Femizide
Mehr Gewalt gegen Frauen in Bayern - Zahl der Opfer steigt

Maja Hitij/dpa
Frauenhäuser sind wichtige Schutzräume für Opfer von häuslicher Gewalt. In Bayern wurden die Angebote in den vergangenen Jahren weiter ausgebaut. Die aktuelle Statistik zeigt, der Bedarf ist weiterhin extrem hoch. (Illustration)
Im Schnitt alle viereinhalb Tage gibt es in Bayern einen versuchten oder vollendeten Mord oder Totschlag an einer Frau. Konkret verzeichnete die polizeiliche Kriminalstatistik im Jahr 2025 80 weibliche Opfer dieser schweren Form häuslicher Gewalt - in die Statistik sind auch die Versuche eingerechnet. Verglichen mit 2024 ist die Zahl damit gestiegen - damals waren es 73 Opfer.
Auch bei sexualisierter Gewalt im familiären und partnerschaftlichen Umfeld verzeichnete die Polizeistatistik 2025 einen Anstieg: 1.122 Frauen wurden demnach gegen ihren Willen berührt, verbal belästigt oder gar vergewaltigt. Das sind mehr als drei Vorfälle pro Tag. 2024 hatte die Fallzahl noch bei 1.043 gelegen.
„Gewalt gegen Frauen passiert jeden Tag, oft dort, wo eigentlich Vertrauen und Sicherheit sein sollten. Auch Femizide sind bittere Realität, und Studien zeigen, dass Partnerschaftsgewalt viel häufiger vorkommt, als angezeigt wird“, sagte Julia Post, frauenpolitische Sprecherin der Grünen im Landtag.
Sie forderte von der Staatsregierung einen ressortübergreifenden Landesaktionsplan gegen Gewalt an Frauen und eine starke Umsetzung des Gewalthilfegesetzes - mit unter anderem mehr Personal, mehr Prävention und verlässlicher Förderung für alle Träger.
In dieser Woche hatte das Kabinett das Gewalthilfegesetz im Freistaat beschlossen, es wird nun noch im Landtag beraten. Planmäßig soll es am 1. Januar 2027 in Kraft treten. 2027 plane die Staatsregierung, 67 Millionen Euro ins Gewalthilfesystem zu investieren, betonte Sozialministerin Ulrike Scharf (CSU).
Das Bundesgesetz sieht vor, dass ab 2027 die Länder die Finanzierung für die Frauenschutzeinrichtungen und Fachberatungsstellen tragen. Diese Verantwortung lag bisher hauptsächlich bei den Kommunen. Ab 2032 hat jede Frau, der Gewalt widerfahren ist, einen deutschlandweiten Rechtsanspruch auf Schutz und Beratung.
Scharf betonte, Bayern verfüge über ein Hilfesystem mit Schutzeinrichtungen und Fachberatungsstellen, das bisher hauptsächlich auf kommunaler Ebene getragen werde. Die Zahlen zeigen aber, dass das bestehende Schutzsystem an seine Grenzen stößt: 2024 betrug die durchschnittliche Auslastungsquote in den staatlich geförderten Frauenhäusern 81,75 Prozent.
Am stärksten ausgelastet sind Frauenhäuser in Mittelfranken mit mehr als 93 Prozent. Seit 2023 wurde die Zahl der Frauenhausplätze in Bayern ausgebaut - von 389 auf 447 (2025). Aus Sicht der Grünen braucht es noch mehr Frauenhausplätze und Schutzangebote.








