Kultur
Kritik an abgesagter Lesung von Arne Semsrott in Magdeburg
Die Linke im Landtag von Sachsen-Anhalt und die Schriftstellervereinigung PEN Berlin protestieren gegen die kurzfristige Absage einer Lesung des Autors Arne Semsrott in der Stadtbibliothek Magdeburg. Die Linke-Fraktionschefin Eva von Angern sprach von einem Skandal und einer „politischen Bankrotterklärung“ der Stadtverwaltung. „Das ist ein Akt von Feigheit“, urteilte PEN-Berlin-Sprecher Deniz Yücel.
Semsrott hatte zuvor auf Bluesky kritisiert, die Bücherei habe ihn „nach politischem Druck“ ausgeladen. Seine dort schon angekündigte Lesung am 5. Juni aus dem neuen Buch „Gegenmacht - Die Zivilgesellschaft schlägt zurück“ habe verlegt werden müssen. Sie findet nun im Kulturhof Moritzhof in Magdeburg statt, Veranstalter sind die Heinrich-Böll-Stiftung und der Verein Miteinander.
Der wahrscheinliche Hintergrund aus Semsrotts Sicht: Eine kritische AfD-Anfrage im Stadtrat zu einer früheren Lesung in Magdeburg. „Auch das passiert, wenn sich eine Verwaltung der autoritären Wende nicht entgegenstellt“, schrieb Semsrott, der das Transparenzportal „FragDenStaat“ leitet. Dem MDR sagte er mit Blick auf die Stadtverwaltung: „Ich würde stark davon ausgehen, dass die sich da wegducken vor solchen kritischen Fragen.“
Auf eine Anfrage der Deutschen Presse-Agentur gab die Stadtverwaltung keine konkrete Antwort, sondern lediglich den Hinweis, dass die Oberbürgermeisterin Simone Borris am Donnerstag (ab 14.00 Uhr) in öffentlicher Sitzung den Stadtrat informiert.
Linke-Fraktionschefin von Angern forderte, die Stadtverwaltung müsse sich jetzt positionieren. „Es braucht ein deutliches Zeichen der Oberbürgermeisterin Simone Borris: Demokratinnen und Demokraten sind herzlich willkommen, rechtspopulistische Hetze gehört verbannt und entschlossen widersprochen.“
Robert Fietzke, Linke-Mitglied des Magdeburger Stadtrats, erklärte: „Es drängt sich die Frage auf, ob die Stadtspitze schon im vorauseilenden Gehorsam handelt und Demokratieaktivisten verdrängt, die von Rechtsextremisten als Problem dargestellt werden.“
Parallel zu der Kontroverse um Semsrott veröffentlichten zahlreiche Theater, Museen und Bibliotheken im Land sowie Musik- und Kunstorte, soziokulturelle Zentren und Künstler eine Erklärung zugunsten der Kunstfreiheit. Darin heißt es: „Rechtspopulistische Kräfte greifen die Freiheit der Kunst gezielt an, schüren Verunsicherung und arbeiten an einer rückwärtsgewandten Kultur der Ab- und Ausgrenzung.“
Demokratische Werte würden infrage gestellt, kulturelle Arbeit delegitimiert und Einfluss auf Inhalte und Programme genommen. „Diese Versuche, Debatten zu verengen, Menschen auszugrenzen und Kunst zu kontrollieren, widersprechen unserem Selbstverständnis.“









