Altersvorsorge

Schon als Kind fürs Alter vorsorgen - die Frühstartrente

«Sparschwein» fürs Alter: Neue Frühstartrente.

«Sparschwein» fürs Alter: Neue Frühstartrente.

Von dpa

Kinder bekommen 10 Euro im Monat vom Staat - für die Rente, die noch Jahrzehnte entfernt ist. Das ist der Kern der neuen Frühstartrente. Sie soll das Startkapital für die Altersvorsorge sein, unabhängig von den Finanzen der Eltern. Der Bundestag stimmt am Freitag über einen Gesetzentwurf der Bundesregierung ab. Auch in den Bundesrat kommt der Entwurf noch.

Was ist konkret geplant?

Für Kinder und Jugendliche im Alter von 6 bis 18 Jahren werden pro Monat 10 Euro vom Staat in einen Altersvorsorgedepot-Vertrag eingezahlt. Das kann ein von den Eltern ausgewähltes Depot sein, oder automatisch eine von der Bundesbank verwaltete, öffentliche Kapitalanlage.

Die Erträge sind bis zum Beginn der Auszahlungsphase steuerfrei. Ausgezahlt wird das geförderte Kapital laut Finanzministerium grundsätzlich nicht vor Vollendung des 65. Lebensjahres. Eltern und Großeltern können das Depot auch durch freiwillige Zahlungen aufstocken - Einzahlungen bis zu 6.840 Euro im Jahr sind erlaubt.

Bis zur Rente ist es noch weit weg für Kinder.
Bis zur Rente ist es noch weit weg für Kinder.
Bis zur Rente ist es noch weit weg für Kinder.
Abstimmung im Bundestag.
Abstimmung im Bundestag.
Abstimmung im Bundestag.
Der Depotwert steigt.
Der Depotwert steigt.
Der Depotwert steigt.

Gefördert wird laut Finanzministerium nur ein Standarddepot-Vertrag mit dem Kostendeckel von einem Prozent. Bis zur Volljährigkeit dürfen Anbieter keine Abschluss- und Vertriebskosten erheben. Im Finanzausschuss des Bundestags wurde festgelegt, dass das Geld ausschließlich in breit diversifizierte globale Aktien oder Aktienfonds anzulegen ist.

Wann startet die Frühstartrente?

Das Gesetz soll Anfang Januar 2027 in Kraft treten. Die Frühstartrente startet mit dem Geburtsjahrgang der im Jahr 2026 Sechsjährigen, also dem Geburtsjahrgang 2020 - die staatliche Unterstützung wirkt rückwirkend. Ab 2027 wird jährlich der Geburtsjahrgang der im jeweiligen Kalenderjahr Sechsjährigen einbezogen. Alle Kinder, die heute schon sieben oder älter sind, gehen also leer aus. Der Staat zahlt die Frühstartrente bis zur Volljährigkeit. Dann geht das Depot in die steuerlich geförderte private Altersvorsorge über.

Was soll die Frühstartrente bringen?

Der große Vorteil eines frühen Starts sei Zeit, so das Finanzministerium. Über viele Jahre könne der Zinseszinseffekt wirken. Je länger Geld investiert bleibe, desto stärker könne sich dieser Effekt bemerkbar machen.

Nach Berechnungen des Finanzministeriums entsteht allein aus der staatlichen Förderung bis zur Volljährigkeit ein Depotwert von rund 2.200 Euro. Daraus könnten bis zum 65. Lebensjahr ohne weitere Einzahlungen rund 53.000 Euro werden. Legen Eltern monatlich 10 Euro dazu, kann das Depot laut Ministerium bis zum 65. Lebensjahr auf rund 107.000 Euro wachsen - bei 50 Euro Zuzahlung wären es rund 320.000 Euro.

Den Berechnungen liegt dem Finanzministerium zufolge eine angenommene durchschnittliche Wertentwicklung von 7 Prozent pro Jahr zugrunde. Das entspreche der langjährigen Durchschnittsrendite weltweit gestreuter Aktienanlagen nach Abzug etwaiger Kosten. Die tatsächliche Wertentwicklung könne höher oder niedriger ausfallen. Im Gesetzentwurf heißt es: Sollte das Startkapital durch eine ungünstige Entwicklung am Kapitalmarkt geringer ausfallen als die Summe der für einen Anspruchsberechtigten angelegten Frühstartrente, bestehe kein Anspruch auf einen Ausgleich durch den Bund.

Was kostet das den Staat?

Die Ausgaben des Bundes für die Frühstartrente sollen zunächst bei 198 Millionen Euro im Jahr liegen und bis 2030 auf 411 Millionen Euro steigen.

Wozu soll die Frühstartrente junge Menschen motivieren?

Die Frühstartrente soll auch dafür sorgen, dass sich mehr junge Leute mit dem Aktienmarkt auseinandersetzen. Sie sollen die Wertentwicklung in ihren eigenen Depots spüren - und auch sehen, dass sich ein vorübergehendes Minus auf lange Sicht oft ausgleicht.

So sollen Anreize entstehen, die private Vorsorge im Erwachsenenalter mit eigenen Beiträgen fortzuführen. Denn private Vorsorge wird in den nächsten Jahren immer wichtiger werden. Dafür hat die Bundesregierung einen Nachfolger für die wenig beliebte private Riester-Rente entwickelt.

Wie wird das Konzept bewertet?

Die Deutsche Kreditwirtschaft begrüßt die Pläne. Die Frühstartrente ergänze das geplante Altersvorsorgedepot um ein Angebot für Kinder und Jugendliche und erleichtere den frühzeitigen Einstieg in die kapitalgedeckte Altersvorsorge. „Sie kann einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, junge Menschen früh an den langfristigen Vermögensaufbau über den Kapitalmarkt heranzuführen“, hieß es in einer Stellungnahme.

„Zehn Euro im Monat werden die Rentenlücke nicht schließen. Aber die Frühstartrente kann Millionen junge Menschen frühzeitig und ganz selbstverständlich mit dem Kapitalmarkt und langfristigem Investieren in Kontakt bringen“, sagte Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz.

Was wird kritisiert?

Der Deutsche Gewerkschaftsbund dagegen bezeichnet die Frühstartrente als Mogelpackung. „Sie ist keine Rente und verschweigt die sozialen und ethischen Risiken des Kapitalmarkts“, heißt es in einer Stellungnahme. Sie sei daher abzulehnen. „Die Frühstartrente ist vor allem ein staatlich finanzierter Weg der Kundenakquise für private Finanzdienstleister, Banken und Versicherungen.“

Dorothea Mohn von der Verbraucherzentrale Bundesverband sagte, bei der Finanzbildung bleibe die Politik hinter ihren Ansprüchen. „Informationen von Finanzanbietern sind wichtig. Eine unabhängige Finanzbildung ersetzen sie aber nicht. Kinder und Familien brauchen qualitätsgesicherte Bildungsangebote statt Werbematerial.“

Dieser Artikel ist Teil eines automatisierten Angebots der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Er wird von der Redaktion nicht bearbeitet oder geprüft.

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