Biergärten in und um Landshut (1):

Das Salettl "Zur Post" in Pfeffenhausen

Unscheinbarer Naturschatz am Straßenrand.

Unscheinbarer Naturschatz am Straßenrand.

Von Redaktion Landkreis Landshut

Seit fast vier Jahrhunderten gibt es das Brauereigasthaus "Zur Post" in Pfeffenhausen. Der Markt hieß früher im Volksmund auch "Krügelhausen", weil er zu seiner Glanzzeit 14 Wirtshäuser und mehr als sechs Brauereien mit entsprechenden Wirtshäusern und Gasthöfen inmitten der Holledau/Hallertau hatte.

Das denkmalgeschützte Ensemble geht bis ins 17. Jahrhundert zurück und beherbergt auch heute noch den kleinsten Biergarten im Landkreis - das sogenannte "Salettl". Dieses aus dem italienischen (saletta) abgeleitete "Sälchen" wird hier von einer einzigen großen Traueresche zu einer lauschigen Laube überspannt. Der dichte Wuchs mit den für Trauereschen typischen gefiederten Blättern spendet einen wunderbaren, dachartigen Schatten, der selbst bei leichtem Regen kaum ein Durchkommen ermöglicht. Der Baum hat eine unversiegelte kiesige Baumscheibe von über 50 Quadratmeter als Lebensraum und wurde vor rund 140 Jahren vom Großvater der jetzigen Besitzerfamilie, einem Botaniker, gepflanzt. Das erklärt die etwas ausgefallene Baumart, die aber hier ganz hervorragend passt und mit den hängenden Zweigen dem Gast ein gemütliches, fast romantisches Ambiente vermittelt.

Das Gasthaus zur Post in Pfeffenhausen mit der Traueresche, die als schattiges Dach das Salettl überspannt.
Das Gasthaus zur Post in Pfeffenhausen mit der Traueresche, die als schattiges Dach das Salettl überspannt.
Das Gasthaus zur Post in Pfeffenhausen mit der Traueresche, die als schattiges Dach das Salettl überspannt.
Klein und lauschig: Helmut Wartner skizzierte bei seinem Besuch das Salettl.
Klein und lauschig: Helmut Wartner skizzierte bei seinem Besuch das Salettl.
Klein und lauschig: Helmut Wartner skizzierte bei seinem Besuch das Salettl.

1824 wurde auf Geheiß des Königs von Bayern im Anwesen der Brauerei in Pfeffenhausen, gelegen an der alten Salzstraße von Salzburg nach Nürnberg, eine Relais-Station, das heißt Posthalterei mit Poststall für das Postwesen eingerichtet. Daraus ging die "Brauerei Zur Post" hervor. Der Ahnherr der heutigen Familie kam durch Heirat 1850 auf das Anwesen und konnte die Posthalterei auf Dienstvertrag mit einer Bürgschaft von 500 Gulden an die Generaldirektion der Königlichen Post übernehmen. Er musste sich unter anderem verpflichten, das ganze Jahr über zwei ausgeruhte Pferde vorzuhalten, die bei Bedarf für Postzwecke (Kutsche und mehr) eingespannt werden konnten, meist um den gefürchteten Zornhofer Berg überwinden zu können, der erst jüngst aufwendig mit einer Neutrassierung der B 299 mit weniger Steigungsgefälle umfahren wurde. Die Relaisstrecke Landshut-Pfeffenhausen-Siegenburg-Neustadt wurde zweispännig und fast ausschließlich nur bei Tageslicht befahren - die Reisegeschwindigkeit betrug damals rund sechs Stundenkkilometer.

Eine Anekdote am Rande: Am 13. Dezember 1872 zur Tageszeit überfiel das berüchtigte Räuberduo aus dem Donaumoos "Gump und Gänswürger" die im Gebäude befindliche Postexpedition, fesselte den Postexpediteur und raubte die Postkasse während das Gasthaus nebenan voll mit Gästen war.

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Die kuriose Geschichte mit dem Posthorn

Kurios ist auch die Geschichte des Brauerei-Logos: Die deutsche Bundespost hat der Brauerei verboten, das Mundstück des verwendeten aufgemalten Posthorns auf dem als Briefmarke gestalteten Logo linksseitig zu verwenden, außerdem wurde das Gelb der Briefmarke beanstandet, die Bundespost erklärte, nur sie alleine hätte das Recht das Symbol "Posthorn" und den gelben Farbton dies bezüglich zu verwenden. Die Folge war, das Posthorn wurde seitenverkehrt gespiegelt und der Farbton wurde etwas dunkler gewählt. Diese Abänderung wurde von seiten der Bundespost dann anstandslos genehmigt...

Ein Besuch des kleinen, aber so besonderen Wirtsgartens "Zur Post" lohnt sich für Gäste aus Nah und Fern. Das bestens gepflegte Anwesen freut sich auf einen Aufschwung im Zuge der Aktivitäten rund um das künftig in Pfeffenhausen angesiedelte Wasserstoffzentrum.

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