Fachveranstaltung

Wie in der Ackerbeweidung in Rohr altes Wissen neu entdeckt wird

Eine Fachveranstaltung auf dem Biohof Gruber zeigt, wie traditionelle Winterbeweidung mit Schafen Bodengesundheit stärkt, Humus aufbaut und neue Perspektiven für Klima- und Landwirtschaft eröffnet.

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Schafe grasen in einem Hopfengarten. Ein aktuelles Forschungsprojekt untersucht die Auswirkungen der Beweidung als Bewirtschaftungsform auf die Böden.

Schafe grasen in einem Hopfengarten. Ein aktuelles Forschungsprojekt untersucht die Auswirkungen der Beweidung als Bewirtschaftungsform auf die Böden.

Von Redaktion Hallertau

Die Ackerbeweidung mit Schafen war über Jahrhunderte hinweg verbreitet. Durch zunehmende Spezialisierung in der Landwirtschaft geriet die Bewirtschaftungsform weitgehend in Vergessenheit. Heute rückt sie, auch im Kontext wissenschaftlicher Untersuchungen und als mögliche Klimaanpassungsmaßnahme, wieder verstärkt in den Fokus.

Auf großes Interesse stieß eine Veranstaltung im Rahmen des Kelheimer Humus-Tandems mit dem Titel „Winterbeweidung: Wie wär’s mit Schafen auf dem Acker?“ auf dem Biohof Gruber in Schöfthal. Rund 25 Teilnehmer informierten sich kürzlich bei einer Veranstaltung des Landschaftspflegeverbands Kelheim VöF und des Landwirtschaftsamts Abensberg-Landshut über die historische Form der Landwirtschaft.

Maria Hoffmann von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) ist Leiterin eines Forschungsprojektes, dass sich mit dem Zusammenwirken von Ackerbeweidung durch Schafe und der Entwicklung von Acker- und Grünlandflächen auseinandersetzt. Das Projekt wird laut einer Mitteilung des Landschaftspflegeverbands im Herbst 2026 abgeschlossen, erste aktuelle Erkenntnisse und Tendenzen konnte sie aber bereits vorstellen.

Bodengesundheit und Pflanzenwachstum

So zeichnet es sich ab, dass die Beweidung von Ackerflächen die Bodengesundheit und damit auch das Pflanzenwachstum und die Pflanzengesundheit fördert. In den Böden entwickelt sich eine verbesserte Bodenstruktur und damit auch eine verbesserte Wasserspeicherkapazität. Der sogenannte „goldene Tritt“ der Schafe sorgt dafür, dass niedergetretene Pflanzenreste schneller von Bodenlebewesen umgesetzt werden und somit auch der Humusaufbau gefördert wird.

Klaus Amann, Geschäftsführer des VöF, fasst zusammen: „Mit der richtig dosierten Schafbeweidung und den passenden Pflanzen auf dem Acker können wir zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Zum einen die verbesserte Wasserinfiltration mit Humusaufbau - dies wirkt gegen den Klimawandel, weil Kohlenstoff im Boden gespeichert wird, anstatt als CO2 in die Atmosphäre zu gelangen. Zum anderen kann ein wichtiges Futterangebot im Herbst und Winter vor der Haustüre geschaffen werden, was Kosten für Futterzukauf und damit Transportwege spart.“

Ergänzt wurden die wissenschaftlichen Einblicke durch praxisnahe Erfahrungsberichte. Der Acker- und Hopfenbauer Johann Ostler schilderte zum Beispiel eine Reduktion der Verbissprobleme durch Mäuse in seinem Hopfengarten und ein verbessertes Bodenleben durch den Schaftritt. Schäfer Michael Schlamp, der bereits viel Erfahrung mit Ackerbeweidung hat, freut sich über die wissenschaftliche Begleitung und das größer werdende Interesse an der traditionellen Bewirtschaftung und die Chance, dass altes Wissen wieder neu entdeckt wird. Neben den Fachvorträgen bot die Veranstaltung ausreichend Raum für Austausch und Diskussion. Das wachsende Interesse an einer engeren Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft und Schäferei wurde dabei deutlich sichtbar.

Das Humus-Tandem versteht sich als Plattform für den Erfahrungsaustausch und die Vernetzung von Landwirtschaft, Naturschutz und Landschaftspflege. Es ist Teil der Initiative „Schwammlandschaften“, die vom Bayerischen Landwirtschaftsministerium gefördert wird und die Verbesserung der Wasserrückhaltefähigkeit von Landschaften zum Ziel hat.

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