Grönland-Streit beim WEF

Vor Trump-Rede in Davos: Europäer bereiten das Terrain

Krisentreffen in Davos: Die Europäer legen vor beim WEF.

Krisentreffen in Davos: Die Europäer legen vor beim WEF.

Von dpa

Im Streit mit den USA um Grönland können die Europäer beim Weltwirtschaftsforum in Davos vorlegen. Bei der Jahrestagung sollen am ersten Tag des offiziellen Programms unter anderem EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sprechen. Nicht nur viele der etwa 3.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer dürften gespannt darauf warten, ob und wie die Spitzenpolitiker sich auf der zentralen Bühne des WEF (World Economic Forum) zu den Annexionsgelüsten von US-Präsident Donald Trump äußern.

Trump wird am Mittwoch in dem Schweizer Alpenort erwartet, wo er ebenfalls eine Rede halten will. Er hatte gegen Deutschland und mehrere andere europäische Länder neue Zölle zum 1. Februar angekündigt, falls sie der US-Übernahme von Grönland weiter im Wege stehen sollten.

«Trump not welcome»: In Zürich gingen Gegner des US-Präsidenten und des WEF auf die Straße.

«Trump not welcome»: In Zürich gingen Gegner des US-Präsidenten und des WEF auf die Straße.

Die größte Insel der Erde gehört zum Königreich Dänemark. Sowohl die Regierung in Kopenhagen als auch die von Grönland weisen Trumps Besitzansprüche zurück. US-Finanzminister Scott Bessent, der schon in Davos weilt, warnte die EU vor Vergeltung. Er soll heute Nachmittag beim WEF von einer Reporterin des Trump-nahen Senders Fox Business Network öffentlich befragt werden.

Der Generalsekretär des Europarats, Alain Berset, äußerte im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur Zweifel, ob es für Europa wirklich zielführend sei, „immer zu versuchen, cool zu bleiben“ und nicht hart zu reagieren. Möglicherweise müsse man auch mal dagegenhalten und sagen: „Nein, so geht es nicht.“ Man müsse auf Augenhöhe sprechen können und dürfe nicht einfach alles akzeptieren. In einem Gastbeitrag in der „New York Times“ betonte er: „Das Völkerrecht ist entweder universell oder bedeutungslos. Grönland wird zeigen, wofür wir uns entscheiden.“

In Zürich, knapp drei Stunden Zugfahrt von Davos entfernt, demonstrierten am Montagabend Schätzungen zufolge etwa 2.000 Menschen gegen Trump und das WEF. Im Anschluss an die Kundgebung kam es zu Zusammenstößen mit der Polizei, die Wasserwerfer einsetzte.

Die WEF-Jahrestagung steht dieses Mal unter dem Motto „Im Geiste des Dialogs“. Erwartet werden zahlreiche Spitzenpolitiker wie Bundeskanzler Friedrich Merz, der am Donnerstag eine Rede halten soll, sowie Hunderte Topmanager. UN-Generalsekretär António Guterres sagte seine Teilnahme wegen einer schweren Erkältung ab, der iranische Außenminister Abbas Araghtschi wurde wegen des brutalen Vorgehens der autoritären Führung seines Landes gegen Demonstranten ausgeladen.

Auch der kanadische Regierungschef Mark Carney sowie der chinesische Vizepremier He Lifeng sollen heute in Davos sprechen. Zudem gibt es Dutzende kleinere und größere Gesprächsrunden, bei denen unter anderem Microsoft-Chef Satya Nadella und Alex Karp vom US-Analysesoftware-Hersteller Palantir dabei sind.

Die globalen Krisen drücken aufs Gemüt. Insgesamt sehen Topmanager, eine gewichtige Gruppe beim WEF, so pessimistisch auf das eigene Unternehmen wie lange nicht. Das Vertrauen der Firmenbosse in die Umsatzaussichten ist auf ein Fünfjahres-Tief gesunken, wie aus einer Umfrage der Beratungsgesellschaft PwC unter rund 4.450 Unternehmenschefs in 95 Ländern und Regionen hervorgeht.

Demnach sind nur drei von zehn Vorstandschefs zuversichtlich, dass der Umsatz ihres Unternehmens in den nächsten zwölf Monaten wachsen wird - vor vier Jahren waren es noch mehr als die Hälfte.

Dagegen sieht der Chef der Beratungsgesellschaft Oliver Wyman trotz Handelskonflikten, Zöllen und geopolitischer Spannungen keinen Rückzug der globalen Wirtschaft. „Viele haben gesagt: Das ist der Beginn oder die Fortsetzung der Deglobalisierung. Aber das sehe ich nicht so“, sagte Nick Studer am Rande der WEF-Tagung der dpa. „Ich sehe eine konstante, sich weiterentwickelnde Globalisierung.“

Studer räumte aber ein, dass wirtschaftliche Beziehungen nicht mehr automatisch und dauerhaft funktionierten. Unternehmen müssten Entscheidungen treffen, ohne zu wissen, ob neue Handelshemmnisse dauerhaft Bestand hätten. Falls ja, seien Anpassungen unvermeidlich. „Dann muss man darüber nachdenken, neue Märkte zu erschließen oder neue Lieferketten aufzubauen“, sagte Stuber. Und das sei „phänomenal schwierig“.

Unternehmen müssten daher wieder stärker auf Widerstandsfähigkeit setzen. „Man braucht mehr Agilität, mehr Puffer und mehr Möglichkeiten, Schocks abzufedern“, sagte der Oliver-Wyman-Chef. Insgesamt müssten sich Unternehmen darauf einstellen, dass Unsicherheit zum Dauerzustand werde. Gefragt seien flexible Strukturen, die auch unter wechselnden politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen tragfähig blieben.

Dieser Artikel ist Teil eines automatisierten Angebots der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Er wird von der idowa-Redaktion nicht bearbeitet oder geprüft.

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