Stationen des Ostsee-Wals
Die teils überraschende Chronologie des Ostsee-Buckelwals

Philip Dulian/dpa
Das Tier bewegte sich durch eine zuvor ausgebaggerte Rinne in die sogenannte Barge, nachdem Helfer ihn zuvor mit Gurten in diese Richtung gezogen hatten.
Erste Sichtungen hat es Anfang März gegeben. Seitdem beschäftigt die Geschichte des Buckelwals viele Menschen. Eine Chronologie der Ereignisse:
3. März: Der Buckelwal taucht im Hafen von Wismar auf und lockt Schaulustige an die Kaikante. Einsatzkräfte entfernen Netzreste vom Tier, allerdings nicht komplett. Auch die Meeresschutzorganisation Sea Shepherd ist mit einem Schiff vor Ort. Gegen Abend schwimmt der Wal wieder Richtung Ostsee. Das Deutsche Meeresmuseum geht zunächst noch von einem Finnwal aus.
4. März: Der Wal wird wieder in der Lübecker Bucht vor Brook westlich von Wismar gesichtet. Sea Shepherd versucht, noch verbleibende Leinenreste zu entfernen. Das gelingt vom größeren Schiff „Triton“ aus aber nicht.
7. März: Nach einer Sichtung vor Scharbeutz sucht Sea Shepherd in der Lübecker Bucht erneut nach dem Wal und findet ihn gegen Abend vor Boltenhagen. Von einem Schlauchboot aus gelingt es, Netzreste zu entfernen.
8. März: Auch weiter östlich gibt es Walsichtungen. So erreichen das Deutsche Meeresmuseum Meldungen aus Westmecklenburg und Graal-Müritz östlich von Rostock und am Nachmittag aus Wustrow und Ahrenshoop.
10. März: Vor der Küste bei Steinbeck in Nordwestmecklenburg verfängt sich der Wal laut Wasserschutzpolizei in einem Fischernetz. Ein örtlicher Fischer holt das Netz ein, wobei es durchtrennt wird. Anschließend schwimmt das Tier wieder seewärts.
14. und 15. März: Am Wochenende werden Walsichtungen vor der Küste Nordwestmecklenburgs vor Warnkenhagen, Steinbeck und Boltenhagen gemeldet.
19. März: Am Abend beobachtet Sea Shepherd von der „Triton“ aus, wie der Wal vor Travemünde in die Trave schwimmt.
20. März: Nach einer Sichtung in der Lübecker Bucht bei Haffkrug und Scharbeutz wird Sea Shepherd von der Wasserschutzpolizei verständigt. Der Organisation gelingt es von einem Schlauchboot aus, einen Teil der am Tier verbleibenden Leine mit einem Spezialwerkzeug zu entfernen. Später schwimmt der Wal weiter mit Netzresten am Körper Richtung offenes Meer.
23. März: Der Wal wird auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand entdeckt. Er sitzt im flachen Wasser fest. Danach besteht Konsens, dass es sich um einen Buckelwal handelt. Tagelange Rettungsversuche laufen an, unter anderem graben Bagger eine Rinne.
27. März: Der Wal schwimmt weg. Nachdem er sich am Abend des 26. März bereits ein Stück bewegt hat, liegt er am frühen Morgen des 27. März nicht mehr im Uferbereich vor Timmendorfer Strand. Stattdessen schwimmt er in der Lübecker Bucht.
28. März: Der Wal verharrt auf einer Sandbank in der Wismarbucht südlich der Insel Walfisch.
29. März: Bei steigendem Wasserstand schwimmt der Wal in der Nacht kurzzeitig erneut los, bleibt aber wenige Meter weiter in der Wismarbucht wieder liegen.
30. März: Am späten Abend schwimmt der Wal wieder. Zuvor hatten Experten versucht, das Tier mit Lärm zu animieren. Der Wal schwamm anschließend laut Schweriner Umweltministerium aber in die falsche Richtung. Er wird am Hafen von Wismar gesehen, ist später seewärts Richtung Seebrücke unterwegs.
