Bedeutendster US-Fernsehpreis
Das sind laut Emmys die 16 besten Serien 2026

Chris Pizzello/Invision/dpa
Noah Wyle ist nominiert für einen Emmy für seine Leistung in der Krankenhausserie «The Pitt».
Die Emmy Awards werden am 14. September verliehen (15.9. MESZ). Mit der Auszeichnung werden die besten Serien, die als US-Produktion oder als US-Co-Produktion eingestuft werden, sowie die kreativen Köpfe für diese Erfolge geehrt. Was dieses Jahr in den Königsdisziplinen der Serien (unterschieden wird nach Comedy und Drama) nominiert ist, in einem Überblick:
Als BESTE DRAMASERIE nominiert sind:
„Pluribus - Glück ist ansteckend“ (Apple TV):
Eine behutsam - manche würden sagen: zu langsam - erzählte, geradezu philosophische Produktion. Sie dreht sich um eine Frau, die zu den wenigen Personen weltweit gehört, die immun gegen ein unerklärliches Virus sind, das die Menschheit in einem gemeinsamen Bewusstsein aufgehen lässt. Die Serie von Showrunner Vince Gilligan („Breaking Bad“, „Better Call Saul“) ist mehr ein Erlebnis als eine TV-Serie, regt enorm zum Denken an. Der Cast ist mit Hauptdarstellerin Rhea Seehorn (wunderbar grumpy als Carol Sturka) und der mysteriös lächelnden Karolina Wydra (als Zosia) überwältigend gut.
„The Pitt“ (Apple TV):
Eine Schicht in der Notaufnahme ist ein ständiger Lauf gegen die Zeit: Das zeigt die Krankenhausserie „The Pitt“, die mit ihrer chronologischen Erzählweise überzeugt. Eine Folge stellt etwa eine Stunde der Schicht dar - das sorgt für pausenlose Spannung, auch die extrem detaillierte Behandlung beeindruckt. Genauso wichtig sind die Erfahrungen der großen Belegschaft: Gerade die des erfahrenen Chefarztes Robby (Noah Wyle, nominiert als bester Hauptdarsteller), der sich nach Jahren voller Überstunden immer schwerer tut, mit den vielen traumatischen Fällen umzugehen.
Schon 2025 räumte die Serie bei den Emmys fast alle Preise ab - da die zweite Staffel der ersten um nichts nachsteht, dürfte „The Pitt“ auch in diesem Jahr als großer Favorit ins Rennen gehen.
„Diplomatische Beziehungen“ (Netflix):
Menschliche Abgründe, politisches Geschachere und Intrigen: Der Politik-Thriller „Diplomatische Beziehungen“ von Netflix ist für seine starke dritte Staffel gleich siebenmal nominiert worden, darunter als beste Dramaserie. Auch die wichtigsten Hauptfiguren der letzten Staffel gehören zu den Preisanwärtern: Keri Russel als beste Hauptdarstellerin in einer Dramaserie, Rufus Sewell bei den Männern sowie als beste Nebendarsteller Allison Janney und Bradley Whitford (beide bekannt aus „West Wing“).
Die Diplomatin Kate Wyler wird inmitten einer internationalen Krise unerwartet zur neuen US-Botschafterin in Großbritannien. Aufgrund von Intrigen und Betrug geraten beide Länder in schwerwiegende Konflikte, aber nicht wie bisher als Verbündete, sondern als Gegner. Und ausgerechnet Wylers Ehemann und die Präsidentin haben womöglich nicht immer das Beste für die Welt im Sinn. Staffel vier der Serie startet am 15. Oktober.
„The Gilded Age“ (HBO; in Deutschland Sky/Wow):
Altehrwürdige Familien gegen neureiche Emporkömmlinge, prächtige Roben, gigantische Villen und reichlich Intrigen: Die HBO-Max-Serie „The Gilded Age“ führt ins New York des späten 19. Jahrhunderts. Dort lässt sich mit Eisenbahn-Millionen zwar fast alles Materielle kaufen, nur gesellschaftliche Anerkennung nicht. Das opulente Gesellschaftsdrama von „Downton Abbey“-Schöpfer Julian Fellowes gehört 2026 erneut zu den Emmy-Kandidaten und ist unter anderem als beste Dramaserie nominiert. Auch Hauptdarstellerin Carrie Coon sowie Regisseurin Salli Richardson-Whitfield dürfen auf eine Trophäe hoffen. Staffel 4 wird ab November verfügbar sein.
„A Knight of the Seven Kingdoms“ (HBO Max):
2019 endete die kultige Fantasyserie „Game of Thrones“. Seitdem sind zwei Ableger aus dem Universum erschienen, darunter „A Knight of the Seven Kingdoms“ bei HBO Max. Es ist eine etwas leichtere Alternative zu der doch sehr brutalen Originalserie und spielt rund 90 Jahre vor den Ereignissen.
