Naturschutz

Schwierige Zeiten für Feldhasen-Nachwuchs

Ein junger Feldhase wird mit Spezialmilch gefüttert.

Ein junger Feldhase wird mit Spezialmilch gefüttert.

Von dpa

Der kleine Feldhase streckt sich, gierig zieht er am Sauger einer Spritze. Es gibt Milch. Ruckzuck hat er leer getrunken. Das Kerlchen mit den langen Ohren sitzt auf dem Schoß von Sabine Gallenberger. Die Vorsitzende des Vereins Wildwaisen-Schutz in München kümmert sich um verletzte, geschwächte oder verwaiste Tiere. Vor allem Eichhörnchen und Siebenschläfer päppelt sie auf - zurzeit aber auch etliche junge Feldhasen.

Im März gibt es üblicherweise die ersten Feldhasen-Würfe. Bis zu drei Junge bekommt eine Häsin in der Regel. Die Jungtiere hocken meist einzeln in einer Wiese in einer Mulde. Anders als Wildkaninchen, die im Bau leben, sind Feldhasen-Junge weitgehend ungeschützt - und das ist ihr Problem.

Der kleine Feldhase wird in einer Münchner Wildtierstation aufgepäppelt.
Der kleine Feldhase wird in einer Münchner Wildtierstation aufgepäppelt.
Der kleine Feldhase wird in einer Münchner Wildtierstation aufgepäppelt.
Sabine Gallenberger füttert einen Feldhasen. Sie kümmert sich unter anderem auch um Eichhörnchen und Siebenschläfer.
Sabine Gallenberger füttert einen Feldhasen. Sie kümmert sich unter anderem auch um Eichhörnchen und Siebenschläfer.
Sabine Gallenberger füttert einen Feldhasen. Sie kümmert sich unter anderem auch um Eichhörnchen und Siebenschläfer.

Einer ihrer Schützlinge sei von einer Katze geschnappt und ein anderer von einer Krähe angehackt worden, erzählt Sabine Gallenberger. Die Kleinen seien jetzt tiermedizinisch versorgt und würden mit Spezialmilch aufgezogen, bis sie kräftig genug sind, um ausgewildert zu werden. Im Gehege haben die Kleinen frische Zweige und getrocknete Kräuter zum Knabbern und ein Häuschen aus Korbgeflecht, in dem sie sich verstecken können.

In ganz Bayern gibt es Wildtier-Auffangstationen, in denen sich Mitarbeiter um verletzte oder schwache Tiere kümmern. Jedoch, so sagt Gallenberger, brauche längst nicht jeder kleine Feldhase tatsächlich Hilfe: Manchmal brächten Spaziergänger ein Jungtier, weil sie glaubten, die Mutter habe es verlassen.

Wer auf einer Wiese einen jungen Hasen sieht, sollte ihn nicht mitnehmen, sagt auch Biologin Angelika Nelson vom Landesbund für Vogelschutz (LBV). „Junge Feldhasen wirken oft verlassen, sind es aber nicht. Die Mutter kommt ein- bis zweimal täglich zum Säugen vorbei.“ Wer ein Jungtier entdeckt, sollte Abstand halten. Außer der Hase ist, wie Gallenberger ergänzt, offensichtlich verletzt.

Generell appelliert Biologin Angelika Nelson an Spaziergänger, auf den Wegen zu bleiben und Hunde anzuleinen. Denn Wiesen seien im Frühling auch die Kinderstube vieler Vögel und anderer Wildtiere.

Das momentan wechselhafte Wetter könne für Junghasen kritisch sein, da sie als Nestflüchter zwar mit Fell und sehend geboren würden, dann aber einzeln oder zu zweit recht ungeschützt in flachen Mulden auf dem Boden hockten. „Bei nasskalter Witterung kann es schnell zu Unterkühlung kommen, das ist eine der häufigsten Todesursachen im Frühjahr.“ Ein milder, trockener Frühling sei günstig für den Feldhasen-Nachwuchs.

Genau in den zuletzt relativ trockenen und milden Wintern und Frühjahren sieht der Deutsche Jagdverband einen Grund für stabile Feldhasen-Bestände in Deutschland in den vergangenen Jahren.

Junghasen hätten zahlreiche Fressfeinde wie Füchse, Greifvögel oder Krähen, aber auch streunende Katzen und Hunde, sagt LBV-Expertin Nelson. Intensive Landwirtschaft verstärke die Gefahren, etwa durch den Verlust strukturreicher Lebensräume. Ohne ausreichende Deckung seien die Jungtiere eine leichtere Beute. Zudem könnten frühe Mahd und große Maschinen den Feldhasen-Nachwuchs töten oder verletzen.

Auch Freizeitaktivitäten des Menschen bedrohten die Junghasen: Radfahrer, Spaziergänger und freilaufende Hunde könnten Jungtiere aufscheuchen, so dass sie ihren Tarnplatz verlassen und von Fressfeinden gefunden werden.

Um den Feldhasen und andere Tiere der Feldflur zu schützen, brauche es Brachen, Blühstreifen und Rückzugsräume, sagt Nelson.

Der Feldhase gilt als Meister der Tarnung und hat ein hervorragendes Gehör. Durch seine langen, kräftigen Hinterbeine ist der Feldhase sehr flink, auf der Flucht erreicht er dem Bund Naturschutz zufolge Geschwindigkeiten von etwa 50 Stundenkilometern, kurzzeitig sogar bis zu Tempo 70. Dabei schlägt er 90-Grad-Haken und kann bis zu drei Meter hoch und sieben Meter weit springen. Männlichen Hasen liefern sich in der Paarungszeit spektakuläre Boxkämpfe und Wettrennen, um die Weibchen zu beeindrucken.

Vom Wildkaninchen kann man den Feldhasen unter anderem durch seine deutlich größeren Ohren unterscheiden. Zudem kommen Feldhasen mit Fell und sehend zur Welt, während Wildkaninchen-Junge zunächst nackt und blind sind.

Dieser Artikel ist Teil eines automatisierten Angebots der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Er wird von der idowa-Redaktion nicht bearbeitet oder geprüft.

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