Prozess beginnt
Mord aus Rache auf Fest? - Angeklagter schweigt vor Gericht
Im Prozess um den Mord auf einem kurdischen Neujahrsfest in der Oberpfalz hat der Angeklagte am ersten Prozesstag zu den Vorwürfen geschwiegen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Syrer vor, seinem Cousin auf dem Fest mit mehr als 1.000 Gästen ein Messer ins Herz gerammt zu haben. Dieser starb noch am Tatort.
Auslöser für die Tat war aus Sicht der Staatsanwaltschaft der gewaltsame Tod der Schwester des Angeklagten vor etwa 20 Jahren, für den der Syrer seinen Cousin verantwortlich gemacht hatte.
Als der 43-Jährige seinen Verwandten unweit eines Lagerfeuers auf dem Fest am 23. März 2025 in Parsberg (Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz) entdeckt habe, habe er ein Küchenmesser gegriffen, sagte Staatsanwältin Miriam Schmitt-Wüstenhagen. Damit habe er sich seinem Cousin von hinten genähert und diesem direkt ins Herz gestochen.
Das Opfer sei davon getaumelt, aber nach wenigen Metern reglos zu Boden gefallen, sagte Schmitt-Wüstenhagen. Anderen Feiernden gelang es demnach, den Angreifer festzuhalten und ihm das Messer abzunehmen.
Die Staatsanwaltschaft geht von Mord aus niedrigen Beweggründen und Heimtücke aus. Die Verteidigung zweifelt jedoch daran, dass diese Mordmerkmale erfüllt sind.
Es habe keinen einzigen Zeugen gegeben, der die Tat gesehen habe, sagte Verteidiger Maximilian Bär. Niemand habe gesehen, ob es nicht doch vorher eine Konfrontation gegeben habe, oder ob die Annäherung tatsächlich von hinten erfolgte.
Mit einem Küchenmesser habe er sich dem 39-Jährigen von hinten genähert und diesem direkt ins Herz gestochen. Das Opfer sei davon getaumelt, aber nach wenigen Metern reglos zu Boden gefallen, sagte Schmitt-Wüstenhagen. Anderen Feiernden gelang es demnach, den Angreifer festzuhalten und ihm das Messer abzunehmen. Woher der Angeklagte das Messer hatte, blieb in der Verhandlung zunächst offen.
Der Prozess startete am Freitag mit strengen Einlasskontrollen und Sicherheitsvorkehrungen - allerdings nicht aus konkretem Anlass, sondern präventiv, weil es sich um einen Konflikt zwischen zwei Familien handele, sagte Gerichtssprecherin Tina Haase. Der Angeklagte kam in Fußfesseln in den Gerichtssaal. Ein Dolmetscher übersetzte ihm alles, was vor Gericht gesprochen wurde.
„In diesem Verfahren geht es nicht um die Frage, ob ein Mensch getötet wurde“, sagte Verteidiger Maximilian Bär. Es gehe vielmehr um die strafrechtliche Würdigung. Dass der Angeklagte aus niedrigen Beweggründen und Heimtücke gehandelt habe, stehe nicht fest. Eine Verurteilung wegen Mordes sei daher nicht möglich.
Es habe Drohnenaufnahmen von dem Fest und angesichts der vielen Gäste potenziell viele Zeugen gegeben, sagte Bär. „Dennoch gibt es keinen einzigen Zeugen, der die Tathandlung an sich gesehen hat.“ Deshalb sei unklar, ob es vorher nicht doch zu einer Konfrontation gekommen sei. Außerdem fehlten Beweise dafür, dass sich der Beschuldigte dem Opfer von hinten genähert habe.
Das bestätigt vor Gericht auch eine Polizistin, die als eine der Ersten am Tatort war. Viele der befragten Gäste hätten aus zweiter oder dritter Hand von dem Tötungsdelikt erfahren. Augenzeugen habe es aber nicht gegeben. Die Stimmung vor Ort sei aufgeregt gewesen und es habe ein heilloses Durcheinander geherrscht, berichteten weitere Polizisten.
Wichtige Erkenntnisse habe ein Drohnenvideo geliefert, auch wenn die Tat darauf nicht zu sehen gewesen sei, sagte ein Ermittler. Auf diesem sei der 39-Jährige zu sehen, wie er zu dem Lagerfeuer gegangen sei, um das zahlreiche Menschen tanzten. „Es mutet an, als sei er relativ entspannt.“ Später habe man in dem Video sehen können, wie das Opfer auf dem Boden liege. Damit sei klar, wann die Tat in etwa gesehen sein muss.
Das Landgericht hat zwölf weitere Verhandlungstermine angesetzt. Ein Urteil könnte die Kammer Ende Februar verkünden.











