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Neustart oder Krise - Wie geht es weiter beim Erhard-Gipfel?

2024 war die Welt beim Ludwig-Erhard-Gipfel noch in Ordnung: Damals hielt der heutige Kanzler Merz die Laudatio für Julia Nawalnaja. (Archivbild)

2024 war die Welt beim Ludwig-Erhard-Gipfel noch in Ordnung: Damals hielt der heutige Kanzler Merz die Laudatio für Julia Nawalnaja. (Archivbild)

Von dpa

Anfang Mai 2025 schien der Ludwig-Erhard-Gipfel kurz vor seinem größten Erfolg: Nachdem der langjährige Gipfel-Teilnehmer Friedrich Merz zum neuen Kanzler gewählt worden war, wuchs die Hoffnung, dass mit dem CDU-Chef erstmals der deutsche Regierungschef unter den Gästen wäre. Doch die Hoffnung hielt nur kurz. Denn den Kanzler zog es nicht an den Tegernsee, pflichtgemäß besuchte er erst Paris, Warschau und Brüssel. Ende April 2026 ist ein Kanzlerbesuch kein Thema mehr. Vielmehr steht der Tegernsee-Summit nach unruhigen Monaten gefühlt vor einem Neustart.

Grund dafür sind die Wirrungen, die sich nach dem Wechsel des früheren Verlegers und Gipfel-Mitbegründers Wolfram Weimer (parteilos) in die Bundesregierung ergeben hatten. Rückblick: Nach Weimers Berufung zum Kulturstaatsminister geriet der Gipfel medial massiv unter Druck. Es folgten Berichte, etwa über das Veranstaltungskonzept und dort beim Ticketverkauf vermeintlich suggerierte Einflussmöglichkeiten auf politische Entscheidungsträger. Am Ende zogen ausgehend vom Schirmherren, CSU-Chef Markus Söder, Spitzenpolitiker aller Parteien die Reißleine und entschieden, nicht an den Tegernsee zu kommen.

Der Wechsel von Wolfram Weimer in die Bundesregierung war - rückblickend gesehen - für den Ludwig-Erhard-Gipfel eine schwierige Entscheidung. In der Folge geriet die Veranstaltung massiv in die Kritik. (Archivbild)
Der Wechsel von Wolfram Weimer in die Bundesregierung war - rückblickend gesehen - für den Ludwig-Erhard-Gipfel eine schwierige Entscheidung. In der Folge geriet die Veranstaltung massiv in die Kritik. (Archivbild)
Der Wechsel von Wolfram Weimer in die Bundesregierung war - rückblickend gesehen - für den Ludwig-Erhard-Gipfel eine schwierige Entscheidung. In der Folge geriet die Veranstaltung massiv in die Kritik. (Archivbild)
Theo Waigel war in früheren Jahren bereits als Gast auf dem Podium des Ludwig-Erhard-Gipfels zu sehen. In diesem Jahr erhält er bei der Veranstaltung am Tegernsee den Freiheitspreis der Medien. (Archivbild)
Theo Waigel war in früheren Jahren bereits als Gast auf dem Podium des Ludwig-Erhard-Gipfels zu sehen. In diesem Jahr erhält er bei der Veranstaltung am Tegernsee den Freiheitspreis der Medien. (Archivbild)
Theo Waigel war in früheren Jahren bereits als Gast auf dem Podium des Ludwig-Erhard-Gipfels zu sehen. In diesem Jahr erhält er bei der Veranstaltung am Tegernsee den Freiheitspreis der Medien. (Archivbild)

„Selbstverständlich und zu keinem Zeitpunkt haben wir Kontakte zu Politikern verkauft, wie es in Teilen der Berichterstattung fälschlich dargestellt wurde. Wer sich mit wem auf unseren Veranstaltungen vernetzt, ist natürlich jedem selbst überlassen“, sagt Verlegerin und Gastgeberin Christiane Goetz-Weimer. Die Weimer-Media-Group verfahre nicht anders als vergleichbare große Netzwerk-Konferenzen und Medienhäuser, Verlage, Stiftungen oder andere Institutionen.

