Tradition im Englischen Garten
Tausende Tänzer - Was den Kocherlball besonders macht

Felix Hörhager/dpa
In den vergangenen Jahren besuchten meist mehr als 10.000 Menschen den Kocherlball am Chinesischen Turm. (Archivbild)
Zum traditionellen Kocherlball werden heute im Englischen Garten in München wieder Tausende Tänzer erwartet. In aller Früh, um 6.00 Uhr, treffen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Chinesischen Turm, um gemeinsam in den Tag hineinzutanzen. Ein oberbayerischer Verein will die Veranstaltung jetzt sogar zum Weltkulturerbe machen.
Den Kocherlball gibt es in München seit mehr als 140 Jahren. Damals traf sich das Hauspersonal der Stadt an Sonntagen zum Tanzen und Feiern, bevor ihre Herrschaften aus der Kirche zurückkamen und sie wieder an die Arbeit mussten. Daher hat der Ball auch seinen Namen: Das Wort „Kocherl“ stammt aus dem Münchner Volksmund und war einst Spitzname für das Küchenpersonal.

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Bei Kerzenschein: Wenn die Stadt noch schläft, feiern Tausende Menschen im Englischen Garten den Kocherlball. (Archivbild)
Im Jahr 1904 wurde der Kocherlball von den Obrigkeiten wegen „Unsittlichkeit“ verboten und lange Zeit vergessen. Erst zur 200-Jahr-Feier des Englischen Gartens 1989 wurde die Tradition neu belebt. Seitdem findet der Kocherlball jedes Jahr am dritten Sonntag im Juli statt.
Seine lange Tradition und große Beliebtheit machen den Kocherlball aus Sicht des Vereins zur Erhaltung der Biergartentradition zu einem Weltkulturerbe-Kandidaten. Bis zur nächsten Möglichkeit im Jahr 2029 wolle man eine Bewerbung vorbereiten, sagte die Präsidentin des Vereins, Ursula Seeböck-Forster, der „Süddeutschen Zeitung“. Die Voraussetzungen dafür seien erfüllt. Dazu zählten historische Wurzeln, Lebendigkeit, Kontinuität, Wandlungsfähigkeit und Inklusivität.
Seit der Wiederentdeckung der Tradition 1989 ist die Gastronomen-Familie Haberl Gastgeberin des Balls. Auf der Bühne sorgen Tanzmeisterin Katharina Mayer und Vortänzer Magnus Kaindl dafür, dass auch Ungeübte bei Tänzen wie dem Landler, der Polka oder einem Zwiefachen in Tracht und Kostümen möglichst nicht aus dem Takt kommen.








