für das Jahr 2025 wurde ein Anstieg der Neuaufnahmen der Fallbearbeitungen auf 610 gegenüber 524 im Jahr 2024 verzeichnet“, heißt es im Jahresbericht.

Dabei gab es vor allem mehr Hinweise auf Rechtsextremismus. So wurden im Jahr 2025 insgesamt 519 sogenannte Fallbearbeitungen in diesem Phänomenbereich neu aufgenommen (2024: 413), was einen Anstieg um rund 26 Prozent bedeutet.

Der MAD hat laut Bericht im Jahr vergangenen Jahr 11 Menschen als Rechtsextremisten erkannt (2024: ebenfalls 11) und 21 Personen mit vorhaltbaren Erkenntnissen, die den Verdacht der fehlenden Verfassungstreue begründen (2024: 26).

Der Bericht weist auf die Vorfälle um sexualisiertes Fehlverhalten, Drogen und Extremismus bei Fallschirmjägern in Zweibrücken hin, die wiederholt Schlagzeilen auslösten. Diese Fälle hatten laut MAD „einen signifikanten Einfluss auf die Erhöhung der Anzahl der Neuaufnahmen“.

Neue Jugendgruppierungen gewinnen an Einfluss

Darüber hinaus stellt der MAD eine anhaltende „Entgrenzung“ des Rechtsextremismus fest: Positionen der extremen Rechten würden zunehmend „normalisiert“. „Die Grenze des Sagbaren wird weiterhin sukzessive verschoben“, heißt es in dem Bericht.

Seit Mitte des Jahres 2024 lassen sich nach MAD-Einschätzung vermehrt neue, rechtsextremistische Jugendgruppierungen feststellen, die sich im virtuellen Raum über die Nutzung sozialer Medien etabliert haben. Der Bericht nennt die Gruppierungen „Jung & Stark“, „Deutsche Jugend Voran“ und „Der Störtrupp“. Es konnten „Bezüge einiger Angehöriger des Geschäftsbereichs zu diesen neuen Jugendgruppierungen festgestellt werden“.

Diese Gruppierungen sind laut Bericht wiederholt im Zusammenhang mit rechtsextremistischen Störaktionen gegen öffentliche Veranstaltungen zum Christopher Street Day oder Angriffen auf politische Gegner in Erscheinung getreten. Auch die Verfolgung vermeintlich pädophiler Personen - sogenanntes „Pedo-Hunting“ - zähle zu deren Aktionsformen, so der Abschirmdienst weiter.

Der MAD wird größer

Zum Stichtag 1. Dezember 2025 hatte der MAD laut Bericht rund 1.600 Bedienstete. Es laufen Vorbereitungen für weitere MAD-Stellen im Inland über die bestehenden acht Dienststellen hinaus. Zudem wurden im vergangenen Jahr Planungen für eine permanente MAD-Stelle in Litauen abgeschlossen. Dort will die Bundesregierung eine gefechtsbereite Panzerbrigade zum Schutz der Nato-Ostflanke stationieren.

Dieser Artikel ist Teil eines automatisierten Angebots der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Er wird von der idowa-Redaktion nicht bearbeitet oder geprüft.

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