Und so kommt es, dass in diesem Jahr ein CDU-Staatssekretär, genauer gesagt Philipp Amthor, der einzige aktive Vertreter der Bundesregierung am Tegernsee ist. Er spricht am ersten Gipfeltag (28. April) über die Modernisierungsagenda für Deutschland. Die Veranstaltung geht bis zum 30. April.

Ansonsten fallen im bis kurz vor Gipfelbeginn geheim gehaltenen Programm Politiker aus der zweiten Reihe auf: Ex-CDU-Chef Armin Laschet samt seiner Vorgängerin Annegret Kramp-Karrenbauer und Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler). Er ist der einzig verbliebene Vertreter der bayerischen Staatsregierung. Zu erwähnen sind noch Österreichs Ex-Kanzler Wolfgang Schüssel und die Staatsrechtlerin Frauke Brosius-Gersdorf.

Für Goetz-Weimer hat der Gipfel nicht an Strahlkraft verloren: „Uns liegen über 130 Zusagen von Rednerinnen und Rednern aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Medien vor - von der Unternehmerlegende bis zum Startup-Star, vom Sporthelden bis zur Politikergröße, vom Wissenschafts-Guru bis zum Chefredakteur“, sagt sie der Deutschen Presse-Agentur. Sie sei „stolz“ auf alle Gäste und wolle einen Beitrag zum demokratischen Diskurs leisten.

Inhaltlich machen die Organisatoren aus der Not eine Tugend und verlagern den Schwerpunkt auf Wirtschaftsfragen, wie Goetz-Weimer betont. „Das wird in diesem Jahr aufgrund der drängenden Herausforderungen noch einmal stärker fokussiert.“ Dazu passend laute der Konferenztitel „Zurück an die Weltspitze: Wie gelingt Deutschland der wirtschaftliche Aufschwung?“. „Diesen Fokus haben wir bewusst gewählt, denn die wirtschaftliche Lage unseres Landes ist derzeit das zentrale Thema - und er passt zum Namensgeber und inhaltlichen Vater unserer Konferenz: Ludwig Erhard.“

Das mag durchaus stimmen, Fakt ist aber auch, dass bei den früheren Auflagen insbesondere die Anwesenheit von Spitzenpolitikern aus dem Bundeskabinett eine entscheidende Komponente im Konzept war. Neben Merz waren auch der jetzige Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD), Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) und natürlich auch Söder gerne am Tegernsee zu Gast.

Angesichts der massiven Kritik samt Schlagzeilen überwiegt bei Goetz-Weimer noch eine andere Hoffnung: „Gleichzeitig freuen wir uns, den Fokus wieder vollständig auf die inhaltlichen Themen und die zentralen Herausforderungen unseres Landes richten zu können - nachdem die Diskussionen rund um den Gipfel in den vergangenen Monaten politisiert und oft ungerecht waren.“

Dazu gehört in diesem Jahr etwa die Verleihung des „Freiheitspreises der Medien“ an den ehemaligen Bundesfinanzminister Theo Waigel (CSU). Er soll für sein politisches Lebenswerk geehrt werden, „dessen Bedeutung heute besonders sichtbar wird“. Waigel gehört seit Jahren zu den Gipfelgästen.

Wie im vergangenen Jahr dürfte Wolfram Weimer auch in diesem Jahr nicht am Tegernsee sein. Er hatte im Februar gar eigene Fehler eingeräumt: „Rückblickend würde ich natürlich sagen, das hätte ich am Anfang besser gleich machen können, da hätte ich mir den Ärger im Herbst gespart.“ Das bezog sich auf den Vorwurf, er habe sein politisches Amt und seine privatwirtschaftlichen Interessen im Verlag nicht sauber genug getrennt.

Spätestens nach dem Ende des Gipfels dürften hinter den Kulissen die Planungen für das kommende Jahr umgehend wieder Fahrt aufnehmen. Und insgeheim dürfte sie dann auch wieder aufkommen, die Hoffnung, irgendwann einen deutschen Kanzler am Tegernsee begrüßen zu dürfen.

Dieser Artikel ist Teil eines automatisierten Angebots der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Er wird von der idowa-Redaktion nicht bearbeitet oder geprüft.

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