Welche Chancen hat der Wal?
Tun oder lassen - was ist das Beste für den Wal vor Poel?

Jens Büttner/dpa
Der Buckelwal ist am frühen Montagmorgen bei steigendem Wasserstand plötzlich von selbst losgeschwommen. Nach rund zwei Stunden stoppte er aber wieder.
Das Drama um den gestrandeten Buckelwal in der Ostsee nimmt kein Ende. Die Helfer hoffen, dass das tonnenschwere Tier nach einer nächtlichen Erholungspause erneut losschwimmt und den Weg aus der Kirchsee, einer flachen Bucht der Insel Poel nördlich von Wismar, findet. In der Nacht näherte sich Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) gemeinsam mit Experten der Landesfischereiaufsicht dem Tier bis auf etwa 500 Meter. „Der Wal liegt ruhig“, sagte der Minister der Deutschen Presse-Agentur danach.
Nachdem sich das Tier am Montagmorgen bei steigendem Wasserstand in der Bucht zunächst freigeschwommen hatte, lag es zwei Stunden später wieder im vielerorts hüfttiefen Wasser fest. Am Abend waren noch einmal Bewegungen des Wals in Richtung der tiefen Fahrrinne zu sehen - dann ruhte er wieder.
Sollte es mit dem erneuten Losschwimmen klappen, muss der Buckelwal nach dem Verlassen der Bucht in die richtige Richtung schwimmen - nach Nordwesten, zum offenen Meer hin. Mehrere Boote sollen ihm deshalb den Weg nach Osten, in Richtung Wismar, versperren. Dort war der Wal schon Anfang März im Hafenbecken gesehen worden.
Doch was, wenn das Tier sich nicht aus eigener Kraft befreit? Der Berliner Walforscher und Meeresbiologe Fabian Ritter spricht sich gegen weitere Rettungsversuche aus. „Wir müssen jetzt endgültig einsehen, dass es für uns nicht möglich ist, diesen Wal aktiv zu retten“, sagte er. „Wir sollten ihm im Moment nur den größten Gefallen tun, indem wir ihn sein lassen.“
Die ruhende Position im flachen Wasser nimmt der Wal der Überzeugung des Experten nach immer wieder freiwillig ein, „weil er sich das Leben erleichtern will“. „Er liegt im Wasser, das trägt ihn, das heißt, er erdrückt sich nicht mit seinem eigenen Gewicht. Er muss nicht dafür sorgen, dass er an die Oberfläche kommt. Er braucht sich nicht bewegen, wenn er Schmerzen hat. Und er kann atmen, die ganze Zeit.“
Doch die Zeit drängt: Der Wasserstand sollte in der Nacht und am Dienstag sinken. Dem Meeresbiologen Boris Culik zufolge kann das für den rund zwölf Tonnen schweren Wal schlimme Folgen haben: „Wenn er jetzt gemütlich mit dem Bauch auf einer Sandbank liegt und oben guckt das Blasloch raus, alles gut. Aber wenn dann 50 Zentimeter weniger Wasser da sind, dann entwickelt er ein unheimliches Gewicht, das dann auf seinen inneren Organen lastet. Er hat ein ganz schwaches Skelett im Vergleich zu uns.“ Es werde höchste Zeit, ihn von der Stelle weg zu bugsieren.
Wale atmen über ein oder zwei Blaslöcher auf dem Kopf, die als modifizierte Nasenlöcher dienen, da sie Säugetiere mit Lungen sind. Sie atmen nicht durch das Maul, sondern stoßen beim Auftauchen Luft unter hohem Druck aus.









