Papst
Leo XIV. mahnt zu Frieden in aller Welt

Alessandra Tarantino/AP/dpa
Von der zentralen Loggia des Petersdoms spendet Leo XIV. den Segen Urbi et Orbi.
Der neue Papst Leo XIV. hat bei seinem ersten Osterfest den traditionellen Segen Urbi et Orbi mit einem Appell zu weltweitem Frieden verbunden. Vor mehreren Zehntausend Menschen auf dem Petersplatz rief das Oberhaupt von 1,4 Milliarden Katholiken dazu auf, Konflikte durch Dialog zu lösen. „Wer die Macht hat, Kriege zu beginnen, entscheide sich für den Frieden!“ Zugleich mahnte er, angesichts der vielen aktuellen Kriege nicht in Gleichgültigkeit zu verfallen.
Die Feier stand in starkem Kontrast zum Ostersonntag vergangenen Jahres. Zum Abschluss ließ sich Leo mit dem Papamobil über den Petersplatz fahren. Stehend winkte der 70-Jährige fröhlich den Gläubigen zu. Immer wieder hielt er an, um kleine Kinder zu segnen. Vor einem Jahr hatte sein Vorgänger Franziskus den Segen Urbi et Orbi (Der Stadt und dem Erdkreis) gar nicht mehr selbst sprechen können. Bei der Runde im Papamobil bewegte er sich kaum noch. Am Morgen danach starb er mit 88 Jahren.
An diesem Ostern nun nahmen unter strahlend blauem Himmel mehr als 40.000 Menschen an der Messe auf dem Petersplatz teil. Die Feier wurde in viele Länder live übertragen. Von der zentralen Loggia des Petersdoms mahnte Leo mit Nachdruck: „Wer Waffen in der Hand hält, lege sie nieder! Wer die Macht hat, Kriege zu beginnen, entscheide sich für den Frieden! Nicht für einen Frieden, der mit Gewalt erzwungen wird, sondern durch Dialog!“
Zugleich warnte der erste Pontifex aus den USA davor, angesichts der vielen Konflikte in Gleichgültigkeit zu verfallen. „Wir sind gerade dabei, uns an die Gewalt zu gewöhnen“, kritisierte er. „Gleichgültig gegenüber dem Tod Tausender Menschen. Gleichgültig gegenüber den Folgen von Hass und Spaltung, welche die Konflikte nach sich ziehen. Gleichgültig gegenüber den wirtschaftlichen und sozialen Folgen, die sie verursachen und die wir doch alle spüren.“
Leo ging jedoch nicht konkret auf einzelne Konflikte ein. Er nannte auch keinen der verschiedenen Beteiligten beim Namen, was sich manche erhofft hatten. Für einen Papst wären solche öffentlichen Äußerungen allerdings auch sehr ungewöhnlich. In seiner Predigt kritisierte er zudem eine „Unterdrückung der Schwächsten“ sowie „Profitgier, die die Ressourcen der Erde plündert“. An Ostern wird der biblischen Überlieferung zufolge die Auferstehung Jesu Christi gefeiert.
Nach seiner Osterbotschaft nahm Leo eine Tradition früherer Päpste wieder auf: Er wünschte in zehn Sprachen frohe Ostern. Auf Deutsch sagte er: „Frohe Ostern! Bringt allen die Freude des auferstandenen Jesus, der unter uns gegenwärtig ist.“ Franziskus hatte auf Wünsche in anderen Sprachen verzichtet. Leo hatte sich in den vergangenen Tagen bereits bei anderen Gelegenheiten traditioneller gezeigt als sein unmittelbarer Vorgänger.
In Erinnerung an das letzte Abendmahl wusch Leo am Gründonnerstag zwölf Priestern die Füße. Franziskus hatte dies bei Häftlingen getan. Bei der Karfreitagsprozession, mit der an die Kreuzigung Jesu Christi erinnert wird, trug Leo im Unterschied zum Vorgänger selbst ein Kreuz. Die abendliche Zeremonie im Kolosseum wurde von mehr als 30.000 Gläubigen verfolgt. Bei der Messe in der Osternacht war der Petersdom bis auf den letzten Platz gefüllt.
Den lateinischen Segen Urbi et Orbi hatte Leo auch schon zu Weihnachten sowie unmittelbar nach seiner Wahl gespendet. Der Spruch bezieht sich auf den Anspruch, Führer der weltweiten Christenheit zu sein. Früher war der Segen im Lauf eines Kirchenjahres häufiger gespendet worden.
Vor allem unter dem polnischen Papst Johannes Paul II. wurden die Live-Übertragungen vom Petersplatz weltweit populär. In vielen katholisch geprägten Familien gehört es zur Tradition, sich an Ostern und Weihnachten vor dem Mittagstisch für die Übertragung aus dem Vatikan vor dem Fernseher zu versammeln.