Die sechs überraschend oft lustigen Folgen handeln von den Abenteuern des Ritters Ser Duncan dem Großen und seinem kleinen Knappen Egg, die sich auf ein Turnier vorbereiten. Grundlage ist die Trilogie „Der Heckenritter von Westeros: Das Urteil der Sieben“ von Fantasyautor George R. R. Martin. Ein guter Einstieg in die „GoT“-Welt.
„Paradise“ (Hulu; in Deutschland Disney+):
Ein junger US-Präsident wird ermordet und ein Leibwächter ist der Hauptverdächtige. Das ist die Ausgangslage der Serie „Paradise“, die mittlerweile eine zweite Staffel bekommen hat. In der ersten Staffel gerät der Security-Mitarbeiter des Präsidenten, Xavier Collins (Sterling K. Brown), ins Visier der Ermittler. Daraufhin muss er die Verschwörung um den Mord aufklären. Die US-Politserie wird für ihr exzellentes Ensemble und viele überraschende Wendungen gelobt. Erdacht wurde die Thriller-Serie von Dan Fogelman, der schon bei der Familienserie „This is Us“ eine gelungene Mischung aus Emotion und schneller Handlung schuf.
„Slow Horses - Ein Fall für Jackson Lamb“ (Apple TV):
Wer beim britischen Geheimdienst MI5 Mist baut, landet im „Slough House“ - der Abstellkammer für gescheiterte Agenten. Dort führt der notorisch schlecht gelaunte Jackson Lamb (Gary Oldman) eine Truppe von Antihelden, die trotz verkorkster Karrieren regelmäßig in gefährliche Spionagefälle gerät. Die Serie mit mittlerweile fünf Staffeln verbindet klassischen Agententhriller mit schwarzem britischem Humor und politischen Intrigen. Bei den Emmys 2026 ist die Serie neunmal nominiert, darunter als beste Dramaserie. Gary Oldman als Hauptdarsteller und Jack Lowden als Nebendarsteller können auf eine Trophäe hoffen. Staffel 6 wird ab 16. September veröffentlicht.
„Your Friends and Neighbors“ (Apple TV):
In der Serie „Your Friends and Neighbors“ glänzt Jon Hamm („Mad Men“, „The Morning Show“) als Hedgefonds-Manager im freien Fall: Andrew Cooper beschäftigen eigentlich genug Probleme, unter anderem die Scheidung von seiner Frau und Kummer mit den Kindern. Jetzt wird er auch noch gefeuert.
Um den Lebensstil seiner Familie aufrechtzuerhalten, begeht Andrew Diebstähle in Nachbarhäusern im äußerst wohlhabenden Vorort Westmont Village. Hier muss er allerdings feststellen, dass sich hinter wohlhabenden Fassaden Geheimnisse und Affären verbergen, die gefährlicher sind, als er je gedacht hätte. Bislang sind zwei Staffeln der Serie erschienen.
Als BESTE COMEDYSERIE nominiert sind:
„Abbott Elementary“ (ABC in USA; in Deutschland Disney+):
Kaputte Toiletten, bröckelnde Wände und viel Idealismus: In „Abbott Elementary“ kämpfen sich Lehrerinnen und Lehrer durch den unterfinanzierten Schulalltag in Philadelphia (USA). Die Idee zur Serie hatte Quinta Brunson, die auch die Hauptrolle der immerzu optimistischen Lehrerin Janine Teagues spielt. Die Serie ist im Mockumentary-Stil gedreht und zeigt die Realität an einer Schule mit überwiegend schwarzer Schülerschaft mit viel Humor - aber ohne Probleme zu verharmlosen. In bislang fünf Staffeln sind vor allem die Dialoge und die Situationskomik Highlights der Sitcom.
„The Bear: King of the Kitchen“ (FX; Disney+):
Die Serie um Koch Carmy (Jeremy Allen White) und seine eingespielte Patchwork-Küchencrew ist aus den Emmy-Nominierungen längst nicht mehr wegzudenken. Aus dem Sandwich-Imbiss, den er in der hochgelobten ersten Staffel von seinem gestorbenen Bruder erbte, ist längst ein Gourmetrestaurant geworden - das nicht nur um einen Michelin-Stern kämpft, sondern auch um seine Existenz.
Nominiert ist dieses Mal die vierte Staffel, die es bereits im Juni 2025 zu streamen gab. In dieser stehen vor allem die oft emotionalen Geschichten der Charaktere im Mittelpunkt - da der Humor dabei eher ein Randaspekt ist, gilt die Nominierung als beste Comedyserie durchaus auch als umstritten. Die kürzlich erschienene fünfte und letzte Staffel geht erst nächstes Jahr ins Emmy-Rennen.
