Eine Portion Glück bitte

Schornsteinfeger - ein vielseitiger Beruf mit Zukunft

Von Kerstin Weinzierl

Er steigt den Leuten aufs Dach und ist dennoch willkommen. Er ist voller Schmutz und trotzdem will ihn jeder berühren. Der Schornsteinfeger ist ein gern gesehener Gast, gilt er doch Land auf Land ab als Glücksbringer. Auch beim 16-jährigen Michael aus Roding im Landkreis Cham, der im September eine Lehre als Schornsteinfeger begonnen hat, holte sich schon der ein oder andere seine Portion Glück ab: "Ja, es kommt immer wieder mal vor, dass die Leute mich anfassen möchten, weil es angeblich Glück bringt."

Warum aber gelten Kaminkehrer als Glücksbringer? Kaminkehrermeister Michael Altmann aus Roding blickt für uns zurück ins Mittelalter, als es immer wieder zu verheerenden Haus- und Stadtbränden kam. Die Angst der Menschen war groß. Und so nahmen sie die Dienste der ersten Kaminkehrer, ein Wandervolk aus Italien, dankbar an: Diese reinigten die Feuerstätten in den Häusern und sorgten so dafür, dass Brände gar nicht erst entstehen konnten. Als einzelne Städte im 14. und 15. Jahrhundert Feuerordnungen erließen, wurden die Kaminkehrer sesshaft, der Berufsstand der Schornsteinfeger entwickelte sich.

Beruf im Wandel

Zwar hat das Handwerk des Schornsteinfegers mit der Arbeit von damals nicht mehr viel gemein, doch als Glücksbringer gelten die schwarzen Männer nach wie vor. Im Gespräch mit Michael Altmann wird schnell deutlich, wie sehr sich das Berufsbild geändert hat. Neben Besen und Kehrleine arbeiten die Schornsteinfeger heute mit modernster Technik. Während in seiner Lehrzeit vor über drei Jahrzehnten die Arbeit des Schornsteinfegers überwiegend aus Kehren bestand, macht die Messtätigkeit heute über die Hälfte der Arbeit aus, in städtischen Kehrbezirken mit wenig Holzheizungen ist das Kehren fast ganz verschwunden. Für den 16-jährigen Michael allerdings gehört das Kehren nach wie vor zur täglichen Arbeit, schließlich ist er in Roding, einem ländlichen Kehrbezirk, eingesetzt, wo in vielen Häusern mit Holz geheizt wird. Michael hat sich nach seiner Mittleren Reife für eine Ausbildung zum Schornsteinfeger entschieden - dabei wollte er ursprünglich Maurer werden. Doch während seiner Schulzeit absolvierte er ein Praktikum bei seinem jetzigen Chef und war begeistert: "Ich hätte vorher nie gedacht, dass mir der Beruf so viel Spaß macht!" Was ist es genau, was ihm an diesem Handwerk gefällt? "Der Beruf ist so vielseitig und abwechslungsreich, du kommst viel mit Leuten zusammen und das Betriebsklima stimmt auch", gerät der 16-Jährige ins Schwärmen.

Vier Säulen Die Vielseitigkeit des Berufs gründet auf vier Säulen, wie der Kaminkehrermeister erklärt, deshalb auch das Logo mit den vier Farben Rot, Gelb, Blau und Grün. Schornsteinfeger sind Experten für den Brandschutz (rot) , für die Betriebssicherheit (gelb) , für den Umweltschutz (blau) und für die Energieberatung (grün). Demzufolge sind die Aufgaben, die Michael in seiner dreijährigen Ausbildung zu lernen hat, enorm vielfältig. Bei regelmäßigen Kontrollen sorgt er dafür, dass Kamine, Heizungs- und Lüftungsanlagen sauber sind und dass sie einwandfrei funktionieren. Dazu steigt er auch auf Dächer und reinigt Schornsteine. Mit speziellen Messgeräten überprüft er die Heizungsanlage. Er misst zum Beispiel die Heizabgase auf darin enthaltene Schadstoffe. Zum Tagesgeschäft gehört es außerdem, Kunden in Fragen zum Umweltschutz und Energiesparen zu beraten.

