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Osterwelle: Kurzes Surf-Comeback am Eisbach sorgt für Wirbel
Plötzlich war sie wieder da - und genauso schnell wieder weg: Die berühmte Surfwelle am Eisbach hat über die Ostertage einmal mehr für Aufmerksamkeit gesorgt. Fast genau ein Jahr nach dem tödlichen Unfall einer Surferin an der Stelle waren am Karfreitag erstmals seit Wochen wieder Surfer zu sehen. Die Welle stand, mancher sprach von einer „Auferstehung“. Zahlreiche Schaulustige verfolgten das kurze Intermezzo. Schon am nächsten Tag war sie wieder nahezu verschwunden.
Manche vermuteten, dass Surf-Aktivisten ohne Genehmigung Gegenstände unter Wasser platziert hatten. Erlaubt ist das nicht; schon früher waren Einbauten von städtischen Behörden entfernt worden.
Seit das Bachbett im vergangenen Herbst ausgekehrt wurde, funktioniert die Welle nicht mehr wie früher. Surfer gehen davon aus, dass sich bei der Kehraus-Aktion etwas am Untergrund und damit an dem sensiblen Strömungsgefüge verändert hat. Seither wird diskutiert, wie die Welle wieder stabil surfbar gemacht werden kann. Einige offizielle Versuche blieben erfolglos.
Nach Angaben von Surfern und laut einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ soll diesmal ein Gitter versenkt worden sein, das an einem graugrünen Seil auf der in Fließrichtung rechten Seite montiert war - und das Wasser wieder zum Aufbäumen brachte.
Zudem sei seit langem wieder deutlich mehr Wasser im Bach; auch das sei eine Voraussetzung für die Welle, sagt Surf Club-Mitglied Klaus Rudolf. „Man sieht auf jeden Fall, dass ordentlich Wasser da ist, etwa 23 oder 24 Kubikmeter pro Sekunde. Der Pegel schwankte zwischen 140 und 150 Zentimetern. Das wäre unsere Wunschhöhe. Mit dem Pegel können alle, die es können, sehr gut surfen.“
Das Gitter soll nun wieder verschwunden sein. Die Welle brach nicht sofort zusammen, am Ostermontag war sie aber wieder nahezu weg. Das kurze Intermezzo sorgte erheblich für Wirbel - und zeugt von der Ungeduld der Surf-Community. Seit einem Jahr geht es mit der Welle hin und her.
Am späten Abend des 16. April 2025, am Vorabend des Gründonnerstags, war an dem bei Touristen und Wassersportlern aus aller Welt beliebten Ort eine 33 Jahre alte Surferin ums Leben gekommen. Ihre Sicherungsleine (Leash) hatte sich unter Wasser verfangen. Sie konnte sich nicht befreien und wurde unter die Wasseroberfläche gedrückt. Eine Woche später starb sie im Krankenhaus. Danach war die Welle abgeriegelt, die Staatsanwaltschaft ermittelte.
Im Sommer erlaubte der damalige Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) das Surfen wieder, laut „Süddeutscher Zeitung“ wurde das allerdings von Sicherheitsleuten überwacht, die dem Bericht zufolge auch einigen Unfälle dokumentierten.
Die Szene betonte stets, das Surfen sei vergleichsweise ungefährlich und es gebe kaum nennenswerte Unfälle. Im Übrigen surfe jeder auf eigene Verantwortung. Dennoch: Seit Februar hat die Stadt das Surfen per Allgemeinverfügung wieder verboten.
Unter anderem macht zeitweise sogenanntes Weißwasser das Surfen gefährlich. In dem verwirbelten Wasser ist Schwimmen nicht möglich, und die Orientierung schwierig.
Die Welle interessierte weit über die Szene hinaus; sie war ein wichtiges Thema im Kommunalwahlkampf. Münchens neuer Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) kündigte umgehend nach seiner Wahl an, dass die Welle spätestens zum Beginn der Sommerferien wieder freigegeben werden soll.
Den Surfern dauert das zu lange. Manche stiegen bisher auch im Winter aufs Brett, für andere geht es normalerweise im Frühling wieder richtig los.
Der Präsident des Surf Club München, Martin Grün, forderte eine schnelle Lösung. „In zwei Stunden wäre die Sache erledigt, und der Oberbürgermeister wäre ein Problem los“, sagt Grün. „Wir wissen ganz genau, wie man die Welle wieder herstellen kann. Wir haben seit 30 Jahren Erfahrung.“ So lange schon wieder am Eisbach gesurft - vor dem tödlichen Unfall vor einem Jahr waren keine größeren Zwischenfälle bekannt geworden.
Doch seither bleibt ein Knackpunkt: die Haftungsfrage. Bei den gemeinsam mit einem Strömungswissenschaftler unternommenen Versuchen sollten die Interessengemeinschaft Surfen in München (IGSM) und der Surf Club München haften.
Auf Dauer lehnt das zumindest der Surf Club ab. Ein ehrenamtlich organisierter Verein könne nicht die Haftung übernehmen, sagt Surf Club-Präsident Martin Grün. „Das würde einer Privatisierung gleichkommen.“ Lässt allerdings die Stadt mögliche Einbauten vornehmen, läge die Verantwortung, sofern nicht anders geregelt, vermutlich letztlich bei ihr.














