Formel 1

„Wie ein KI-Agent“: Antonelli-Sieg als WM-Vorentscheidung?

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Kimi Antonelli ist dem WM-Titel ein großes Stück näher.

Kimi Antonelli ist dem WM-Titel ein großes Stück näher.

Von dpa

Nass von Schweiß und Champagner ließ sich Kimi Antonelli nach seinem Formel-1-Zaubertrick von Monza von den Tifosi auf Händen tragen. Die brillante Überholshow des Mercedes-Jungstars bei seinem Heimspiel in Italien wirkte wie eine WM-Vorentscheidung, im Fahrerlager gehen allmählich die Superlative für den 20-Jährigen aus. Antonelli sei „über Wasser gegangen“, erklärte Teamchef Toto Wolff und befand: „Er ist wie ein KI-Agent, der sich kontinuierlich selbst verbessert und dazulernt.“

Wolff hatte seinen Schützling schon vor dem magischen Tag im Autodromo Nazionale mit Ikone Ayrton Senna verglichen. Ex-Weltmeister Nico Rosberg meinte nach der unglaublichen Aufholjagd des Silberpfeil-Piloten von Startplatz 19 zum Sieg bei Sky: „Wie ein Michael Schumacher ist er gefahren. Alles perfekt gemacht, wirklich phänomenal, und das im zweiten Jahr Formel 1.“

Lewis Hamilton ärgerte sich erneut über die Ferrari-Strategie.
Lewis Hamilton ärgerte sich erneut über die Ferrari-Strategie.
Lewis Hamilton ärgerte sich erneut über die Ferrari-Strategie.
Kimi Antonelli genoss die Emotionen nach seinem Heimsieg.
Kimi Antonelli genoss die Emotionen nach seinem Heimsieg.
Kimi Antonelli genoss die Emotionen nach seinem Heimsieg.

Nur John Watson hatte 1983 von Startplatz 22 in den USA bei einem Grand-Prix-Sieg noch mehr Fahrer überholt als Antonelli. „Ich zittere immer noch, es ist unglaublich“, verriet Italiens neuer Sportheld noch lange nach der Zieldurchfahrt. Die „Gazzetta dello Sport“ bejubelte „einen der unvergesslichsten Siege in der Geschichte der Formel 1“.

Hamilton ärgert Ferrari-Strategie: „Längst zu spät“

Die düpierte Konkurrenz konnte da nur noch staunen. Sichtlich frustriert musste Ferrari-Superstar Lewis Hamilton dem jungen WM-Spitzenreiter die Hauptrolle bei den emotionalen Szenen rund um das Siegerpodium überlassen. „Ich bin mir sicher, das ist das größte Gefühl überhaupt für ihn“, presste Hamilton beim Interview hervor.

Eigentlich schien für den Briten die Bühne im Ferrari-Land bereitet, um dem WM-Rennen eine Wende zu geben. Doch während Antonelli die Verbannung ans Ende des Starterfeldes wegen eines unerlaubten Motorenwechsels einen Adrenalinschub verlieh, verpuffte die Wirkung des neuen Ferrari-Antriebs.

Nach Platz sechs und jetzt 76 Punkten Rückstand auf den WM-Führenden fand sich Hamilton wie schon zuletzt in Zandvoort in einer Debatte um die Teamstrategie wieder. „Es ist doch so: Wir erzielen immer wieder dasselbe Ergebnis. Wir müssen etwas ändern, denn so kommen wir nicht voran“, klagte der 41-Jährige, den ein harter Zweikampf mit Stallrivale Charles Leclerc früh zurückgeworfen hatte.

Längst schon hätte sich Hamilton gewünscht, dass Ferrari allein auf ihn im Titelrennen setzen würde. Nach dem Nackenschlag von Monza sieht der Rekordchampion fast alles verloren. „Es ist längst zu spät - zu spät für diese Entscheidungen. Es ist um viele, viele Wochen zu spät“, sagte Hamilton.

Mercedes-Rivale Russell gibt den Kampf auf

Auch der schwer geschlagene George Russell hat den Glauben an eine Titelchance verloren. Wie Hamilton verpasste es der Mercedes-Fahrer, aus dem Startplatz-Handicap seines Teamkollegen Kapital zu schlagen. Kurz vor Ende hilflos überholt von Antonelli musste Russell danach viel Mühe aufbringen, die Fassung zu bewahren. „Ich denke nicht mehr an ein Comeback. Ich akzeptiere es so, wie es ist. Ich will den Rest der Saison noch genießen und versuchen, so viele Rennen wie möglich zu gewinnen“, sagte der WM-Zweite.

Dafür aber müsste Russell am Wunderjungen Antonelli vorbei, der spätestens seit dem Glücksrausch von Monza unaufhaltsam scheint - und sich trotzdem brav an alte Sportler-Weisheiten hält. „Es sind noch viele Rennen, es kann immer noch alles passiert. Wir haben gesehen, wie schnell sich die Dinge drehen können. Ich muss jede Chance nutzen, die ich bekomme“, sagte der Italiener.

Auch sein Boss Toto Wolff hat keine Sorge, dass Antonelli bei allem Hype auf den verbleibenden Metern zum WM-Triumph den Kopf verliert. „Er hat eine tolle Familie. Die schützt ihn davor, vom Boden abzuheben. Ich drücke auch mal ein bisschen runter, wenn es notwendig ist. Eine große Gefahr sehe ich bei ihm aber nicht“, sagte der Österreicher.

Ein paar Augenblicke inmitten der euphorischen Fans gönnte sich der beseelte Antonelli noch in Monza und versicherte: „Ich werde mich an das hier immer erinnern.“ Dann aber nahm er schon die nächsten Stationen ins Visier, angefangen mit der Formel-1-Premiere von Madrid am Sonntag (15.00 Uhr/RTL und Sky). „Das Beste kommt erst noch“, ließ Antonelli wissen.

Dieser Artikel ist Teil eines automatisierten Angebots der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Er wird von der idowa-Redaktion nicht bearbeitet oder geprüft.

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