Tarifverhandlungen

Auch bei BMW und Bosch: 16.000 Beschäftigte streiken bayernweit

In 64 Betrieben streikten die Arbeiter am Mittwoch im Zuge der Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie. In Regensburg protestierten 3.400 Azubis für mehr Geld. Im BMW-Werk München verließ die Frühschicht die Bänder.

In Regensburg streikten laut Angaben der IG Metall 3.400 Auszubildende für mehr Geld. 

In Regensburg streikten laut Angaben der IG Metall 3.400 Auszubildende für mehr Geld. 

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Von Redaktion Wirtschaft, und dpa

Am bisher größten Warnstreik-Tag in Bayern in der Tarifrunde für die Metall- und Elektroindustrie haben am Nachmittag des Mittwochs, 4. November, 16.000 Beschäftigte in 64 Betrieben vorübergehend die Arbeit niedergelegt. Das teilt die IG Metall Bayern mit. Betroffen waren unter anderem die BMW-Werke in München und Wackersdorf und der Bosch-Standort in Bamberg.

Allein beim zentralen Azubi-Warnstreik in Regensburg haben demnach 3.400 Auszubildende aus ganz Bayern für ihre Forderung nach 110 Euro mehr Ausbildungsvergütung demonstriert. In München habe die Frühschicht des BMW-Werks mit 3.000 Beschäftigten für zwei Stunden die Bänder verlassen und bei einem Demonstrationszug um das BMW-Werk fünf Prozent mehr Geld gefordert.

Auch im Bamberger Bosch-Werk sei die Frühschicht mit 3.000 Beschäftigten für vier Stunden in den Warnstreik getreten. Am Abend werde dort laut Gewerkschaft auch die Spätschicht streiken. Zu Demonstrationszügen und einer Großkundgebung sind in Schweinfurt 2.000 Beschäftigte von ZF, SKF, Schaeffler, Bosch Rexroth und weiteren Betrieben zusammengekommen.

Bayerns IG-Metall-Bezirksleiter und Verhandlungsführer Horst Ott sagt: „Mit unseren Warnstreiks wollen wir die Arbeitgeber bewegen, mit uns zu einer Verhandlungslösung zu kommen. Ihr bisheriges Angebot ist eher ein Signal der Konfrontation. Wir werden den Druck auf die Arbeitgeber in den kommenden Tagen weiter erhöhen.“

Demonstrationszug von Neutraubling zum BMW-Ausbildungszentrum in Regensburg

Beim Azubi-Warnstreik in Regensburg liefen die Auszubildenden in einem Demonstrationszug von Neutraubling bis zum BMW-Ausbildungszentrum in Regensburg. Dort sprach Christiane Benner, Erste Vorsitzende der IG Metall, zu den Auszubildenden: „Wenn wir sagen, wir brauchen Investitionen in die Zukunft, dann sprechen wir nicht nur von Technologien, Produkten und Werken, sondern auch von jungen Menschen.“ Die Auszubildenden seien dabei auf die Unterstützung der Gewerkschaft angewiesen. „Sie müssen ihr Leben, die teuren Mieten, den Arbeitsweg, ihren Alltag finanzieren können.“ Das sei eine Frage von Respekt, so Benner. Deswegen mache man sich in den Tarifverhandlungen stark für höhere Ausbildungsgehälter. „Das haben die tausenden Auszubildenden heute in Regensburg sehr deutlich gemacht.“

Bei der Kundgebung in Schweinfurt sprach Jürgen Kerner, Zweiter Vorsitzender der IG Metall, zu den Warnstreikenden. Er sprach von Krisen, Transformationen und steigenden Anforderungen, die die Metall- und Elektroindustrie seit Jahren zu stemmen habe. Er kritisierte: „Wenn die Gewinne sprudeln, sind erstmal die Anteilseigner dran – aber sobald es mal schlechter läuft, sollen die Belegschaften allein Opfer bringen? So funktioniert das nicht.“

Er forderte in Hinblick auf die Tarifverhandlungen von den Arbeitgebern ein Angebot, „das Respekt gegenüber den Beschäftigten und ihrer Arbeit ausdrückt“. 

Arbeitgeberverband unterstellt Gewerkschaft „Klassenkampfrhetorik“ 

Der Arbeitgeberverband vbm reagierte verärgert: Hauptgeschäftsführer Betram Brossardt warf der Gewerkschaft „Klassenkampfrhetorik“ vor. „Es ist unnötig, derart die Muskeln spielen zu lassen und in dieser Form eine Drohkulisse aufzubauen.“

Bisher gab es zwei Verhandlungsrunden, eine dritte ist bislang nicht terminiert. Die IG Metall fordert fünf Prozent Gehaltserhöhung – eine niedrigere Forderung als in den Lohnrunden der vergangenen Jahre.

Die Arbeitgeber hingegen fürchten angesichts von Marktanteilsverlusten und schrumpfenden Gewinnen vor allem in Autoindustrie und Maschinenbau den dauerhaften Verlust der internationalen Wettbewerbsfähigkeit und wollen deswegen die Lohnkosten senken.

Die Arbeitgeber schlagen für 2027 eine Einmalzahlung in Höhe von einem Prozent des Bruttojahresgehalts und für 2028 eine Tariferhöhung von 1,3 Prozent vor, also niedriger als die Inflationsrate.

Brossardt sagte dazu, das Angebot sei „fair und der Situation angemessen“. Die IG Metall will nicht einlenken: Das Angebot sei „eher ein Signal der Konfrontation“, sagte Landesbezirksleiter Horst Ott. „Wir werden den Druck auf die Arbeitgeber in den kommenden Tagen weiter erhöhen.“

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