Nach Anschlag von Berlin
Große CSD-Demo in Hamburg - Umfrage: Mehr Unsicherheit

Georg Wendt/dpa
Die Hamburger Polizei spricht von einer friedlichen und ausgelassenen Stimmung bei der Demonstration zum Christopher Street Day.
Eine Woche nach dem Terroranschlag am Rande der Christopher-Street-Day-Feiern in Berlin haben in Hamburg Zehntausende für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt demonstriert und die queere Community gefeiert. Unter dem Motto „Solidarisch queer. Haltung zeigen - für eine Zukunft ohne Angst!“ zog eine Parade von 60 Lastwagen als fahrende Bühnen von Firmen, Vereinen, Parteien und evangelischer Kirche durch die Innenstadt.
Die Veranstalter vom Verein Hamburg Pride erwarten rund 250.000 Teilnehmer. Die Polizei konnte zunächst keine Zahl nennen. Unter den Teilnehmern waren etwa die prominente Dragqueen Olivia Jones und mehrere Politiker von SPD und Grünen, darunter SPD-Bundestagsfraktionschef Matthias Miersch.
Auch in Bonn und weiteren Städten sowie im Ausland in Amsterdam und im britischen Badeort Brighton waren Paraden geplant.
SPD-Fraktionschef Miersch wünscht sich einen Besuch von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bei einem Christopher Street Day. „Es wäre ein sehr gutes Zeichen, wenn der Kanzler zu einem CSD kommen würde“, sagte Miersch der Funke-Mediengruppe. „Ich finde es wichtig, dass wir als politische Verantwortungsträger in der aktuellen Lage Flagge zeigen.“
Angesichts des islamistischen Anschlags in Berlin hat das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung laut einer Umfrage gelitten. 38 Prozent der vom Meinungsforschungsinstitut Civey Befragten gaben an, dass ihr Sicherheitsgefühl seit dem vergangenen Wochenende eindeutig oder eher abgenommen habe. 54 Prozent schätzen ihr persönliches Sicherheitsgefühl in der Umfrage im Auftrag der Funke-Mediengruppe unverändert ein. Sieben Prozent fühlen sich sicherer.
Die Hamburger Polizei hatte ihr Sicherheitskonzept noch einmal überarbeitet. Es sollen doppelt so viele Beamte wie bei der Demonstration im vergangenen Jahr im Einsatz sein.
In Amsterdam rief der niederländische Ministerpräsident Rob Jetten bei der farbenprächtigen Parade auf den Grachten junge LGBTIQ-Personen auf, sich offen zu bekennen. Ein Coming-out sei nicht einfach, „aber sobald man diesen Schritt gewagt hat, wird es nur noch besser“, sagte er laut der Nachrichtenagentur ANP am Samstag zum Auftakt der traditionellen „Canal Parade“. Der 39-Jährige ist der jüngste Regierungschef der Niederlande und der erste, der offen schwul lebt.
In Berlin hatte der islamistische Attentäter Abdul B. am vergangenen Samstag mit einem Auto mehrere Menschen angefahren und weitere vermutlich mit einer Machete attackiert. Eine Frau aus Polen starb, 31 Menschen wurden verletzt. Der zunächst flüchtige 21-Jährige wurde am Sonntagabend von Polizisten gestellt und erschossen, als er sie nach Polizeiangaben angriff.
Der Christopher Street Day wird weltweit gefeiert. Die Bewegung geht auf Ereignisse im Juni 1969 in New York zurück. Nach einer Razzia der Polizei in der Szenebar „Stonewall Inn“ kam es damals zum Aufstand von Schwulen, Lesben und Trans-Menschen. Hauptschauplatz von Straßenschlachten war die Christopher Street im Künstler-Viertel Greenwich Village in Manhattan.










