Migration
51 Prozent weniger Asylbewerber
Immer weniger Menschen stellen einen Antrag auf Asyl in Deutschland. Die Zahl der Erstanträge lag laut einer Mitteilung des Bundesinnenministeriums im Jahr 2025 bei 113.236. Im Jahr davor waren es noch 229.751. 2023 lag die Zahl der Erstanträge sogar bei 329.120.
Bei den Erst- und Folgeanträgen gab es nach einem Bericht von „Bild am Sonntag“ einen Rückgang von rund 33 Prozent auf 168.543. 2023 waren es noch 351.915 Erst- und Folgeanträge. Folgeanträge können gestellt werden, wenn ein Antrag zurückgenommen oder abgelehnt wurde und sich die Umstände geändert haben.
Die Zahl der Asylbewerber ist schon länger rückläufig. Für diesen Rückgang führen Experten verschiedene Gründe an, etwa die Grenzkontrollen, die ab Oktober 2023 von der damaligen Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) schrittweise eingeführt und von ihrem Nachfolger Alexander Dobrindt (CSU) intensiviert wurden.
In den Folgejahren sank die Zahl der Erstanträge auf Asyl auf bis zu 102.581 2020, um dann zunächst wieder anzusteigen.
Ein Grund für den Rückgang der Zahlen sind die Grenzkontrollen. Sie wurden ab Oktober 2023 von der damaligen Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) schrittweise eingeführt und von ihrem Nachfolger Alexander Dobrindt (CSU) intensiviert. Nach dem Ende der Ära des Langzeitmachthabers Baschar al-Assad kamen zudem weniger Syrerinnen und Syrer nach Deutschland. Auch Italiens restriktiverer Migrationspolitik werden Effekte zugeschrieben. Das gilt in umgekehrter Weise auch für Spanien, wo irreguläre Migrantinnen und Migranten mit Jobaussichten eine Aussicht auf Legalisierung haben.
Das Innenministerium führt den Rückgang auf die „Migrationswende“ der Bundesregierung zurück: Sie zeige Wirkung. Dobrindt sagte: „Das klare Signal aus Deutschland heraus, dass sich die Migrationspolitik in Europa geändert hat, ist in der Welt angekommen.“ Genannt werden unter anderem auch das Aussetzen des Familiennachzugs und das Ende der „Turboeinbürgerung“.
Schon zu Beginn des neuen Jahres hat die Bundesregierung auch ihre Abschiebungen fortgesetzt. Zwei afghanische Straftäter wurden nach Afghanistan gebracht. Eine Sprecherin bestätigte einen Bericht der „Bild“ über die Rückführung eines in Bayern wegen schwerer Körperverletzung und Drogendelikten mehrfach verurteilten Mannes. „Bundespolizisten übergaben den Mann und konsularische Papiere auf dem Flughafen an Taliban-Offizielle“, hatte die Zeitung berichtet.
Angewendet worden ist laut dem Blatt ein neu etablierter Mechanismus der Einzelabschiebung - laut der Sprecherin nun zum dritten Mal. 2025 wurden ihr zufolge 83 Straftäter nach Afghanistan zurückgeführt. „Es ist geplant, dass Rückführungen nach Afghanistan und Syrien regulär und regelmäßig mit Linienflügen stattfinden sollen.“ Mit weiteren Rückführungen sei zu rechnen.
Die frühere Regierung von SPD, FDP und Grünen hatte Afghanistan- Abschiebungen wegen der Machtübernahme der Taliban ausgesetzt, unter Dobrindt wurden sie wieder aufgenommen. Ungeachtet von Kritik in Deutschland hatte sich das Innenministerium laut Sprecher mit „Vertretern der afghanischen De-facto-Regierung“ verständigt. Dobrindt hatte gesagt, die Gesellschaft habe ein Interesse daran, dass Straftäter das Land verlassen.
Insgesamt wurden aus Deutschland vergangenes Jahr - noch ohne Dezemberzahlen - 21.311 Personen zurückgeführt. „Wir gehen für das Jahr 2025 von einer Steigerung von Abschiebungen gegenüber dem Vorjahr von 20 Prozent aus“, sagte eine Ministeriumssprecherin.
Die CSU-Landesgruppe hatte zuletzt mit einem Forderungskatalog für Widerspruch gesorgt, der vor ihrer Winterklausur bekanntgeworden war. Die meisten Syrerinnen und Syrern sollen nach dem Beschlussantrag für die CSU-Abgeordneten zurück in ihre Heimat.
Gefordert wird eine Abschiebeoffensive und ein Abschiebeterminal am Flughafen München. Der Chef des CDU-Arbeitnehmerflügels, Dennis Radtke, hatte in der „Süddeutschen Zeitung“ eingewandt, er verstehe nicht, „warum man zwei Monate vor extrem wichtigen Landtagswahlen das Nummer-1-Thema der AfD wieder groß macht (...)“. Dabei habe Dobrindt ja geliefert. Gewählt wird 2026 in Baden-Württemberg (8. März), Rheinland-Pfalz (22. März), Sachsen-Anhalt (6. September), Berlin und Mecklenburg-Vorpommern (beide am 20. September). In den ostdeutschen Flächenländern ist die AfD in Umfragen stärkste Kraft.
Die erste Abschiebung nach Syrien seit Beginn des Bürgerkriegs hatte es vor Weihnachten gegeben. Auch hier saß ein Straftäter im Flugzeug. In ihrem Koalitionsvertrag hatten Union und SPD angekündigt: „Nach Afghanistan und Syrien werden wir abschieben - beginnend mit Straftätern und Gefährdern.“
Insgesamt halten sich in Deutschland laut Ministerium 940.401 Personen mit syrischer und 448.744 mit afghanischer Staatsangehörigkeit auf - jeweils mit unterschiedlichem Aufenthaltsstatus. Aus mehreren Branchen in Deutschland waren Warnungen gekommen, ohne Arbeitskräfte auch aus Syrien entstünden deutliche Lücken - etwa von der Ärzteschaft.
Deutschland ist nicht allein mit dem Abschiebe-Trend. EU-Innenkommissar Magnus Brunner sagte der „Welt am Sonntag“ zur Situation in der Europäischen Union: „Die Abschiebungsrate ist in den ersten drei Quartalen von 19 Prozent im Jahr 2023 auf 27 Prozent im Jahr 2025 gestiegen. Damit werden wir im Jahr 2025 voraussichtlich die höchste Abschiebungsrate seit 2019 erreichen.“ Dennoch sei dies „bei weitem noch nicht genug“. Nötig seien konsequente Abschiebungen, eine rasche Abweisung von Personen mit geringer Aussicht auf Asyl sowie Zusammenarbeit mit Drittstaaten, damit Menschen nicht fliehen.













