Interview zum Drittligastart
Von Real Madrid bis zur Vereinslosigkeit schon alles erlebt - der Fußball-Profi Christopher Schorch

Es ist eine ganz besondere Karriere, die der heute 25-jährige Christopher Schorch bereits in jungen Jahren hinter sich hat. Mit seinem großen Talent hat er es bis ins Training der Profis von Real Madrid, wo er Kapitän der zweiten Mannschaft war, geschafft. Danach brachten etliche Verletzungen die Karriere des Innenverteidigers ins Stocken. Nach seiner Zeit bei Real Madrid zog es Schorch, der aus dem Nachwuchs von Hertha BSC Berlin stammt, 2009 zu Bundesligist 1. FC Köln. Während seiner Zeit in der Domstadt wurde er für eine Spielzeit zu Energie Cottbus verliehen. Im Sommer 2013 wurde Schorchs Vertrag in Köln nicht verlängert und er stand ohne Verein da. Im vergangenen Winter schloss er sich schließlich der zweiten Mannschaft des VfL Bochum an, wo er es in der Rückrunde auf 15 Einsätze brachte. In der aktuellen Transferperiode wechselte er zu Drittligist MSV Duisburg. Mit seinem neuen Verein ist er am Samstag zu Gast beim SSV Jahn Regensburg. Im idowa-Interview spricht Schorch über seine Zeit bei Real, den Verlauf seiner Karriere, seine Ziele sowie Toni Kroos und Cristiano Ronaldo.
Herr Schorch, vom Training bei Champions-League-Sieger Real Madrid bis zur Vereinslosigkeit haben Sie in Ihrer Karriere schon alles mitgemacht. Wie würden Sie Ihre bisherige Laufbahn beschreiben?
Schorch: Obwohl ich erst 25 Jahre alt bin, habe ich schon einiges erlebt. Da bin ich auch froh drüber. Real Madrid ist ein Kapitel, was mich immer mein Leben lang begleiten wird und was zu mir gehört. Eins möchte ich klarstellen: Ich war noch nie arbeitslos, sondern krankgeschrieben - mal so nebenbei (lacht). Ansonsten würde ich meine Laufbahn als eine mit "Auf und Abs" beschreiben. Sobald ich auf einem guten Weg und vor dem nächsten Schritt war, kam eine schwere Verletzung dazwischen. Das war eben Pech, aber jetzt schaue ich nach vorne und bin gespannt, was noch kommt. Denn mit 25 Jahren ist noch lange nicht Schluss.
Nach einer halben Saison in der zweiten Mannschaft des VfL Bochum sind Sie jetzt zum MSV Duisburg gewechselt. Was waren die Gründe für den Transfer?
Schorch: Zum MSV Duisburg hatte ich schon vorher guten Kontakt - und der ist nie abgerissen. Ich habe mich entschlossen, noch weiter in der Reha an der Heilung meines Knies zu arbeiten. Ich habe häufig den Fehler gemacht, dass ich zu schnell und zu früh zurückgekommen bin. Dann folgten Rückschläge, dieses Mal habe ich es anders gemacht. Ich habe den Weg über den VfL Bochum II genommen, um auch wieder Spielrhythmus zu bekommen. Am Ende war das kein Schritt zurück, sondern zwei nach vorne. Denn ich habe 15, 16 Spiele über 90 Minuten gemacht und das war genau das, was mein Körper in dem Moment gebraucht hat.
Ist es für Sie beim MSV Duisburg jetzt auch der Neuanfang, um nochmals im Profifußball anzugreifen?
Schorch: Das hoffe ich, denn der MSV ist einfach ein Traditionsverein, hat tolle Fans und eine tolle Arena. Für mich ist es natürlich ein großer Schritt, hier spielen zu dürfen.
Mit 25 Jahren sind Sie immer noch jung. Wie weit wollen Sie in Ihrer Karriere noch einmal kommen?
Schorch: Man lernt als Sportler nie aus. Als Profi sollte man nie selbstgefällig sein und sich mit etwas zufrieden geben.
Sie haben die Sonnen- und die Schattenseiten des Sports erlebt - wie blicken Sie heute auf das Geschäft Profifußball?
Schorch: Profifußballer ist der schönste Beruf, den es gibt. Du wirst von kleinen Kindern angehimmelt, von 20.000 Fans begeistert empfangen. Wenn so viele Menschen deinen Namen rufen, das ist einfach das Schönste, was es gibt. Klar, jeder Sport hat nun einmal seine Schattenseiten. Doch schließlich überwiegt auf jeden Fall das Schöne.
Kommen wir zu Ihrem Ex-Club Real Madrid: Würden Sie den Schritt nach Spanien heute noch einmal machen?
Schorch: Ich habe damals schon gesagt, wenn du ein Angebot hast von Real Madrid, dann lehnst du das nicht ab. Das war eine der besten Erfahrungen in meinem Leben.
Mit Weltmeister Toni Kroos hat man jetzt einen neuen Spieler fürs zentrale Mittelfeld geholt. Glauben Sie, dass er sich dort auf Anhieb durchsetzten kann?
Schorch: Ich kenne Toni noch aus der Junioren-Nationalmannschaft, wo ich mit ihm zusammen gespielt habe. Da hat man schon sein außergewöhnliches Talent am Ball und auf dem Platz gesehen. Er ist ein unglaublicher Spieler und ich wünsche ihm, dass er bei Real Madrid eine führende Rolle übernehmen kann.
Superstar Cristiano Ronaldo hat in der Öffentlichkeit den weit verbreiteten Ruf als Diva. Mitspieler sprechen meist in höchsten Tönen von Ihm. Wie haben Sie ihn erlebt?
Schorch: Er ist ein absoluter Vollprofi. Was nach außen dargestellt wird, muss jeder für sich beurteilen. Doch als Mensch ist er ein sehr guter Typ.
Mit Ihrem neuen Verein geht es am ersten Spieltag nach Regensburg. Was wissen Sie über den Jahn?
Schorch: Ich kenne einzelne Spieler, irgendwann bin ich dem einen oder anderen mal über den Weg gelaufen. Regensburg ist eine junge, hungrige und laufstarke Mannschaft. Wir müssen kompakt stehen, dagegen halten und vor allem zeigen, was wir wollen und können.
Was ist die Zielsetzung für die erste Partie?
Schorch: Ein Sieg natürlich!
Und was muss für den Traditionsverein MSV Duisburg das Saisonziel sein?
Schorch: Wir wollen keine Angriffsparolen loslassen und uns Druck machen. Wir schauen von Spiel zu Spiel. Wir wollen uns in jeder Partie steigern und nicht zufrieden geben. Dann werden wir sehen, wo es hingeht.
Vielen Dank für das Interview und eine erfolgreiche, hoffentlich verletzungsfreie Zukunft!













