Vogelwelt
Gen Süden oder bleiben? - Welche Vögel jetzt ziehen

Patrick Pleul/dpa
Besonders spektakulär ist jedes Jahr der Zug der Kraniche, die an der typischen V-Formation und den lauten Trompetenrufen gut zu erkennen sind. (Archivbild)
Im Herbst machen sich Millionen Vögel auf den Weg in den Süden. Manche von ihnen kann man in Bayern in Schwärmen am Himmel beobachten, andere fliegen allein oder nur nachts. Einige haben sich längst in wärmere Gefilde verabschiedet, viele machen sich gerade auf den Weg.
„Das Zugverhalten der Vögel ist sehr komplex und hängt von verschiedenen Faktoren ab“, sagt Angelika Nelson vom Naturschutzverband LBV. „Einerseits ist dieses genetisch veranlagt. Ein Zugvogel hat einfach diese Zugunruhe, wenn die Tage kürzer werden.“
Andererseits spielten auch das Wetter und das Nahrungsangebot eine Rolle, wann sich die Vögel auf den Weg machten: „Bei Regen oder starken Gegenwind fliegen die Vögel nicht“, sagt Nelson. „Wenn dann aber der Frost kommt und alle Insekten weg sind, dann müssen die Vögel ziehen.“

Armin Weigel/dpa
Stare sammeln sich in großen Schwärmen und ziehen dorthin, wo es ein gutes Futterangebot gibt.
Die Stars des Vogelzugs
Besonders spektakulär ist jedes Jahr der Zug der Kraniche, die an der typischen V-Formation und den lauten Trompetenrufen gut zu erkennen sind. „Es gibt auch einige Paare, die in Bayern brüten“, sagt Nelson. Der Großteil aber brüte in Norddeutschland, sodass die Vögel hauptsächlich nur auf dem Durchzug in den Mittelmeerraum und nach Nordafrika zu sehen seien.
Anders ist es mit den Graugänsen, die sich nach Angaben der Biologin inzwischen in Bayern verbreitet haben. Auch diese fliegen dem Naturschutzbund Deutschland (Nabu) zufolge oft in einer V-Formation, ihre Körper sind aber kleiner und gedrungener. „Viele Gänse bleiben auch über den Winter hier und kommen in größeren Gruppen an Gewässern zusammen, um auf abgemähten Wiesen und Feldern nach Nahrung zu suchen“, ergänzt die Biologin.
Auffällig sind ebenfalls die Stare, die sich in großen Schwärmen sammeln und dorthin ziehen, wo es ein gutes Futterangebot gibt. Als sogenannte Kurzstreckenzieher sind sie laut Nelson flexibler als Langstreckenzieher wie die Weißstörche, die früher starten müssen, um die lange Reise nach Afrika zu schaffen. Stare überwintern nach Nabu-Angaben in milden Gegenden Mitteleuropas.
Der frühe Vogel
Der Kuckuck wiederum ist längst in seinem Winterquartier im tropischen Afrika angekommen. Dieser sei schon Ende Juli oder Anfang August abgeflogen, sagt Nelson. Mauersegler machten sich ebenfalls Anfang August auf den Weg. „Sie fliegen dann oft in größeren Gruppen laut rufend durch die Städte - und irgendwann sind sie plötzlich weg.“
Es gibt aber auch Vögel, die den Winter über in Bayern bleiben. „Die
Insektenfresser sind die, die ziehen müssen, weil es im Winter bei uns keine Insekten gibt“, erläutert Nelson. Aber Körnerfresser wie Meisen, Sperlinge oder Finken seien teilweise im Winter sogar zahlreicher zu sehen, weil Vögel aus den Wäldern zu den Futterstellen in den Siedlungen kämen.
Dabei muss die Amsel, die man im Winter im Garten sieht, nicht dieselbe sein wie im Sommer. Nach Angaben der Expertin verbringen zum Teil Vögel wie Amseln oder Rotkelchen aus dem Norden den Winter in Bayern, die bayerischen Artgenossen zieht es wiederum weiter in den Süden.








