Krieg in Nahost

Jubelrufe in Teheran nach mutmaßlichem Tod von Irans oberstem Führer

Die Sorgen vor einem neuen Krieg waren groß. Am Morgen beginnen Israel und die USA mit Angriffen auf den Iran. Der schickt daraufhin Raketen Richtung Israel.

Raketenalarm in Israel.

Raketenalarm in Israel.

Von Redaktion idowa

Nachdem Israel und die USA am Morgen Ziele im Iran angegriffen hatten und dieser zum Gegenschlag ausgeholt hatte, dauern die Gefechte an. Israels Luftwaffe  hat Armeeangaben zufolge im Iran den bisher größten Einsatz ihrer Geschichte ausgeführt.

Nach unbestätigten Berichten über den Tod von Irans obersten Führer Ajatollah Ali Chamenei ist in Teheran spontan Jubel ausgebrochen. Bewohner der iranischen Hauptstadt berichteten von Menschen, die vor Freude aus ihren Fenstern schrien. Die Nachricht war unter anderem von iranischen Exilmedien verbreitet worden, die im Iran über Satellit empfangen werden können. Auf den Straßen waren Hupkonzerte zu hören. Eine offizielle Bestätigung von Chameneis Tod gibt es bislang nicht.

Die iranische Nachrichtenagentur Tasnim, die den mächtigen Revolutionsgarden nahesteht, sprach mit Blick auf die Meldungen von „psychologischer Kriegsführung“. „Der Revolutionsführer ist standhaft und entschlossen dabei, das Feld zu befehligen“, zitierte Tasnim eine namentlich nicht genannte Quelle.

Panik in Teheran

In Irans Hauptstadt Teheran gab es am Morgen Explosionen im Zentrum. In der Millionenmetropole brach Panik aus. Menschen versuchten massenhaft, die Hauptstadt zu verlassen, wie Augenzeugen berichteten. Nur wenige Informationen dringen nach außen. Die Behörden verhängten eine Internetsperre. Die auf Netzsperren spezialisierte Organisation Netblocks berichtete, es sei ein „fast vollständiger Internetausfall“. Ein Video der Nachrichtenagentur Mehr zeigte große Zerstörung mitten in der Hauptstadt Teheran. Auf der Aufnahme war ein völlig zerstörtes Gebäude zu sehen. Mehrere Rettungskräfte waren am Rande der Trümmer zu sehen. Augenzeugen berichteten per SMS, dass sich in der Millionenmetropole Teheran lange Schlangen an Tankstellen gebildet hätten. Viele Menschen versuchten, die Hauptstadt zu verlassen. Geschäfte waren vielerorts geschlossen. Im Norden der lebendigen Metropole herrschte gespenstische Stille. Die Schulen seien in Abstimmung mit Verwaltung und der Polizei geschlossen worden, teilte das Bildungsministerium mit.

Im Süden des Landes sind nach iranischen Angaben mindestens 85 Schülerinnen ums Leben gekommen, als eine Grundschule für Mädchen in der Provinz Hormusgan getroffen wurde.

Iranische Staatsmedien meldeten zudem Explosionen am Rande der Stadt Isfahan. Südöstlich davon liegt ein Nuklearzentrum, das bereits im vergangenen Jahr vom US-Militär in Begleitung israelischer Angriffe bombardiert worden war.

Israel begründet Angriffe mit Schutz

Der Staat Israel habe einen Präventivschlag gestartet, um Bedrohungen für Israel zu beseitigen, hatte Verteidigungsminister Israel Katz am Morgen bekanntgegeben. Er rief den sofortigen Ausnahmezustand aus. Israels Ministerpräsident Netanjahu begründet die Angriffe auf Iran mit dem Schutz vor einer existenziellen Bedrohung durch Teheran. Gemeint ist damit Irans Atom- und Raketenprogramm. Es dürfe „nicht zugelassen werden, dass sich das mörderische Terrorregime mit Atomwaffen ausrüstet, die es ihm ermöglichen würden, die gesamte Menschheit zu bedrohen“, sagte Netanjahu weiter.

Die „New York Times“ berichtete, Israel lege den Schwerpunkt seiner Angriffe auf Raketenlagerstätten, Produktionsanlagen und Abschussvorrichtungen.

