Anfeindungen im Netz

Hape Kerkeling: Sei selbst die Demokratie

Der Komiker und Autor Hape Kerkeling engagiert sich für Demokratie. (Archivbild)

Der Komiker und Autor Hape Kerkeling engagiert sich für Demokratie. (Archivbild)

Von dpa

Der Komiker Hape Kerkeling sieht sich nach seiner Forderung eines AfD-Verbotsverfahrens Hasskommentaren ausgesetzt und fordert auch von seinen Mitmenschen Haltung. „Jedes Mal, wenn ich morgens aufstehe nach besonderen Anfeindungen, denke ich mir: Sei einfach du selbst die Demokratie, die du dir wünschst, und leb das“, sagte er in Passau. „Wenn wir das alle tun, glaube ich, dann ist viel gerettet.“ Die Frage, ob er sich selbst im Bundespräsidentenamt vorstellen könne, ließ er offen.

Vergangene Woche hatte Kerkeling im Thüringer Landtag bei einer Anhörung zum Für und Wider eines AfD-Verbotsverfahrens gesprochen. Zu anschließenden Hass-Kommentaren im Netz sagte er am Abend weiter: „Es bleibt einem gar nichts anderes übrig, als es auszuhalten.“ Früher habe es durch Zeitungen oder Radio gute Filtersysteme gegeben. Heute könne „jeder seine Hetze propagieren, wie er will, erfährt noch sehr viel Lob dafür aus dem Internet“.

Von sozialen Medien erwartet Kerkeling eine verpflichtende Moderation, die darauf achte, „dass Häme und Hetze und die Erniedrigung von Menschen dort nicht stattfinden, denn das ist auch ein gesellschaftlich relevanter Raum“. Auch habe er sich schon früher zu politischen Themen geäußert, habe mal etwas gegen die CDU gesagt, mal gegen die SPD. „Da wäre doch kein Anhänger der CSU, der SPD, der CDU auf den Trichter gekommen, mir eine Todesdrohung zu schicken.“

Kirchen als wichtige Stimmen

Als wichtige Stimmen in der Gesellschaft bezeichnete der 61-Jährige die Kirchen. Die Vorstellung von Demokratie sei vom jüdisch-christlichen Glaubensbild geprägt. Kerkeling verriet, dass er - obwohl aus der katholischen Kirche ausgetreten - und sein Mann sich immer wieder dabei ertappten, wie sie den Sonntagsgottesdienst im Fernsehen schauten. „Vielleicht liegt das auch am Älterwerden, das gestehe ich gerne ein.“ Aber in diesen Gottesdiensten würden die gesellschaftlich relevanten Themen nicht ausgespart.

Nachdem Kerkeling in den vergangenen Wochen als Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten ins Spiel gebracht wurde, fragte Moderator Hannes Ringlstetter, ob sich der Komiker ein politisches oder präsidiales Amt vorstellen könne. „Glaubst Du im Ernst, im Moment würde sich - wer auch immer - in dieser verfahrenen Situation darum reißen?“, fragte Kerkeling und wurde von Ringlstetter unterbrochen: „Wer Sonntagsgottesdienste im Fernsehen anschaut, der macht auch solche Dinge.“ Dazu konstatierte Kerkeling lediglich: „Dann lassen wir das mal so stehen.“

In Passau wurde Hape Kerkeling mit dem „Menschen in Europa“-Award der Mediengruppe Bayern für sein Lebenswerk „als großartiger Künstler mit gesellschaftlicher Haltung“ ausgezeichnet.

Dieser Artikel ist Teil eines automatisierten Angebots der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Er wird von der idowa-Redaktion nicht bearbeitet oder geprüft.

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