Midterms
Auf diese Rennen sollte man bei den US-Zwischenwahlen achten

Hunderte Abgeordnete, 35 Senatoren und zahlreiche Gouverneure werden bei den US-Zwischenwahlen am Dienstag neu bestimmt. Doch wie der Abend für Donald Trumps Republikaner und die oppositionellen Demokraten ausgeht, entscheidet sich voraussichtlich in einer deutlich kleineren Zahl besonders umkämpfter Rennen. Welche Wahlen stehen besonders im Blick - und warum?
Der Senat gilt als besonders umkämpft
Im Senat haben die Republikaner derzeit 53 der insgesamt 100 Sitze. Die Demokraten halten 45 Sitze und können sich auf die Unterstützung von zwei Parteilosen verlassen. Bei den Midterms werden 35 Sitze neu vergeben.
Würden die Demokraten den Republikanern netto vier Sitze abnehmen, hätte Trumps Partei keine Mehrheit mehr. Laut Wahlanalytikern der Plattform „Cook Political Report“ zeichnet sich bei sieben Sitzen ein Kopf-an-Kopf-Rennen ab - die Mehrheit davon ist aktuell republikanisch besetzt. Zu den spannendsten Senatswahlen zählen:
Michigan: Das Rennen wird als Test dafür verstanden, inwiefern Vertreter des linken Flügels der Demokraten in sogenannten Swing States Chancen auf Wahlerfolge haben. Damit sind Bundesstaaten gemeint, in denen mal Republikaner, mal Demokraten die Mehrheit holen. Der demokratische Amtsinhaber Gary Peters tritt nicht wieder an. Sein linker Parteikollege Abdul El-Sayed will dafür sorgen, dass der Sitz in demokratischer Hand bleibt. Wird er sich gegen den Republikaner Mike Rogers durchsetzen, oder schrecken seine Schwerpunkte moderate Wählerinnen und Wähler ab? Wenn El-Sayed gewinnt, wäre der frühere Chef des Gesundheitsamts von Detroit der erste muslimische US-Senator. Der Ex-FBI-Agent Rogers vertrat Michigan bereits bis 2015 im US-Repräsentantenhaus und will nun den Fokus unter anderem auf die nationale Sicherheit legen.
Texas: Der Bundesstaat galt in den vergangenen Jahrzehnten als republikanische Hochburg. Entsprechend verheerend wäre es für Trumps Partei, wenn sie dort einen Senatssitz verlieren würde. Für die Demokraten wäre es dagegen ihr erster Sieg bei einem Senatsrennen in dem südlichen Bundesstaat seit fast 40 Jahren. Ihr Kandidat, der frühere Lehrer James Talarico, tritt gegen den republikanischen Generalstaatsanwalt Ken Paxton an. Dieser gilt als Unterstützer Trumps und ist umstritten. So musste er sich etwa einem Amtsenthebungsverfahren wegen Vorwürfen von Korruption und Amtsmissbrauch stellen. Talarico stellte sich im Wahlkampf als Politiker dar, der in Washington für ein bezahlbares Leben kämpfen will. Immer wieder machte er auch seinen christlichen Glauben zum Thema.
Alaska: Wird eine Namensgleichheit dem republikanischen Amtsinhaber Dan S. Sullivan Stimmen kosten - und damit seinen Senatssitz? Diese Sorge hat zumindest die Trump-Regierung geschürt. Gegen den Amtsinhaber treten der politische Neuling Dan J. Sullivan und die Demokratin Mary Peltola an. Republikaner verdächtigen die Demokraten schon länger, den Namensvetter aus taktischem Kalkül zur Kandidatur bewogen zu haben und auf eine Verwechslungsgefahr zu setzen. Ein Medienbericht hat ihre Darstellung jüngst untermauert. Das Rennen war zeitweise Gegenstand einer juristischen Auseinandersetzung, in die auch das US-Justizministerium involviert ist. Mittlerweile wurde die Klage abgewiesen.
Gouverneure nicht ignorieren: Chefs der Bundesstaaten
Zwar nehmen sie auf Bundesebene eine vergleichsweise kleinere Rolle ein - in ihren Bundesstaaten haben die Gouverneurinnen und Gouverneure allerdings das mächtigste Amt. Sollten die Demokraten mindestens zwei zusätzliche Gouverneure stellen, gäbe es erstmals seit 2010 wieder mehr demokratische als republikanische Bundesstaatenchefs. Im Fokus stehen etwa:
Ohio: Mit einem umstrittenen Werbevideo hatte der republikanische Unternehmer Vivek Ramaswamy Stimmung gegen seine demokratische Kontrahentin Amy Acton gemacht. In dem Video rief die Mutter der Ärztin die Wähler auf, nicht für ihre Tochter zu stimmen - obwohl beide seit Jahren keinen Kontakt mehr zueinander haben. Acton hatte den Kontakt zu ihrer Mutter abgebrochen, nachdem sie nach eigenen Angaben sexuell von ihrem Stiefvater missbraucht worden war. Ramaswamys Kampagne hatte parteiübergreifend für Kritik gesorgt - selbst der scheidende republikanische Amtsinhaber äußerte Unmut.
Wisconsin: In dem Bundesstaat entscheidet sich, ob sich der moderate Demokrat David Crowley gegen den Republikaner Tom Tiffany durchsetzen kann. Der Swing State wurde zuletzt demokratisch regiert, doch in der Vergangenheit entschieden bei Präsidentschafts- und Gouverneurswahlen oft nur wenige Tausend Stimmen. Crowley hatte sich parteiintern mit einem gemäßigteren Ansatz etwa beim Reizthema Gesundheitsvorsorge gegen die linke Kandidatin Francesca Hong durchgesetzt. Falls er den Ex-Kongressabgeordneten Tiffany schlägt, könnte das als positives Signal für moderate Kandidaten der Demokraten gewertet werden.
Beim Repräsentantenhaus sehen Umfragen Demokraten im Vorteil
Umfragen bescheinigen Demokraten gute Chancen, das Repräsentantenhaus zu gewinnen. Aktuell ist die Mehrheit der Republikaner dort äußerst knapp: 218 der 435 Sitze sind in republikanischer Hand, die Demokraten haben 214. Die anderen drei sind entweder vakant oder von einem Parteilosen besetzt.
Zwar stehen alle Sitze zur Wahl. Da eine ganze Reihe an Sitzen feste Hochburgen der einen oder anderen Partei sind, stehen aber auch hier vor allem die umkämpften Wahlkreise im Fokus: Gewinnt eine Partei hier überproportional viel, deutet das früh auf einen Gesamtsieg hin.













