Bergsteigen

Vor 40 Jahren: Der erste Mensch auf allen Achttausendern

Inzwischen ist Messner 82 Jahre alt. (Foto: Archiv)

Inzwischen ist Messner 82 Jahre alt. (Foto: Archiv)

Von dpa

Wie das in Momenten, auf die man so lange hingefiebert hat, dann manchmal so ist: Sie sind sehr schnell wieder vorbei. Heute vor 40 Jahren wurde Reinhold Messner zum ersten Menschen, der auf allen 14 Achttausendern der Welt ganz oben stand. Am 16. Oktober 1986 um 13.45 Uhr erreicht er mit Hans Kammerlander den Gipfel des Lhotse im Himalaya, mit 8.516 Metern die Nummer vier der Berggiganten. Ein böser Sturm zwingt die zwei jedoch praktisch sofort wieder zur Umkehr.

So bleibt es zwischen den beiden Südtirolern bei einem Handschlag und zwei Fotos. Messner ist so dick in seinen Anorak eingemummelt, dass man ihn kaum erkennt. Immerhin sieht man, dass er unterhalb von Kapuze und Skibrille keine Maske auf dem Mund hat. So ist der damals 42-Jährige immer unterwegs: ohne Flaschensauerstoff, auch wenn das unter diesen Extrembedingungen viele bis dahin für unmöglich hielten.

Nach dem Lhotse bestieg Messner nie wieder einen Achttausender. (Foto: Archiv)
Nach dem Lhotse bestieg Messner nie wieder einen Achttausender. (Foto: Archiv)
Nach dem Lhotse bestieg Messner nie wieder einen Achttausender. (Foto: Archiv)
Messner stand auch zwei Mal auf dem Mount Everest. (Foto: Archiv)
Messner stand auch zwei Mal auf dem Mount Everest. (Foto: Archiv)
Messner stand auch zwei Mal auf dem Mount Everest. (Foto: Archiv)

Gipfelglück als Wunschdenken der Leute unten

In seinem Tagebuch notiert er: „Um mich die "Hölle": Sturm, Kälte, der Abgrund. Wenn Windstille gewesen wäre und die Sonne geschienen hätte, auch bei Kälte, hätte man ruhig ein bisschen sich freuen können. Aber generell behaupte ich, dass das viel strapazierte Glück am Gipfel nur das Wunschdenken der Untengebliebenen ist.“ Dabei hat er auf diesen Moment, der ihn zur Legende macht, anderthalb Jahrzehnte hingearbeitet.

Seinen ersten Achttausender, den Nanga Parbat, besteigt er 1970. Eine Tragödie: Sein Bruder Günther kommt dabei ums Leben. 1978 steht er zum ersten Mal auf dem Mount Everest. Im September 1986 besteigt er mit Kammerlander seinen vorletzten Achttausender, den Makalu. Bleibt der Lhotse, im Grenzgebiet zwischen Tibet und China, durch den Südsattel mit dem Everest verbunden. Es ist kein guter Berg für ihn. Zweimal ist er dort bereits gescheitert.

Harte Konkurrenz aus Polen und der Schweiz

Dass sich Messner zwischen 13. und 14. Achttausender kaum Zeit lässt, liegt an der harten Konkurrenz: Der Wettbewerb, wer es als Erster auf alle Achttausendern schafft, wird damals rund um die Welt verfolgt. Seine härtesten Verfolger sind Jerzy Kukuczka und Marcel Ruedi. Der Pole steht bei elf, der Schweizer bei zehn. Die drei werden gefeiert wie Popstars.

Messner klettert jetzt schon 16 Jahre in extremsten Höhen und kann darüber sehr anschaulich erzählen. Aber vor allem Ruedi holt enorm schnell auf - bis er in jenem September vom Gipfel des Makalus nicht mehr lebend ins Basislager zurückkehrt. Messner kommt am selben Berg auf dem Weg nach oben in 8.200 Metern Höhe an der Leiche des Schweizers vorbei.

Messner will von Konkurrenzkampf nichts mehr wissen

Heute, mit 82, will er von einem Konkurrenzkampf nichts mehr wissen. „Das wurde aufgebauscht von den Medien“, sagt Messner der Deutschen Presse-Agentur. „Die haben einen Wettkampf daraus gemacht. Wir wollten das nicht.“ Die Erinnerung seines Seilgefährten Kammerlander ist eine andere: „Ich hab' deutlich gespürt, dass das ein knallharter Wettkampf war. Der Reinhold war den anderen a bissl voraus, aber es waren ihm ein paar Bergsteiger im Nacken. Da ging es nur noch darum: "Hoch auf den Lhotse".“

Und die beiden schaffen es. Messner sagt, er habe erst viel später Erleichterung verspürt. „Als ich zurückkam, war ich befreit von meiner eigenen Last, diese großen Berge weiter besteigen zu müssen.“ Nie wieder steht er danach auf einem Achttausender. Heute beschäftige ihn das Thema nicht mehr. „Ich habe mit dem letzten Achttausender ein neues Leben angefangen. Der heutige Bergtourismus mit seinem übertriebenen Kommerz hat mit dem, was wir gemacht haben, überhaupt nichts mehr zu tun.“

Zurück ins Buch der Rekorde

Trotzdem gab es vor einiger Zeit noch einmal Aufregung, weil ein Alpinismus-Statistiker behauptete, dass Messner 1985 den höchsten Punkt eines anderen Achttausenders, des Annapurna, verpasst habe und überhaupt nicht der Erste auf allen gewesen sei. Das „Guinness-Buch“ strich ihn daraufhin als Rekordhalter. Inzwischen steht er wieder drin.

Bis heute haben mindestens 39 Kletterer alle Berggiganten geschafft, darunter 15 Frauen. Kukuczka ist der ewige Zweite, elf Monate nach Messner. Im Unterschied zu dem Südtiroler macht er danach aber weiter. So wird der Lhotse ebenfalls sein letzter Achttausender. Beim Versuch, als Erster die Südwand zu durchsteigen, reißt ihm im Oktober 1989 das Seil. Er stürzt 2.000 Meter in die Tiefe. Seine Leiche ist bis heute nicht gefunden.

Dieser Artikel ist Teil eines automatisierten Angebots der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Er wird von der Redaktion nicht bearbeitet oder geprüft.

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