„Hacks“ (HBO Max USA; in Deutschland vor allem bei RTL+):
Im Mittelpunkt der Comedyserie stehen die Stand-up-Komikerin Deborah Vance und ihre jüngere Autorin Ava Daniels, die dem Humor der Entertainment-Legende frischen Wind verleihen soll. In den ersten vier Staffeln entsteht - vor allem durch den Altersunterschied - ein ständiges Hin-und-her zwischen den beiden, das aber unterhaltsam ist: Wegen den oft verschiedenen Ansichten geraten sie gerne mal aneinander, doch gleichzeitig entwickelt sich zwischen ihnen auch eine enge Freundschaft.
Die fünfte und letzte Staffel, in der sie Deborahs Karriere vor dem Aus retten müssen, schließt die Geschichte mit großen Emotionen gut ab und heimste mit 24 Emmy-Nominierungen mehr ein als jede Staffel einer Comedyserie zuvor - schade, dass diese in Deutschland noch auf ihre Premiere wartet.
„Only Margo“/Original: „Margo's Got Money Troubles“ (Apple TV):
Die Serie mit Elle Fanning und Michelle Pfeiffer in den Hauptrollen dreht sich um eine junge alleinerziehende Mutter, die sich unorthodoxer Mittel bedient, um über die Runden zu kommen. Die nicht nur witzige und herzerwärmende Serie zwischen Komödie und Drama hat viel Lob erhalten. Das dürfte auch an ihrer einfühlsamen Darstellung liegen: Fanning, Pfeiffer und auch Nick Offermann, in der Rolle von Margos Vater, spielen Charaktere, die alles andere als perfekt sind - und gerade deshalb ans Herz gehen.
„Nobody Wants This“ (Netflix):
Eine Sex-Podcasterin trifft auf einen Rabbiner - das ist nicht der Beginn eines schlechten Witzes, sondern einer der erfolgreichsten romantischen Comedy-Serien der vergangenen Jahre. Das Thema wurde schon oft erzählt: Ein ungleiches Paar trifft und verliebt sich und trotzt allen Herausforderungen. Doch mit Kristen Bell und Adam Brody in den Hauptrollen schafft es „Nobody Wants This“ über das angestaubte Rom-Com-Image hinaus und befördert die Liebesgeschichte in bislang zwei Staffeln in die heutige Zeit - (fast) ohne toxisches Männergehabe und Frauen, die gerettet werden müssen.
„Only Murders in the Building“ (Disney+):
Eine liebevolle Krimi-Serie mit Starbesetzung: Staffel für Staffel ermitteln Steve Martin, Martin Short und Selena Gomez als Hobby-Podcaster in ihrer Wohnanlage „The Arconia“. Hier ereignen sich immer wieder merkwürdige Todesfälle. „Only Murders in the Building“ greift die allgegenwärtige Faszination von True Crime auf, mischt sie mit Slapstick, charmantem Humor, skurrilen Nachbarn und cleveren Mordfällen mit vielen Wendungen.
Auch das ungewöhnliche Trio aus Martin, Short und Gomez macht Spaß. Immer wieder treten Gaststars auf. Seit der dritten Staffel gehört Meryl Streep mit zum Cast, zuletzt waren in Staffel 5 Renée Zellweger und Christoph Waltz zu sehen.
„Shrinking“ (Apple TV):
Eine Serie über Schicksale - oft emotional, vor allem aber unterhaltsam. Jason Segel („How I Met Your Mother“) spielt den Psychotherapeuten Jimmy, der um seine bei einem Autounfall gestorbene Frau trauert. Seine aufs Collegealter zugehende Tochter muss er alleine großziehen, bekommt dabei aber Hilfe von Nachbarn und Kollegen - unter anderem Harrison Ford als Jimmys Boss, der mit einer Parkinson-Diagnose umgehen muss. Die Serie ist herzerwärmend und manchmal albern zugleich, bietet dabei aber auch den persönlichen Herausforderungen der vielen Charaktere viel Raum. Die nun nominierte dritte Staffel schließt viele Handlungsstränge - eine vierte soll es dennoch geben.
„Widow's Bay“ (Apple TV):
19 Nominierungen für die erste Staffel: „Widow's Bay“ ist womöglich schon jetzt die größte Überraschung des Jahres. Die Horror-Comedyserie spielt auf einer fiktiven Insel an der amerikanischen Ostküste. Deren Bürgermeister Tom Loftis möchte das Image seiner etwas heruntergekommenen Heimat aufbessern. Einige der alteingesessenen Bewohner glauben jedoch, dass die Insel mit einem Fluch belegt ist - und als ein Zeitungsbericht dann Touristen auf die Insel zieht, wird schnell klar, dass tatsächlich nicht alles mit rechten Dingen zugeht.
Besonders stark wird die Serie durch den Mix aus Witz und Grusel: Bringen einen die vielen eigenartigen Inselbewohner in der einen Szene noch zum Lachen, findet man sich in der nächsten plötzlich wieder, wie man sich wegen dunkler Schockmomente plötzlich am Sofa festklammert.