31. März: Der Buckelwal wird erneut vor Wismar gesichtet. Später verharrt er erneut in flachem Wasser, diesmal im Kirchsee, einem Teil der Wismarbucht, vor der Insel Poel.
1. April: Die Verantwortlichen geben die Einstellung weiterer Rettungsversuche bekannt, um dem laut Experten geschwächten Wal Ruhe zu gönnen.
2. April: Ein Vermessungsboot beginnt damit, die Umgebung des Wals zu erkunden, um eine spätere Bergung des Tierkörpers vorzubereiten.
7. April: Die Experten stellen gemeinsam mit Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) Erkenntnisse eines Gutachtens zum Zustand des Wals vor. Das Tier sei „schwerstkrank“, sagt er. Die Experten verweisen auf den sich verschlechternden Hautzustand und gehen wegen des Aufliegens auch von Organschäden aus. Das Tier könne bei einer möglichen Rettungsaktion am Stress sterben.
11. April: Es wird doch noch ein weiterer Versuch unternommen, den Wal noch einmal zu mobilisieren. Unter Wasser werden Walgesänge abgespielt. Dies bleibt aber ohne Erfolg.
15. April: Überraschend informiert Backhaus auf einer Pressekonferenz, dass die Behörden das Transportkonzept einer privaten Initiative dulden werden. Demnach soll das Tier lebend in die Nordsee und gegebenenfalls den Atlantik gebracht werden. Das Konzept sieht zunächst eine Anhebung mit Luftkissen und einen Transport auf einer Plane zwischen Pontons vor.
Frühere Pläne für Rettungsaktionen hatte die Behörde noch abgelehnt, weil sie Fachleuten zufolge noch mehr Stress und Leid für den Wal bedeutet hätten. Die Experten empfahlen, den Wal in Ruhe sterben zu lassen.
16. April: Die von der Unternehmerin Karin Walter-Mommert und dem Mediamarkt-Gründer Walter Gunz finanzierte Aktion startet. Ein Lkw-Konvoi mit Mobilkränen, Schwimmpontons und Rohren trifft am Hafen von Kirchdorf ein.
17. April: Ein Bagger auf einer schwimmenden Plattform fährt Richtung Wal. Nach der Annäherung durch einen Taucher reagiert der Buckelwal heftig mit starken Bewegungen. Das Tier schlägt mit der Schwanzflosse, den Brustflossen und dreht sich um beinahe 90 Grad. Nach einigen Minuten beruhigt sich der Wal wieder und liegt erneut still im Wasser.
18. April: Tücher auf dem Wal, schwimmende Arbeitsplattform und wohl erste Probespülungen in der Nähe des Tieres. Darüber hinaus ist noch nicht viel zu sehen. Das Tier buckelt nur gelegentlich leicht. Helfer versuchen erneut, in das Maul des Buckelwals zu schauen, um mögliche Netzreste zu entfernen - ohne Erfolg.
20. April: Nach drei Wochen schwimmt das Tier morgens von selbst los. Teammitglieder versuchen, es von Booten aus Richtung offene Ostsee zu treiben. Nach zwei Stunden und viel Hin und Her verharrt der Wal aufs Neue im Flachwasser, diesmal am Übergang des Kirchsees zur Wismarbucht. Von dort hätte er eigentlich direkt in die Ostsee schwimmen können.
27. April: Eine sogenannte Barge trifft in Wismar ein. Übers Wochenende war der 50 Meter lange und 13 Meter breite Lastkahn über den Nord-Ostsee-Kanal in Richtung Wismarbucht gebracht worden. Der Wal soll in dem Becken Richtung Nordsee gebracht werden. Das Ponton-Konzept war zwischenzeitlich verworfen worden.
28. April: Ein Schlepper hat die Barge mit dem Buckelwal übernommen. Der Meeressäuger war zuvor durch eine eigens gebaggerte Rinne zu der Barge bugsiert worden. Der motorlose Lastkahn mit dem Wal soll nun nach Angaben von Vertretern der privaten Rettungsaktion auf dem Weg zur Nordsee von dem Schlepper gezogen und dabei von einem weiteren Schiff begleitet werden.











