Nahost

Ein Jahr Waffenruhe - wie steht es um das Gaza-Abkommen?

Zuletzt hat Israels Armee ihre Luftangriffe zudem wieder verstärkt.

Zuletzt hat Israels Armee ihre Luftangriffe zudem wieder verstärkt.

Von dpa

Seit einem Jahr gilt im Gaza-Krieg eigentlich eine Waffenruhe, doch Frieden ist nicht in Sicht. Ein von den USA vorangetriebener Plan zur Beendigung des Kriegs zwischen Israel und der Terrororganisation Hamas stagniert. Im Gazastreifen leben die Menschen derweil weiter unter prekären Bedingungen. Zuletzt hat Israels Armee ihre Luftangriffe zudem wieder verstärkt.

Wie steht es derzeit um die Waffenruhe?

Israels Militär sagt, bei den jüngsten Angriffen gezielt ranghohe Hamas-Mitglieder ins Visier zu nehmen. Oftmals handelt es sich um Beteiligte am Hamas-Terrorüberfall am 7. Oktober 2023. Israel will alle noch verbliebenen 2.000 Beteiligten töten. Insgesamt sollen am Tag des Massakers rund 5.000 bis 6.000 Terroristen nach Israel eingedrungen sein.

Experten sehen derzeit keine Hungersnot mehr im Gazastreifen, aber weiter Ernährungsunsicherheit.

Experten sehen derzeit keine Hungersnot mehr im Gazastreifen, aber weiter Ernährungsunsicherheit.

Der israelische Militärexperte Danny Orbach von der Hebräischen Universität in Jerusalem geht dennoch nicht davon aus, dass Israel die Waffenruhe vollständig aufkündigen wird - auch, um international nicht weiter isoliert zu werden. Mit den Angriffen wolle das Land die Hamas unter Druck setzen, damit die Islamistenorganisation ihre verbliebenen Hochburgen im Gazastreifen aufgibt.

Seit Beginn der Waffenruhe kontrolliert das israelische Militär etwas mehr als die Hälfte des Gazastreifens, im restlichen Gebiet hat die Hamas ihre Kontrolle gefestigt. „Israel hat die Hamas militärisch stark geschwächt, es jedoch nicht geschafft, sie in den von ihr kontrollierten Gebieten des Gazastreifens von der Macht zu verdrängen“, sagt Orbach. Er glaubt nicht, dass Israels Armee dies mit ihrer Strategie gezielter Angriffe erreichen wird. Dafür brauche es eine diplomatische Lösung.

Wie geht es mit dem Gaza-Plan weiter?

Ein von den USA unterstützter Plan, der die Entwaffnung der Hamas und anschließend einen Abzug der israelischen Armee und den Wiederaufbau des großflächig zerstörten Gebiets vorsieht, kommt allerdings derzeit nicht voran. Israel kritisiert, dass die Waffen der Hamas unter palästinensischer Kontrolle eingelagert werden sollen. Das Land fordert, die Waffen vollständig aus dem Küstenstreifen zu entfernen, damit sie der Hamas nicht wieder in die Hände fallen.

Militärexperte Orbach fasst die Lage so zusammen: „Die Hamas hofft, politisch und militärisch so lange zu überleben, bis die internationale Gemeinschaft Druck auf Israel ausübt, den Wiederaufbau auch ohne ihre Entwaffnung zu erlauben. Israel wiederum hofft, dass die Aussicht auf einen Wiederaufbau sowie die Kosten der anhaltenden Zerstörung die Hamas schließlich zum Einlenken bewegen werden.“ Ein Ende des Stillstands ist derzeit nicht absehbar. Übergeordnetes Ziel des Plans ist ein dauerhaftes Ende des Kriegs.

Wie war die Situation vor Beginn der Waffenruhe?

Auslöser des verheerenden Kriegs war das Massaker vom 7. Oktober 2023 in Israel. Terroristen aus dem Gazastreifen töteten dabei rund 1.200 Menschen und verschleppten mehr als 250 weitere in das Palästinensergebiet. Laut der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde wurden seitdem bei Israels Luftangriffen und Einsätzen am Boden mehr als 74.000 Palästinenser getötet. Die Statistik unterscheidet nicht zwischen Zivilisten und bewaffneten Kämpfern.

Nach Beginn der mühselig ausgehandelten Waffenruhe am 10. Oktober 2025 ließ die Hamas die letzten 20 lebenden Geiseln frei. Israel entließ im Gegenzug rund 2.000 palästinensische Häftlinge. In den Monaten danach übergab die Hamas zudem die letzten Geisel-Leichen.

Wie hat sich die humanitäre Lage entwickelt?

Experten sehen derzeit keine Hungersnot mehr im Gazastreifen, aber weiter Ernährungsunsicherheit. Die Hilfsorganisation Care kritisiert, dass „humanitäre Hilfe noch immer nicht verlässlich und in ausreichendem Umfang“ komme. Viele Menschen hausen in dem Küstengebiet zudem weiter auf engstem Raum in Zelten oder beschädigten Gebäuden.

Mehr als 100 Organisationen erklärten zuletzt, die Waffenruhe existiere nur auf dem Papier. Wegen der israelischen Angriffe gebe es weiterhin täglich Tote. „Keines der 36 Krankenhäuser im Gazastreifen ist voll funktionsfähig, zudem herrscht ein kritischer Mangel an Medikamenten, medizinischer Ausrüstung und Treibstoff“, teilten unter anderem Amnesty International, Oxfam und Save the Children mit. „Kinder sterben weiterhin an vermeidbaren Krankheiten.“

Die für Palästinenserangelegenheiten zuständige israelische Cogat-Behörde erklärt hingegen, Güter würden stets auf Antrag internationaler Organisationen und entsprechend dem Bedarf vor Ort geliefert. Die medizinische Versorgung und die humanitäre Lage im Gazastreifen seien stabil.

Was sagen die Menschen in Gaza zu ihrer Lage?

Bewohner des Gazastreifens berichten ein Jahr nach Beginn der Waffenruhe weiterhin von schwierigen Lebensumständen. Der 13 Jahre alte Adam Abu Dschasar aus dem Süden des Gebiets sagt, er verbringe noch immer viel Zeit damit, für seine Familie Wasser zu holen. Er träume davon, wieder Zeit zum Spielen zu haben. „Ich möchte mich wieder wie ein Kind fühlen, anstatt mir Sorgen um die Dinge zu machen, die meine Familie zum Überleben braucht.“

Amina al-Schawa, deren Mann im Gaza-Krieg getötet wurde, musste nach eigenen Angaben trotz Waffenruhe im vergangenen Jahr dreimal fliehen. Einmal sei bei einem israelischen Angriff das Zelt der Familie getroffen worden. Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur sagt die 46-Jährige: „Ich wünsche mir ein sicheres Zuhause, in dem meine Kinder ohne Angst schlafen können.“

Dieser Artikel ist Teil eines automatisierten Angebots der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Er wird von der idowa-Redaktion nicht bearbeitet oder geprüft.

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