Trump will iranische Raketen vernichten

Der gemeinsame Angriff Israels und seines Verbündeten USA erfolgt nur zwei Tage nach einer weiteren Verhandlungsrunde zwischen den USA und dem Iran über das umstrittene Atomprogramm der Islamischen Republik. Einen Durchbruch hatte es bei den Gesprächen in Genf nicht gegeben. Trump hatte der iranischen Führung in den vergangenen Wochen wiederholt mit militärischen Angriffen gedroht. Trump stellte dem Iran kürzlich ein Ultimatum bis Anfang März. „Entweder wir erzielen eine Einigung oder es wird für sie bedauerlich“.

Trump kündigte nun an, die Raketen des Irans zu vernichten. „Wir werden ihre Marine vernichten“, sagte er weiter. Man werde sicherstellen, dass der Iran keine Atomwaffe haben werde. „Sie werden nie eine Atomwaffe haben.“ Die iranische Führung werde bald lernen, dass man die Stärke der US-Streitkräfte nie herausfordern sollte, erklärte Trump weiter. Er forderte die Revolutionsgarden, iranischen Streitkräfte und Polizeikräfte zudem auf, ihre Waffen niederzulegen. Der Einsatz solle verhindern, dass durch diese „radikale Diktatur“ die nationalen Sicherheitsinteressen der USA bedroht würden. Bereits im vergangenen Jahr hatten Washington und Teheran über Irans umstrittenes Atomprogramm verhandelt, ehe Israel den Iran angriff. Die USA schlossen sich damals den Luftangriffen an und bombardierten zentrale Atomanlagen. Iran feuerte daraufhin ballistische Raketen auf Israel ab.

Iran warnt vor „Regionalkrieg“

Zudem ermutigte Trump die Iraner zu einem Wechsel an der Spitze Irans. „Die Stunde eurer Freiheit ist gekommen“, sagte er. „Das wird wahrscheinlich für Generationen eure einzige Chance sein.“ Er fügte hinzu: „Wenn wir fertig sind, übernehmt eure Regierung.“ Er forderte die Revolutionsgarden, Streitkräfte und auch Polizei auf, ihre Waffen niederzulegen.

Der Iran warnte seit Wochen vor einem Angriff und drohte mit einer „vernichtenden Antwort“. US-Regierungsmitarbeiter sprechen laut US-Fernsehsender CNN von einer Operation, die über Tage oder Wochen andauern könne. Es sei „kein kleiner Schlag“.

Es besteht die Gefahr eines „umfassenden Regionalkriegs“, vor dem Irans Religionsführer Ajatollah Ali Chamenei bereits gewarnt hatte. Die Hisbollah-Miliz im Libanon, Huthi-Miliz im Jemen sowie Milizen im Irak könnten intervenieren.

Merz berät sich mit Ministern

Die Bundesregierung berät über die Eskalation in Nahost nach den Angriffen Israels und der USA auf den Iran. „Sie beobachtet die Entwicklung genau und befindet sich in enger Abstimmung mit den europäischen Partnern“, teilte Regierungssprecher Stefan Kornelius mit.

Kanzler Friedrich Merz (CDU) habe sich außerdem mit seinen Fachministern der sicherheitsrelevanten Ressorts beraten und werde im Laufe des Tages weitere Gespräche führen. Die Bundesregierung sei am Morgen über die Militärangriffe
Israels auf den Iran vorab informiert worden, sagte Kornelius.

Wie das Auswärtige Amt mitteilte, soll der Krisenstab der Bundesregierung um 12.00 Uhr im Ministerium zusammenkommen. Das Auswärtige Amt stehe in engem und ständigem Kontakt mit den Botschaften im Iran und in Israel sowie weiteren Vertretungen in der Region, erklärte ein Sprecher.

Deutsche Staatsangehörige im Iran, in Israel und der weiteren Region seien aufgerufen, sich in der Krisenvorsorgeliste „Elefand“ zu registrieren. Dort kann man Kontaktdaten angeben, um Informationen und Unterstützung zu erhalten. Das Auswärtige Amt riet Deutschen außerdem, Anweisungen lokaler Behörden zu jeweils erforderlichen Maßnahmen zum Selbstschutz zu folgen.

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