Bedrohung der Demokratie

Dobrindt will mehr Schlagkraft des Staats

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt will mehr Mitarbeiter des Verfassungschutzes im Kampf gegen den Linksextremismus einsetzen.

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt will mehr Mitarbeiter des Verfassungschutzes im Kampf gegen den Linksextremismus einsetzen.

Von dpa

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt will mehr Verfassungsschützer im Kampf gegen den Linksextremismus einsetzen. „Der Verfassungsschutz wird personell aufgestockt an der Stelle“, sagte der CSU-Politiker bei der Jahrestagung des Beamtenbundes dbb in Köln. Das habe er bereits am vergangenen Montag angewiesen. „Dem Linksextremismus will ich in unserem Land schlichtweg keinen Platz geben.“ Die Maßnahme werde nicht zulasten der Kräfte gehen, die sich dem Rechtsextremismus widmeten.

Linksterror und Linksextremismus würden in Deutschland wieder stärken und agierten „mit einer erhöhten Schlagzahl“, sagte Dobrindt, der sich im Zusammenhang mit dem Anschlag auf die Stromversorgung in Teilen Berlins äußerte. In der Vergangenheit habe es, „vielleicht auch begründet, einen reduzierteren Blick“ auf das Thema gegeben.

Generell brauche der Staat im digitalen Bereich mehr Ermittlungsmöglichkeiten gegen Extremisten, sagte der Minister. „Ich finde es schlichtweg nicht akzeptabel, dass der Staat an manchen Stellen immer noch blind ist gegenüber Extremisten.“

Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) war beim dbb mit dessen Chef Volker Geyer im Gespräch.
Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) war beim dbb mit dessen Chef Volker Geyer im Gespräch.
Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) war beim dbb mit dessen Chef Volker Geyer im Gespräch.
dbb-Chef Volker Geyer warnt vor grassierendem Personalmangel beim Staat.
dbb-Chef Volker Geyer warnt vor grassierendem Personalmangel beim Staat.
dbb-Chef Volker Geyer warnt vor grassierendem Personalmangel beim Staat.
NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst ist für ein starkes Beamtentum.
NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst ist für ein starkes Beamtentum.
NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst ist für ein starkes Beamtentum.

Dobrindt kündigte ferner an, eine seit Monaten auf Eis liegende Reform der Beamtenbezahlung „in einigen Wochen“ auf den Weg zu bringen. Dabei geht es um eine verfassungsgemäße Besoldung der rund eine Million Bundesbeamten, Polizisten, Soldaten oder Richter.

Schon vor rund fünf Jahren hatte das Bundesverfassungsgericht am jetzigen Besoldungssystem unter anderem bemängelt, dass die unteren Gehaltsgruppen zu nah am Sozialhilfeniveau lägen. Dobrindt versprach: „Ich will, dass die Tabellen nachvollziehbar werden und dass die Leistungsgerechtigkeit wieder einzieht.“

Im Kampf gegen den Linksextremismus will Dobrindt mehr Verfassungsschützer einsetzen. „Der Verfassungsschutz wird personell aufgestockt an der Stelle“, sagte der CSU-Politiker. Vor dem Hintergrund des Anschlags vermutlich von Linksextremisten, der die Stromversorgung in Teilen Berlins über Tage lahmgelegt hatte, sagte Dobrindt: „Dem Linksextremismus will ich in unserem Land schlichtweg keinen Platz geben.“ Dies werde nicht zulasten der Kräfte gehen, die sich dem Rechtsextremismus widmeten.

dbb-Chef Volker Geyer rief dazu auf, den Staat angesichts der aktuellen Bedrohungen der Demokratie zu stärken. Wer die Axt wie etwa in den USA oder in Argentinien an die Behörden und Institutionen lege, „legt sie gleichsam an die Demokratie selbst“, mahnte Geyer. In beiden Ländern hatten die Regierungen in großem Umfang Beschäftigte in staatlichen Stellen entlassen. „Das sind Zustände, die wir nicht importieren dürfen.“

Beamtenbashing gefährde den stabilen Staat. „Wer das Berufsbeamtentum infrage stellt, öffnet Tür und Tor für Willkür, Vetternwirtschaft und Ungleichheit“, warnte der dbb-Chef. Mit Blick auf die SPD kritisierte Geyer Überlegungen, Beamte künftig in die Rentenkasse einzahlen zu lassen.

Eindringlich warnte Geyer vor den Folgen des Fachkräftemangels im öffentlichen Dienst. Schon heute fehlten rund 600.000 Kolleginnen und Kollegen. „Und die Tendenz ist steigend“, sagte Geyer. In den nächsten zehn Jahren gingen 1,4 Millionen Beschäftigte in Ruhestand. „Das ist kein Fachkräftemangel - das ist eine Personal-Erosion, die den Staat in die Knie zwingt.“ Neben Neueinstellung sei eine Staatsmodernisierung nötig.

Gegen Abstriche beim Berufsbeamtentum sprach sich auch Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) aus. „Dieser Staat braucht das Berufsbeamtentum, und zwar einen anständig ausgestatteten“, sagte der CDU-Politiker. Er teile in der Frage auch nicht die Ansicht von CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann, der im vergangenen Jahr vorgeschlagen hatte, das Berufsbeamtentum auf Kernbereiche wie Polizei, Feuerwehr, Zoll und Finanzbehörden zu beschränken.

Im aktuellen Tarifkonflikt um den öffentlichen Dienst der Länder kündigte Geyer ausgeweitete Warnstreiks an, falls die Arbeitgeber kein „verhandlungsfähiges Angebot“ machen. „Wenn nicht, dann werden wir unsere Streikmaßnahmen deutlich ausweiten“, sagte der dbb-Chef.

An diesem Donnerstag und Freitag findet in Potsdam die zweite Verhandlungsrunde für die mehr als 900.000 Tarifbeschäftigten der Länder statt. Nach einem ergebnislosen Auftakt treffen die Spitzen der Gewerkschaften Verdi und dbb erneut mit den Arbeitgebern zusammen. Die Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) hatte die Forderungen nach sieben Prozent mehr Einkommen, mindestens aber 300 Euro mehr, abgelehnt. Etwa in Berlin hatte es bereits Arbeitsniederlegungen in Kitas, Schulen und Bezirksämtern gegeben. Auch teils der Straßendienst im Winter oder die Universitätskliniken könnten von Warnstreiks betroffen sein. Nicht verhandelt wird lediglich für Hessen, hier gilt ein anderer Tarifvertrag.

Dieser Artikel ist Teil eines automatisierten Angebots der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Er wird von der idowa-Redaktion nicht bearbeitet oder geprüft.

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