[Frei]stunde!

Bunter Liebesbeweis auf dem Dach

Der ist es! Es war gar nicht so einfach, den perfekten Maibaum im Wald zu finden. (Fotos: Laube)

Der ist es! Es war gar nicht so einfach, den perfekten Maibaum im Wald zu finden. (Fotos: Laube)

Von Redaktion idowa

Von Alexander Laube


Fast jeder kennt den Brauch, dass um den 1. Mai herum in den Dörfern riesige Maibäume aufgestellt werden. Die jungen Männer versuchen, den Baum mit Muskelkraft und langen Stäben an den dafür vorgesehenen Platz zu stellen. Manchmal kommt es auch vor, dass der Baum vor dem 1. Mai von Burschen, beispielsweise aus dem Nachbardorf, gestohlen wird und dafür eine Auslöse bezahlt werden muss. Deshalb ist es wichtig, den Baum ständig zu bewachen.

Ein Brauch, der auch mit Maibäumen, Burschen und Maibaumstehlen zu tun hat, ist vor allem in der Region von Walderbach bis Nittenau und von Stamsried bis Michelsneukirchen verbreitet: das Maibaumstecken. Die Vorbereitungen dazu starten bereits einige Tage vorher.

Die Burschen machen sich dabei auf, um im Wald nach geeigneten kleinen Birken zu suchen, die sie später mit bunten Kreppbändern schmücken und ihrer Freundin oder Angebeteten auf das Dach - besser gesagt in die Dachrinne - stecken. Dies geschieht in der Nacht zum 1. Mai. Diesem Brauch hat sich vor allem der Burschenverein Mitterdorf verschrieben. Rund fünf Tage vor dem Maifeiertag treffen sich zehn bis 15 Burschen, um geeignete Birken aus dem Wald zu holen. Diese sollten nicht zu klein sein und auffallen. Allerdings auch nicht zu groß, sodass durch das Gewicht Dachrinne oder Dachziegel beschädigt werden könnten. Die Birken bringen die Burschen an einen geheimen oder sicher versperrten Ort, damit sie nicht von anderen Gruppen oder Einzelpersonen geklaut werden.

Anschließend schmücken die Burschen die Maibäume mit bunten Kreppbändern. Blau, grün, rot, gelb, orange, lila und pink. Bei den Mit-terdorfer Burschen bekommt nicht nur die Freundin einen Maibaum, sondern auch die Einmarschpartnerin vom Burschenball, der zu Beginn des Jahres stattfindet. "Es kann schon vorkommen, dass jemand zwei Bäume stecken muss", erläutert Burschenvorstand Daniel Preis. "Dem Vorstand passiert das regelmäßig", lacht er.

Nächtliche Arbeit
Die eigentliche Arbeit beginnt dann erst in der Nacht. Gegen 1 oder 2 Uhr nachts macht sich die Gruppe auf den Weg, um die geschmückten Bäume zu verteilen. Sie werden auf die Ladefläche eines kleinen Lastwagens gepackt und die Fahrt kann beginnen. Zuerst werden die Bäume verteilt, die für die umliegenden Ortschaften bestimmt sind. "Die Burschen müssen da halt ein bisschen länger warten", meint Daniel Preis. Erst dann steuern die Mitterdorfer die Häuser im eigenen Dorf an. Jeder steckt seinen Baum üblicherweise selber in die Dachrinne der Freundin.

Anschließend muss der Baum mindestens bis zum Sonnenaufgang bewacht werden. "Es ist allerdings auch schon vorgekommen, dass uns um 8 Uhr noch jemand einen Maibaum geklaut hat - das ist dann schon dreist", ärgert sich der Burschenvorstand. Steht eine geschmückte Birke jedoch nachts unbewacht auf einem Dach, darf man sie bedenkenlos mitnehmen und falls erforderlich für den Eigengebrauch verwenden. Sobald ein Baum bewacht wird, sollte man davon ablassen, diesen zu klauen. Ab und zu enden solche Versuche dann nämlich in Raufereien. Die Mitterdorfer haben laut Burschenvorstand Daniel Preis keine Zeit, Maibäume zu klauen. "Außer einer steht zufällig alleine herum, den nehmen wir dann schon mit", meint er. Nachdem es hell geworden ist, werden alle Burschen wieder eingesammelt und treffen sich beim Haus der Ballkönigin. Diese bekommt eine sechs bis sieben Meter hohe Birke, die dann nicht am Dach, sondern im Garten platziert wird. Anschließend lädt die Ballkönigin die Mitterdorfer zum Weißwurstessen ein.

Der Brauch des Maibaumsteckens unterscheidet sich von Ort zu Ort in einigen Punkten. Die Burschen des Burschenvereins Roding schmücken ihre Birken gemeinsam und versteigern sie anschließend. Dort, wo es keinen Burschenverein gibt, werden heuer die Mädchen aktiv. Im Schaltjahr stecken die Mädchen ihrem Freund einen bunten Liebesbeweis aufs Dach.

Der Maibaum sollte übrigens bis zum 1. Juni auf dem Dach bleiben. Nach dem ersten großen Regen sieht er allerdings nicht mehr so bunt aus. Laut Brauchtum darf nur der Vater den Baum vom Dach holen. Tut er das zu früh, muss er dem Burschen eine Brotzeit spendieren.

Kalkspur führt zu Verehrer
Ein Brauch, der ebenfalls in der Nacht zum 1. Mai ausgeübt wird, ist das Kalkspur-Ziehen. Die jungen Burschen ziehen mit einem Kalk-Wasser-Gemisch in der Nacht eine Spur vom Haus der Angebeteten zum eigenen. Manche mischen auch etwas weiße Farbe dazu, damit die Spur nicht gleich dem ersten Regen zum Opfer fällt. Ob nur einige hundert Meter oder mehrere Kilometer, die Kalkspuren weisen auf den Wohnsitz des Verehrers hin. Bei mehreren Spuren durch einen Ort kann sich die Suche nach der Richtigen jedoch manchmal als sehr schwierig erweisen.

Anschließend ist jeder Bursch damit beschäftigt, seinen Maibaum zu schmücken. (Fotos: Laube)
Anschließend ist jeder Bursch damit beschäftigt, seinen Maibaum zu schmücken. (Fotos: Laube)
Anschließend ist jeder Bursch damit beschäftigt, seinen Maibaum zu schmücken. (Fotos: Laube)
Fertig! So geschmückt kam der Maibaum auf das Dach. (Fotos: Laube)
Fertig! So geschmückt kam der Maibaum auf das Dach. (Fotos: Laube)
Fertig! So geschmückt kam der Maibaum auf das Dach. (Fotos: Laube)

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