Myanmar
Aung San Suu Kyi: Erster Kontakt zum Sohn seit fünf Jahren

Nach mehr als fünf Jahren ohne direkten Kontakt hat der Sohn der in Myanmar inhaftierten Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi erstmals wieder mit seiner Mutter sprechen können. Ihre Stimme wieder zu hören, bedeute ihm mehr, als Worte ausdrücken könnten, schrieb Kim Aris (49) auf Facebook. Zugleich forderte er die sofortige und bedingungslose Freilassung seiner 81 Jahre alten Mutter und aller politischen Gefangenen.
Suu Kyi steht seit dem Militärputsch vom Februar 2021 unter Arrest. Damals hatte das Militär die demokratisch gewählte Regierung gestürzt und die Politikerin festgenommen. Später wurde sie wegen angeblicher Vergehen zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt. Seitdem wird sie weitgehend von der Außenwelt abgeschirmt.

Nyein Chan Naing/epa/dpa
Ein Bild aus besseren Tagen: Aung San Suu Kyi im Jahr 2011 mit ihrem Sohn Kim Aris.
Immer wieder gab es Sorge um ihren Gesundheitszustand, unter anderem war von Herzproblemen die Rede. Ende April wurde sie aus einem Gefängnis in Hausarrest verlegt. Ihr genauer Aufenthaltsort ist aber weiterhin nicht öffentlich bekannt.
Regelmäßiger Zugang gefordert
Aris dankte allen, die sich für seine Mutter und ihn eingesetzt hätten. „Ich glaube, dass eure Stimmen dazu beigetragen haben, diesen Moment möglich zu machen“, betonte er. Die Menschen sollten sich weiterhin zu Wort melden, bis seine Mutter frei sei. Ob das Gespräch online oder am Telefon stattfand, blieb unklar.
Zugleich warnte Aris davor, den wieder ermöglichten Kontakt als Zeichen einer grundlegenden Veränderung zu werten. „Ein Gespräch bedeutet keinen regelmäßigen Zugang zur Familie. Zugang zur Familie bedeutet keine Freiheit“, schrieb er.
König Charles schickt Bücher
Die Mitteilung kommt wenige Tage nach einer ungewöhnlichen Geste des britischen Königs Charles III. Nach Angaben der von Militärmachthaber Min Aung Hlaing geführten Regierung wurden Aung San Suu Kyi am Montag zwei Bücher des Königs sowie ein versiegelter Brief und diplomatische Korrespondenz übergeben.
Die jüngsten Entwicklungen könnten darauf hindeuten, dass die Militärführung in dem südostasiatischen Krisenland begrenzte Kontakte zu der prominenten Gefangenen wieder zulässt. Ob daraus ein regelmäßiger Austausch mit ihrer Familie wird, ist allerdings offen. Noch im Sommer hatte ihr Sohn öffentlich beklagt, seit Jahren keine verlässlichen Informationen über ihre Situation erhalten zu haben.
Anfang August hatte schließlich ein Vertreter des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) Suu Kyi besuchen können. Es war der erste öffentlich bekanntgewordene Kontakt mit einem unabhängigen internationalen humanitären Akteur seit ihrer Festnahme.
Schwere Krise im früheren Birma
Suu Kyi war jahrzehntelang die bekannteste Oppositionspolitikerin Myanmars und erhielt 1991 den Friedensnobelpreis für ihren gewaltlosen Einsatz für Demokratie. Bereits von 1989 bis 2010 verbrachte sie insgesamt 15 Jahre isoliert unter Hausarrest. In ihrer Heimat ist sie bis heute sehr beliebt.
Seit dem Putsch von 2021 befindet sich das frühere Birma in einer schweren Krise. Gewalt, wirtschaftlicher Niedergang und Widerstand gegen das Militär prägen das Land. Nach einer international sehr umstrittenen Wahl wurde Armeechef Min Aung Hlaing im April vom Parlament zum Präsidenten erklärt. Kritiker und internationale Beobachter sehen darin jedoch keinen echten demokratischen Prozess, sondern eine Inszenierung zur Festigung der Militärmacht.









