Industrie
IG Metall: Immer schnellere Verlagerungen ins Ausland

Georg Wendt/dpa
Horst Ott, der Landesvorsitzende der IG Metall Bayern, ist über den Trend zur Verlagerung ins Ausland besorgt. (Archivbild)
Die IG Metall Bayern beklagt immer mehr Verlagerungen ins Ausland. Fast jeder zweite von insgesamt 325 Betrieben, deren Betriebsräte die Gewerkschaft befragt hat, hat in den vergangenen zwölf Monaten demnach Tätigkeiten in der Produktion ins Ausland verlagert. Konkret waren es 48 Prozent und damit 3 Prozentpunkte mehr als vor einem Jahr. In der Entwicklung stieg der Anteil ebenfalls um 3 Punkte auf 36 Prozent. Und Besserung ist nicht in Sicht.
„Dieser Befund ist ein Armutszeugnis für die bayerischen Unternehmen und ihre Manager. Ideenlosigkeit statt Innovationskraft, Mutlosigkeit statt Investitionen, Rasenmäher-Methode statt Ausschöpfung vorhandener Potenziale: Die Entscheider wirtschaften den Standort Bayern herunter“, kritisiert Bayerns IG Metall-Bezirksleiter Horst Ott.
In den 43 Betrieben aus der Autoindustrie in der Befragung sind die Ergebnisse zudem noch deutlich schlechter. Hier haben knapp drei Viertel Produktion verlagert, knapp zwei Drittel Entwicklung. Beides sind deutlich höhere Werte als vor einem Jahr.
Besonders große Sorgen macht Ott, dass auch immer mehr sogenannte Leitwerkfunktionen verloren gehen - auch insbesondere in der Autoindustrie. In Leitwerken werden neue Produkte und Produktionstechnologien erstmals eingesetzt. Das sichert diesen Werken eine wichtige Position innerhalb der Unternehmen.
„Die Leitwerkfunktion war immer die Stärke der bayerischen Industrie“, betont Ott. „Die Dominanz bei der Einführung brandneuer Produkte und Produktionsprozesse garantiert Innovation und technologische Weltspitze. Diese Führungsrolle geben die bayerischen Unternehmen gerade proaktiv und wissentlich aus der Hand.“
Der Arbeitgeberverband vbm wies die Kritik zurück. „Wir wehren uns entschieden gegen den Vorwurf an die gesamte Unternehmerschaft im Freistaat, dass sie den Standort niederwirtschaften will“, sagt Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt. „Das ist falsch und zeigt eine in Schieflage geratene Wahrnehmung. Anstatt gemeinsam an Lösungen zu arbeiten, wird Besitzstandswahrung praktiziert. Das ist inakzeptabel.“
Der Abbau von Beschäftigung und Verlagerungen seien „Ausdruck der tiefen Standortkrise, die uns fest im Griff hat“, betont Brossardt. Er kritisiert unter anderem, dass von 2015 bis 2025 die Arbeitsentgelte sehr viel schneller als die Unternehmenseinkommen gestiegen seien. Dies könne nicht gutgehen, hohe Arbeiskosten seien ein Treiber für Verlagerungen. „Es ist daher unumgänglich, Kosten zu senken, um wieder die notwendigen Mittel für Investitionen und Innovationen zu haben.“
Die bayerische Metall- und Elektroindustrie ist seit Jahren in der Krise. Auch in diesem Jahr ist die Produktion der bayerischen Industrie insgesamt bislang geschrumpft, wie das Landesamt für Statistik meldete. Die beiden Arbeitgeberverbände bayme und vbm hatten vergangene Woche erklärt, dass sie für dieses Jahr den Abbau von 20.000 Stellen erwarten. Auch dabei hieß es, dass Firmen im Saldo nur im Ausland neue Mitarbeiter einstellen wollten, während die Inlandsbeschäftigung sinke. Zur Metall- und Elektroindustrie zählen unter anderem Autohersteller und Zulieferer, der Maschinenbau, Elektroindustrie und Rüstungsfirmen.