Selbstständigkeit als Ziel

Dass Michael nach einem Vierteljahr all diese Aufgaben noch nicht beherrscht, versteht sich von selbst. Momentan hilft er vor allem beim Kehren von Kaminen und beim Reinigen von Feuerstätten oder er schaut dem Gesellen oder Meister beim Messen über die Schulter. Gleich zu Beginn seiner Ausbildung wurde Michael mit den Vorschriften zur Unfallverhütung vertraut gemacht, denn ungefährlich ist es nicht, auf Dächern herumzusteigen. Die übliche Karriere eines Schornsteinfegers verläuft über die Stationen Lehre, Geselle, Meister und selbstständiger Inhaber eines Kehrbezirks. Es gibt aber auch Abiturienten, die eine Schornsteinfeger- Lehre als Zwischenstation nutzen hin zu einem Studium (zum Beispiel Gebäude- und Umwelttechnik). In der Selbstständigkeit sieht Michael Altmann einen der Vorzüge dieses Berufs: "Ich kann mir meinen Tagesablauf selber einteilen." Außerdem ist ein Kehrbezirk wie eine große Familie, jeder kennt jeden. Deshalb legt er bei seinen Lehrlingen großen Wert auf gute Umgangsformen und eine Grundehrlichkeit. "Als Kaminkehrer genießt du großes Vertrauen, schließlich gelangst du in die Privaträume deiner Kunden. Nicht selten kommt es vor, dass dir der Haustürschlüssel ausgehändigt wird."

Michael Altmann liebt seinen Beruf und möchte junge Menschen animieren, dieses Handwerk zu erlernen. "Jugendliche, die sich für diesen Beruf entscheiden, haben auf Lebenszeit einen sicheren Job. Es gibt keine arbeitslosen Gesellen, wir bilden nicht über Bedarf aus. Außerdem bekommen sie nach der Lehre einen Spitzenlohn im Handwerk." Eines möchte Michael Altmann noch anmerken: "Schornsteinfeger ist durchaus auch ein Beruf für Frauen."

Zur Ausrüstung gehören außerdem spezielle Messgeräte für die Feinstaubmessung beziehungsweise für die Abgasmessung bei Öl- und Gasheizungen.
Zur Ausrüstung gehören außerdem spezielle Messgeräte für die Feinstaubmessung beziehungsweise für die Abgasmessung bei Öl- und Gasheizungen.
Zur Ausrüstung gehören außerdem spezielle Messgeräte für die Feinstaubmessung beziehungsweise für die Abgasmessung bei Öl- und Gasheizungen.
Ein schwarzes Käppi für Lehrlinge und Gesellen, Meister erkennt man am Zylinder.
Ein schwarzes Käppi für Lehrlinge und Gesellen, Meister erkennt man am Zylinder.
Ein schwarzes Käppi für Lehrlinge und Gesellen, Meister erkennt man am Zylinder.
Einen Stoßbesen zum Kehren von unten nach oben, dazu eine Haspel (nicht auf dem Foto zu sehen) für Öl- und Gaskamine.
Einen Stoßbesen zum Kehren von unten nach oben, dazu eine Haspel (nicht auf dem Foto zu sehen) für Öl- und Gaskamine.
Einen Stoßbesen zum Kehren von unten nach oben, dazu eine Haspel (nicht auf dem Foto zu sehen) für Öl- und Gaskamine.
Eine Kehrleine mit einer Kugel als Gewicht zum Kehren vom Dach.
Eine Kehrleine mit einer Kugel als Gewicht zum Kehren vom Dach.
Eine Kehrleine mit einer Kugel als Gewicht zum Kehren vom Dach.

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