Justiz

Anwalt kritisiert nach Sparkassen-Coup Sicherheitsmängel

Der Rechtsanwalt Daniel Kuhlmann - hier bei einer Infoveranstaltung für Geschädigte - hat nach dem Gelsenkirchener Sparkassen-Einbruch nach eigenen Angaben erste Klagen gegen die Bank eingereicht. (Archivbild)

Der Rechtsanwalt Daniel Kuhlmann - hier bei einer Infoveranstaltung für Geschädigte - hat nach dem Gelsenkirchener Sparkassen-Einbruch nach eigenen Angaben erste Klagen gegen die Bank eingereicht. (Archivbild)

Von dpa

Rund vier Wochen nach dem Millionen-Coup in einer Gelsenkirchener Sparkasse erhebt der Geschädigten-Anwalt Daniel Kuhlmann scharfe Kritik an den Sicherheitsvorkehrungen. Ein renommierter Sachverständiger für Sicherungssysteme in Banken komme zu dem Schluss, dass der Einbruch mit „an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ hätte verhindert werden können, wenn die Bank Schutzvorkehrungen auf dem Stand der Technik gehabt hätte, sagte Kuhlmann.

Stand der Technik seien laut dem Sachverständigen etwa Bewegungsmelder für den Tresorraum und ein sogenannter Wandschutz. Letzteres sei eine netzartige Innenauskleidung des Tresorraums, die beim Durchbohren sofort Alarm schlage. Alternativ oder zusätzlich seien auch stündliche Patrouillengänge rund um den Tresorraum möglich, so Kuhlmann.

Die Sparkasse hatte bisher Kritik zurückgewiesen. Die
Filiale mit dem Schließfachraum sei „nach dem anerkannten Stand der
Technik gesichert“, hatte sie betont. Zu den konkreten Vorwürfen nahm die Bank zunächst keine Stellung. Die Bank äußere sich „grundsätzlich zu anwaltlichen Äußerungen nicht“, antwortete die Sparkasse laut „Stern“ auf eine ähnliche Nachfrage.

Der Anwalt hat nach eigenen Angaben beim Landgericht Essen drei Musterklagen erhoben. Er fordert darin im Namen der Mandanten von der Bank die volle Haftung für die entstandenen Schäden, wie er der Deutschen Presse-Agentur sagte. Ein Landgerichtssprecher konnte den Eingang zunächst nicht bestätigen. Zunächst müssten die Klagen an die Beklagte zugestellt werden.

Bei dem Einbruch Ende Dezember hatten die Täter mehrere Sicherheitssysteme überwunden und sich direkt in den Tresorraum der Filiale gebohrt. Dort räumten sie rund 3.100 Kundenschließfächer aus. Der Gesamtschaden wurde kurz nach dem Einbruch von der Polizei auf einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag geschätzt, er könnte aber auch noch wesentlich höher liegen. Die Ermittlungen laufen weiter auf Hochtouren. Die Polizei geht etwa 600 Hinweisen nach, es gibt aber aktuell keine heiße Spur, wie ein Polizeisprecher sagte.

Über die Sparkasse ist der Inhalt jedes Schließfachs nur bis zu einem Wert von 10.300 Euro versichert, falls die Kunden nicht privat zusätzliche Versicherungen abgeschlossen haben. Tatsächlich enthielten die Schließfächer in den drei Klagefällen nach Angaben des Anwalts höhere Werte: Im Fall eines Klägers gehe es um fast 400.000 Euro, die aus dem Verkauf einer Eigentumswohnung stammten und die einzige Altersabsicherung der betroffenen Person seien.

Die beiden anderen Kläger hätten im zweiten Fall Bargeld, eine Rolex-Uhr und Schmuck im Wert von insgesamt rund 120.000 Euro, im dritten Fall Gold für knapp 50.000 Euro angegeben. Alle drei Fälle seien bestens belegt mit Quittungen und teils mit Augenzeugen für die Einlagerung.

Die Einbrecher hatten sich mindestens mehrere Stunden in der Bank aufgehalten, ohne Alarm auszulösen. Wie dies gelang, gilt als zentrale Frage bei den Ermittlungen. Der Anwalt steht nach eigenen Angaben in Kontakt mit etwa 600 Geschädigten des Einbruchs. Sein Ziel sei keine Klagewelle, sondern ein Vergleich oder möglicherweise auch ein gerichtliches Mediationsverfahren. Die Mandanten wollten möglichst zügig entschädigt werden.

Dieser Artikel ist Teil eines automatisierten Angebots der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Er wird von der idowa-Redaktion nicht bearbeitet oder geprüft.

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