Jugendjury beim Filmfestival "Lucas"

Bitte kein Klischee!

Die Jury des Internationalen Kinderfilmfestivals Lucas (von links): Julie Herrnbrodt (14), Paula Noack (15), Nikolas Kalveram (14), Felix Eschmann (14) und Clara Toker (19). (Foto: Salome Roessler/dpa)

Die Jury des Internationalen Kinderfilmfestivals Lucas (von links): Julie Herrnbrodt (14), Paula Noack (15), Nikolas Kalveram (14), Felix Eschmann (14) und Clara Toker (19). (Foto: Salome Roessler/dpa)

Von Redaktion idowa

Frankfurt. (dpa) Es ist stockdunkel. Nicolas klemmt sich sein Handy zwischen Kinn und Brust und leuchtet mit dem Display auf den Block, der auf seinen Beinen liegt. Dann kritzelt er ein paar Worte, macht das Handy wieder aus und schaut weiter auf die Leinwand. Der 14-Jährige ist einer von fünf Jugendlichen, die als Jugendjury beim Filmfestival Lucas gerade viel zu sagen hatten: Sie entschieden, welcher Film beim Lucas als "Bester Jugendfilm" geehrt wird.

Dafür sind sie eine halbe Woche lang von der Schule freigestellt - und sitzen schon vormittags im Kino. Auch Julie, Paula und Felix haben Notizblöcke auf dem Schoß. "Ich schreibe besondere Momente auf, Sachen, an die ich mich später erinnern will", sagt Julie, die auch 14 ist. Nicolas ist wichtig, welche Stimmung der Film vermittelt. Clara dagegen fläzt entspannt im Kinosessel. Etwas aufschreiben? Findet die 19-Jährige nicht nötig. "Wenn ich einen Film gucke, gucke ich einen Film", sagt sie.

Und Filmegucken - das tun alle Fünf ziemlich oft. "An einem guten Wochenende können es schon so fünf Filme sein", erzählt Clara. Die meisten schaut sie allerdings zu Hause. So machen es die anderen auch. Nicolas geht häufiger mit Freunden ins Kino. Doch dabei geht es eher um den Spaß als um ernsthaftes Filmegucken. "Wir gehen dann in Actionfilme oder auch mal in was Lustiges." Und eigentlich findet er: "Kino ohne Popcorn geht nicht."

Darauf muss er bei der Jugendjury verzichten. Vormittags gibt es hier noch kein Popcorn. Auch sonst unterscheidet sich so eine Filmfestivalvorstellung sehr von einem normalen Kinoabend. Im Publikum zum Beispiel ist niemand älter als 20, scheint es. Dabei ist das Kino fast bis auf den letzten Sessel gefüllt. Viele sind mit der Schulklasse gekommen. Es wird geplappert, gefuttert und geknistert, was das Zeug hält. Als der Abspann erscheint, ertönt Applaus. Manche pfeifen, um zu zeigen, dass sie den Film gut fanden.

Auch der Jugendjury hat der Film gefallen - jedenfalls auf den ersten Blick, wie Nicolas später erzählt. "Als wir uns ein paar mehr Gedanken gemacht haben, wurde uns dann klar, dass er recht oberflächlich war, sehr klischeehaft." Für einen Preis musste es schon etwas mehr sein. Zum Sieger kürten die fünf letztlich "On the Ice", einen US-Film von 2011, der in Alaska spielt. "Die Festung", ein deutscher Film von 2011, bekam von der Jugendjury noch eine lobende Erwähnung. "Wir haben sehr lange darüber diskutiert, welcher der beiden Filme es wird", sagt Nicolas. Keine ganz leichte Entscheidung.

Vielleicht kann Nicolas schon sehr bald über die nächsten Filme grübeln und in einer Jury Urteile fällen:

Er hat eine Einladung zum Kinder- und Jugendfilmfestival in Isfahan im Iran bekommen, das Anfang Oktober stattfindet. Noch ist nicht ganz klar, ob das klappt, sagt er. "Das wäre total abgefahren."

Folgen Sie Themen dieses Artikels:

Alle Artikel zu gefolgten Themen und Autoren finden Sie bei mein Idowa

Keine Kommentare


Neueste zuerst Älteste zuerst Beliebteste zuerst
alle Leser-Kommentare anzeigen
Leser-Kommentare ausblenden

Dieser Artikel wurde noch nicht kommentiert.

merken
Nicht mehr merken
X

Sie haben den Inhalt der Merkliste hinzugefügt.