„Wie eine Fata Morgana“
Andrea Limmer reist ins Jahr 1831, als eine Insel einfach auftauchte und dann wieder abtauchte

Der Juli - die Zeit der Last-Minute-Urlauber. Schnell, schnell noch was buchen, damit man auch einmal hinauskommt und von diesem Hinaus aus nach Haus schreiben kann, dass man bald wieder dorthin komme, obwohl's im Hinaus - aus is' - so schön sei, man möge gar nicht mehr raus, o Graus.
1831 gab es den Massen-Last-Minute-Trip der Reisebüros noch nicht. Allerdings gipfelte damals eben jenes Angebot in einer Insel namens Isola Ferdinandea. Die ploppte nämlich unerwartet aus dem Meer, 60 Kilometer von der sizilianischen Südwestküste entfernt. Der Grund für ihr plötzliches Auftauchen war ein Vulkanausbruch. Gesichtet wurde Isola Ferdinandea zum ersten Mal am 10. Juli 1831 vom deutschen Geologen und Vulkanologen Friedrich Hoffmann sowie seinem französischen Kollegen Constant Prévost. Nach allem Schieben, Grollen und Ausbrechen stand Ferdinandea im August 63 Meter hoch (Maximum) und mit einem Umfang von 5 000 Metern im Wasser.
Neben den Forschern durften viele Touristen, angefahren in Fischerbooten, die Insel besuchen. Und zwar wirklich "Last Minute", ganz unverbindlich. Denn im Dezember 1831 ist die Insel schon wieder untergetaucht, um weiter tief unter Sizilien zu liegen. Sie hat eben nicht aus verbindendem Lava bestanden, weshalb sie die Wellen einfach weich- und runtergespült haben. Nun, vielleicht ist es eh besser so. Denn kaum war die Insel da, stritten sich sogleich die umliegenden Landbewohner darum. Hoffmann, der die Insel zum ersten Mal am 24. Juli von Nahem betrachtete, hat sie auf ihren Namen getauft, nach König Ferdinand II, König beider Sizilien. Jedoch hat sie Sir Henry Hotham, Vizeadmiral und Gouverneur der damaligen britischen Kolonie Malta, ganz offiziell in Besitz genommen, am 19. August, unter dem Namen "Graham Island". Und dann rumpelten auch noch die Franzosen daher und benannten die Insel in Giulia um, gemäß ihres Geburtsdatums. Dem Durcheinander machte Ferdinandea bekanntermaßen selber ein Ende, indem sie einfach einen französischen Abgang vollführte. Doch wer jetzt denkt: "Herrschaft, es gab wirklich einen Territoriumsdisput, bei dem die Amis nicht mitg'schaftelt haben!", der irrt. 1987 warf ein US-amerikanischer Bomber ein paar Bomben auf Ferdinandea. Man hatte die Insel für ein libysches Unterseeboot gehalten.Der Last-Minute-Inselvulkan hat sich inzwischen in ein unterseeisches Vulkanmassiv eingereiht und ist unter anderem ein Nachbar des Unterwasservulkans Empedocles.
Da es 2002 um Ferdinandea wieder recht brodelte und wogte, tauchten gleich ein paar Italiener hinab und steckten die italienische Flagge in den Seevulkan, um im Falle eines erneuten Auftauchens der Insel die Ansprüche bereits geklärt zu haben. Und wer weiß? Vielleicht ist Ferdinandea in zehn oder zwanzig Jahren ja das Urlaubsparadies. Gardasee 2.0 sozusagen.









