Fußball-WM

Pokal von Trump: Spaniens Weltmeister lassen Messi weinen

Das Endspiel ist lange eine zähe Angelegenheit. Doch Spanien dominiert - und schlägt in der Verlängerung gegen zehn Argentinier zu. Für Messi bleibt die Krönung aus, er weint auf dem Rasen.

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Kapitän Rodri und die Spanier sind Weltmeister.

Kapitän Rodri und die Spanier sind Weltmeister.

Von dpa

Lionel Messi weinte nach dem geplatzten WM-Traum bitterlich vor Argentiniens Fans, die spanischen Weltmeister begannen nach der Pokalübergabe von Donald Trump ihre rauschende Titelparty. Als Rodri die goldene Trophäe um 18:43 Uhr Ortszeit aus den Händen des US-Präsidenten erhielt, wartete der Kapitän noch einen Moment, ehe sich Trump aus der Mitte des spanischen Teams entfernte - und reckte den Pokal erst dann in den Himmel von East Rutherford.

Auf dem Weg zur Siegerehrung waren Trump und FIFA-Boss Gianni Infantino mit lauten Buhrufen bedacht worden. Denn die große Bühne sollte nach Meinung der Fans den Sportlern gehören. Held des Abends wurde in dem lange einseitigen Endspiel nicht Messi oder Lamine Yamal, sondern Joker Ferran Torres, der beim 1:0 (0:0, 0:0) nach Verlängerung das entscheidende Tor schoss.

Argentinien kam über robuste Zweikämpfe ins Spiel.
Argentinien kam über robuste Zweikämpfe ins Spiel.
Argentinien kam über robuste Zweikämpfe ins Spiel.
Messi blieb in seinem dritten WM-Finale zunächst unauffällig.
Messi blieb in seinem dritten WM-Finale zunächst unauffällig.
Messi blieb in seinem dritten WM-Finale zunächst unauffällig.
Europameister Spanien hatte wie gewohnt viel Ballbesitz.
Europameister Spanien hatte wie gewohnt viel Ballbesitz.
Europameister Spanien hatte wie gewohnt viel Ballbesitz.
US-Präsident Trump sah beim Finale in East Rutherford zu.
US-Präsident Trump sah beim Finale in East Rutherford zu.
US-Präsident Trump sah beim Finale in East Rutherford zu.
Messi nach dem Gegentreffer in der Verlängerung.
Messi nach dem Gegentreffer in der Verlängerung.
Messi nach dem Gegentreffer in der Verlängerung.
Frust nach dem Finale: Messi setzte sich zunächst auf den Rasen.
Frust nach dem Finale: Messi setzte sich zunächst auf den Rasen.
Frust nach dem Finale: Messi setzte sich zunächst auf den Rasen.
Messi schüttelt US-Präsident Trump die Hand.
Messi schüttelt US-Präsident Trump die Hand.
Messi schüttelt US-Präsident Trump die Hand.

„Ich bin stolz, stolz auf diese Mannschaft und auf diese Generation, die sich mit dieser Spielidee durchgesetzt hat“, sagte Spaniens Trainer Luis de la Fuente nach dem Sieg über den entthronten Titelverteidiger.

Für den 39 Jahre alten Messi war es die wohl letzte Chance, sich nach 2022 ein zweites Mal zu krönen. Argentiniens Superstar wirkte zunächst beherrscht, begann mit der Silbermedaille um den Hals dann doch noch zu schluchzen.

„Ich empfinde jetzt Traurigkeit, aber vor allem verspüre ich unendliche Dankbarkeit gegenüber diesen Jungs, denn so weit zu kommen, erfordert eine enorme Anstrengung. Wir zeigen Größe im Sieg und müssen sie auch in der Niederlage zeigen“, sagte Argentiniens Trainer Lionel Scaloni. Die Albiceleste hatte sich den Titel mit ihrem destruktiven Auftritt im Endspiel auch nicht wirklich verdient.

Stattdessen belohnte Torres die überlegenen Spanier. „Ich denke, dass wir durch dieses Tor endlich erlöst wurden“, sagte Torres, der die komplette WM nur als Joker fungierte. „Gegen Messi bist du immer nervös, aber wir haben immer an uns geglaubt.“ Der große Moment des Fußball-Genies blieb diesmal aus.

Aus den Boxen dröhnte in den Minuten nach dem Abpfiff vor 80.663 Zuschauern der Party-Klassiker Eviva España. Vor dem Triumph unweit von New York, bei dem Spanien über die komplette Spieldauer dominierte, hatten die Iberer den wichtigsten Pokal im Weltfußball 2010 in Südafrika geholt.

