Fußball-Nationalmannschaft
„Sieg geholt, Tor gemacht, top“: Undav erlöst DFB-Elf

Tom Weller/dpa
Mann des Abends in Stuttgart: VfB-Profi Deniz Undav schoss die Nationalmannschaft zum Sieg gegen Ghana.
Deniz Undav genoss die Glückwünsche und Schulterklopfer der Teamkollegen, mit denen der deutsche Matchwinner dann glücklich auf die Ehrenrunde ging. Auf den Rängen riefen die Fans seinen Namen. Der Stuttgarter Angreifer hatte dem DFB-Team mit seinem späten Tor in der 88. Minute im zweiten WM-Test des Jahres beim 2:1 (1:1) gegen Ghana den Sieg beschert.
„War krass zu hören, wie die Fans hinter mir stehen. Ich genieße das“, sagte Undav direkt nach dem Spiel in der ARD. „Es ist ein perfekter Abend gewesen. Den Sieg geholt, Tor gemacht, top.“ Den vom Stuttgarter Publikum ausgepfiffenen Leroy Sané verteidigte Undav und forderte: „Wenn Leroy beim nächsten Mal reinkommt oder ein anderer Spieler, dass man da nicht buht. Egal, was ein Spieler macht, wie er ist - man sollte hinter der Mannschaft stehen.“
Drei Tage nach dem wilden und torreichen 4:3 in der Schweiz fehlte es der deutschen Offensive vor 52.723 Zuschauer in Stuttgart bis auf einen verwandelten Handelfmeter von Kai Havertz (45.+3) und Undavs Joker-Tor vor allem an der Effektivität.
Die lange kaum geforderte Defensive ließ sich hingegen bei einem Konter des viermaligen Afrikameisters überraschen. Fatawu Issahaku erzielte in der 70. Minute nach einem Angriff über den linken Flügel ungestört im Strafraum das 1:1. Es gibt noch etwas zu tun für Bundestrainer Julian Nagelsmann in der am 25. Mai beginnenden Turniervorbereitung, um Anfang Juni mit einem guten Gefühl zur Fußball-WM nach Amerika reisen zu können. Aber nach sieben Siegen nacheinander stimmt die Richtung.
Bei der letzten Sichtung vor der Nominierung des WM-Kaders am 12. Mai wollte Nagelsmann nochmal möglichst viele Spieler sehen und wechselte nach der Pause insgesamt achtmal. Dem deutschen Spiel fehlte es aber insgesamt an Entschlossenheit, Präzision und auch Glück im Abschluss, etwa beim Kopfball von Nick Woltemade an die Latte (53.). Es wäre das 2:0 gewesen.
Ursprünglich sollte die Elfenbeinküste der drittletzte Testspielgegner vor der am 11. Juni beginnenden WM-Endrunde sein. Doch dann wurden die Ivorer in die deutsche Gruppe mit Curaçao und Ecuador als weiteren Gegnern gelost.
Der DFB reagierte und wählte Ghana als Ersatz. Das Team des ehemaligen Dortmund-Profis Otto Addo war mit einer 1:5-Packung gegen Österreich aus Wien angereist. Der WM-Teilnehmer wollte vor allem nicht wieder hoch verlieren, verteidigte kompakt und tief gestaffelt.
Nagelsmann hatte vier Wechsel in der Startelf vorgenommen. Angekündigt hatte er den Einsatz des Stuttgarters Alexander Nübel im Tor und des Frankfurters Nathaniel Brown, der als Linksverteidiger gute Aktionen hatte.
Dazu kamen Pascal Groß und Woltemade neu rein. Letzterer erhielt in der Offensive den Vorzug gegenüber Undav, der für den VfB Stuttgart in der Bundesliga 18 Mal getroffen hat. Trotzdem musste Undav wieder auf die Bank, so wie lange auch Leroy Sané, der in der Schweiz wirkungslos gewesen war.
„Ich habe gerade im letzten Jahr, glaube ich, recht wichtige Tore geschossen, gute Spiele gehabt“, sagte Woltemade nach der Ankunft im Stadion in der ARD. „Ich freue mich, dass ich hier spiele“, sagte er zur Rückkehr nach Stuttgart. Und der lange Schlaks hatte schon in der 4. Minute das 1:0 auf dem Fuß. Doch nach Zuspiel von Havertz zielte Woltemade knapp am linken Pfosten vorbei.
Das DFB-Team blieb am Drücker, kombinierte geduldig in den engen Räumen. Der gegen die Schweiz herausragende Doppeltorschütze Wirtz zirkelte einen Freistoß an den Außenpfosten (6.). Ghanas Defensive wackelte, aber sie hielt mit Glück das 0:0. Torwart Benjamin Asare warf sich nach einer unterlaufenen Flanke erfolgreich in einen Schuss von Innenverteidiger Jonathan Tah (31.).
Als Wirtz kurz darauf eine schöne Kombination erfolgreich vollendete, zählte der Treffer nicht, weil Woltemade bei seiner Ablage knapp im Abseits stand. Der Video-Assistent griff auch ein, als Angelo Stiller bei seinem Schuss den abgespreizten Arm des für den VfL Wolfsburg spielenden Verteidigers Jonas Adjetey traf. Nachträglich gab es Elfmeter, Havertz trat an und traf.
Schon Mitte der ersten Hälfte hallten „Deniz-Undav“-Rufe durchs Stadion. Das Stuttgarter Publikum forderte seinen Lokalhelden. Der grinste verschmitzt auf der Ersatzbank und winkte seinen Fans zu. Nagelsmann wechselte den VfB-Stürmer nach dem Seitenwechsel zusammen mit Lennart Karl und Antonio Rüdiger ein. Undav trat dann auch ganz spät als Torschütze in Erscheinung.
Bayern-Youngster Karl verzückte davor mit einigen Dribblings. Die vielen Wechsel taten dem deutschen Spielfluss nicht gut. Aber das hatte Nagelsmann einkalkuliert.















