Handelspolitik

DIW-Ökonom warnt: Technologieoffenheit schadet der Industrie

Die deutsche Autoindustrie hat aus Sicht von DIW-Ökonom Martin Gornig wichtige technologische Entwicklungen verschlafen. (Archivbild)

Die deutsche Autoindustrie hat aus Sicht von DIW-Ökonom Martin Gornig wichtige technologische Entwicklungen verschlafen. (Archivbild)

Von dpa

Deutschland und Europa können auf die wachsende Übermacht Chinas in der Industrie aus Sicht des Berliner Ökonomen Martin Gornig mit spezialisierten Technologien reagieren. Der Kontinent und das Land hätten es schon mehrmals geschafft, Lösungen zu finden, wenn andere Nationen drohten, sie technologisch abzuhängen, sagte der Forschungsdirektor für Industriepolitik am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW).

„Die Antwort heißt immer Nische“, betonte er. „Zu sagen, die Massenproduktion machen wir hier besser, ist quatsch.“ Aber es gebe viele Anwendungen etwa in der Robotik im Bausektor, in der spezialisiertere Technologien nötig seien. Hier könne Deutschland wieder führend werden.

DIW-Ökonom Martin Gornig hat noch Hoffnung für die deutsche Industrie. (Archivbild)

DIW-Ökonom Martin Gornig hat noch Hoffnung für die deutsche Industrie. (Archivbild)

Dafür sei aber eine mutige Politik erforderlich, die das Risiko eingehe, einzelne Technologien zu identifizieren und zu fördern, sagte Gornig der Deutschen Presse-Agentur. Mit dem bisher häufig verfolgten Ansatz der sogenannten Technologieoffenheit etwa im Automobilsektor sei nichts zu gewinnen.

„Technologieoffenheit ist der Niedergang der deutschen Industrie, wenn dadurch in keiner Technologie hinreichend investiert wird“, betonte der DIW-Ökonom. Der Begriff bedeute die Verhinderung von neuen Technologien und die Sicherheit von Pfründen in den alten Technologien.

Deutschland habe auf diese Weise die Entwicklung auf dem chinesischen Automarkt, der in viel größerem Umfang auf E-Mobilität setzt, verschlafen. „Früher waren die deutschen Produkte in China erfolgreich, weil die chinesischen Käufer den Eindruck hatten, das seien bessere Autos als ihre eigenen“, sagt Gornig. „Heute fragen sie sich, warum sie für schlechtere Autos aus Deutschland mehr Geld bezahlen sollen.“

Auch mit Zöllen auf chinesische E-Autos lasse sich die europäische und deutsche Autoindustrie aus Sicht des Experten nicht retten. „Zölle auf E-Autos zu legen, ist doch gruselig. Das heißt, dass unsere Konzerne dazu gebracht werden, keine Anpassungen machen zu müssen. Sie können weiterhin schlechte Elektroautos produzieren“, sagte Gornig. „Für technologische Weiterentwicklungen brauchen wir den Wettbewerbsdruck. Wir brauchen eine wettbewerbsorientierte Handelspolitik auch mit Blick auf China.“

Europa müsse andere Strategien entwickeln, um Dumping- und Markteroberungsstrategien aus China zu verhindern. Es gebe durchaus die Möglichkeit von temporären Sonderzöllen, solche seien akzeptierte Praxis in der OECD, einem Zusammenschluss von Industrieländern.

Dieser Artikel ist Teil eines automatisierten Angebots der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Er wird von der idowa-Redaktion nicht bearbeitet oder geprüft.

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