Torres hatte in der 106. Minute das entscheidende Tor für die Spanier erzielt. Der 65 Jahre alte de la Fuente gewann als ältester Trainer der WM-Historie den Titel. Argentiniens Mittelfeldmann Enzo Fernández musste in der Nachspielzeit der regulären Spielzeit wegen eines Foulspiels mit Gelb-Rot vom Rasen. Die erste Verwarnung hatte er vom slowenischen Schiedsrichter Slavko Vincic wegen Reklamierens gesehen.

Neben US-Präsident Trump und FIFA-Boss Infantino saßen zahlreiche weitere Promis aus der Sport- und Show-Welt auf der Tribüne: Tom Cruise, Rihanna, David Beckham und Jay-Z etwa. Sie sahen eine zähe erste Halbzeit - und dann eine klare Steigerung der Spanier.

Die Argentinier hätten als drittes Team nach Italien (1934, 1938) und Brasilien (1958, 1962) den WM-Titel erfolgreich verteidigen können. Stattdessen wurde der Champion von 2022 entthront. Messi, der achtmalige Weltfußballer, war im Endspiel kaum zu sehen, in der Verlängerung senkte sich eine Flanke auf das Tornetz. Generell enttäuschte Argentiniens Offensive komplett und blieb über die ersten 110 Minuten vollkommen wirkungslos.

Messi hatte die Argentinier bei seiner sechsten WM ins Finale getragen. Und das nicht nur mit seinen Toren und Vorlagen. Der Routinier ist für die Teamkollegen Idol und Fixpunkt gleichermaßen. Wann immer es eng für sie wurde, suchten sie den Ausnahmekönner in der Offensive. So kämpfte sich die Albiceleste in der K.-o.-Phase Runde für Runde weiter. Mit späten Aufholjagden und zweimal sogar über die Verlängerung.

Spaniens Lamine Yamal und Argentiniens Messi standen schon vor der Partie im Fokus - nicht zuletzt wegen ihres legendären gemeinsamen Badewannen-Fotos vor knapp 19 Jahren. Und sie hatten auch gleich die ersten Szenen im Spiel.

Ein Abschluss von Yamal landete in den Armen von Argentinien-Keeper Emiliano Martínez (5.). Im Gegenzug tauchte Messi, der als erster Spieler der WM-Historie sein drittes Finale von Beginn an bestritt, frei vor Unai Simón auf. Doch Spaniens Schlussmann eilte rechtzeitig aus seinem Kasten und klärte.

Ansonsten? Viele Pässe beim Europameister und zunächst nur wenig Spektakel. Die Spanier streuten auf dem viel kritisierten Finalrasen von East Rutherford ungewohnte Ungenauigkeiten ein, die auf Konter lauernden Argentinier konnten die Angebote aber nicht nutzen.

Womöglich hatten de la Fuente und Scaloni ihre Mannschaften aber auch einfach perfekt auf den jeweiligen Gegner eingestellt. Die beiden Coaches sind befreundet. De la Fuente war einst Scalonis Lehrer, als der in einem Sonderprogramm des spanischen Verbands seinen Trainerschein machte.

Nach der stimmungsvollen Halbzeit-Show mit den Popstars Madonna, Shakira und Justin Bieber hofften die Fans im gigantischen Football-Stadion vor den Toren New Yorks auch auf mehr sportliche Unterhaltung. Spaniens Álex Baena versuchte sich direkt, sein Schuss war aber zu ungenau (46.).

Nach und nach entwickelten die Iberer mit ihrem Kombinationsspiel nun aber mehr Zug zum Tor. De la Fuente versuchte, die Offensive unter anderem durch die Hereinnahmen von Pedri und Torres vom FC Barcelona weiter anzukurbeln. Dazu zeigte der ansonsten herausragende Martínez im Tor der Argentinier Unsicherheiten - vor allem bei einem Schuss des früheren Leipzigers Dani Olmo (64.).

Die Spanier erhöhten zunehmend den Druck, Martínez musste mehrfach eingreifen - auch gegen Yamal (90.+8). Von Argentinien kam offensiv weiter gar nichts. Als Fernández nach einem Foul vom Feld musste, ging es für den Titelverteidiger nur noch darum, sich ins Elfmeterschießen zu retten.

Dann erlöste Torres die Spanier direkt zum Start der zweiten Halbzeit in der Verlängerung. Per Direktabnahme verwandelte der Joker mit links und machte damit Spaniens zweiten WM-Triumph perfekt - 2010 hatte Andrés Iniesta gegen die Niederlande ebenfalls das 1:0-Siegtor in der Verlängerung geschossen.

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