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Abschluss in Cannes: Wer hat Chancen auf die Goldene Palme?

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«Vaterland» von Pawel Pawlikowski gehört zu den Kritiker-Favoriten. (Archivbild)

«Vaterland» von Pawel Pawlikowski gehört zu den Kritiker-Favoriten. (Archivbild)

Von dpa

Ein Film mit Sandra Hüller über die Manns und das zerstörte Nachkriegsdeutschland, ein Porträt über die Freundschaft einer Pflegeheimleiterin und einer krebskranken Künstlerin - oder doch ein Drama um den Chef einer russischen Firma und seine untreue Frau? In Cannes entscheidet sich Samstagabend, wer die Goldene Palme gewinnt. Welche Filme sehen Kritiker vorn?

Zu einem frühen Favoriten im Wettbewerb gehörte das präzise in Schwarz-Weiß gehaltene Drama „Vaterland“ des polnischen Regisseurs Pawel Pawlikowski. Er verbindet politische Geschichte mit einer intimen Vater-Tochter-Beziehung zwischen dem berühmten Schriftsteller Thomas Mann (Hanns Zischler) und seiner Tochter Erika (Hüller), die durch das in Trümmern liegende Deutschland im Jahr 1949 reisen.

Auch «All of a Sudden» könnte einen Preis gewinnen. (Archivbild)
Auch «All of a Sudden» könnte einen Preis gewinnen. (Archivbild)
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Über den Film «Fjord» wurde viel gesprochen. (Archivbild)
Über den Film «Fjord» wurde viel gesprochen. (Archivbild)
Über den Film «Fjord» wurde viel gesprochen. (Archivbild)
Der renommierte russische Regisseur Andrej Swjaginzew. (Archivbild)
Der renommierte russische Regisseur Andrej Swjaginzew. (Archivbild)
Der renommierte russische Regisseur Andrej Swjaginzew. (Archivbild)

Pawlikowski ist ein berührendes Porträt über Familie, Trauer, Identität, Exil und Heimat gelungen. Das Magazin „Deadline“ sprach von einer „Meisterklasse künstlerischer Disziplin“ und lobte die Hauptdarstellerin mit den Worten: „Eigentlich kann Hüller alles.“ „Vaterland“ ist mit knapp 90 Minuten Spiellänge der kürzeste Film im Wettbewerb.

Doch auch der längste Film - „All of a Sudden“ des Japaners Ryūsuke Hamaguchi mit mehr als drei Stunden Laufzeit - hat viele Kritiker überzeugt. Das sanfte Drama handelt von der Leiterin einer Pflegeeinrichtung für Senioren (Virginie Efira) in Paris, die eine neue Pflegemethode einführen will und auf Widerstand stößt. Als sie auf eine krebskranke japanische Künstlerin (Tao Okamoto) trifft, entwickelt sich eine tiefe Verbundenheit zwischen den Frauen.

Hamaguchis dialogreicher Film ist von großer Menschlichkeit geprägt, er erzählt die Geschichte mit viel Ruhe und Feingefühl. Das Magazin „Variety“ hält den Film nicht nur für eine Erinnerung daran, was Kino sein kann, sondern er sei großartig genug, „um uns daran zu erinnern, was das Leben sein kann“. Die beiden Hauptdarstellerinnen, die im Film zwischen Japanisch und Französisch wechseln, sind auch heiße Anwärterinnen auf den Schauspiel-Preis.

Einen bleibenden Eindruck hat der gesellschaftskritische Thriller „Minotaur“ von Andrej Swjaginzew hinterlassen, der als einer der renommiertesten und international erfolgreichsten russischen Regisseure gilt. Inspiriert von dem französischen Film „Die untreue Frau“ von Claude Chabrol (1969) erzählt „Minotaur“ von dem russischen Geschäftsmann Gleb (Dmitri Masurow), der eine Affäre seiner Frau (Iris Lebedewa) aufdeckt.

Doch die Geschichte über Rache und Betrug, die im Jahr 2022 spielt, untermalt Swjaginzew mit der Allgegenwärtigkeit des Angriffskriegs gegen die Ukraine und verleiht dem Film eine politische Note. So setzten die Behörden Gleb unter Druck, eine Liste von Mitarbeitern zu erstellen, die für den Militärdienst an der Front eingezogen werden können.

Swjaginzew, der schon für den Oscar nominiert war („Leviathan“), verließ wie viele russische Künstler im Zuge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine seine Heimat; er emigrierte nach Frankreich. Nach der Premiere von „Minotaur“, der auch einige lustige Momente enthält, gab es in Cannes tosenden Applaus.

Viel gesprochen wurde auch über das moralisch vielschichtige Drama „Fjord“ des rumänischen Regisseurs Cristian Mungiu. Darin spielen Sebastian Stan und Renate Reinsve ein rumänisch-norwegisches Ehepaar mit einem konservativen Erziehungsstil, das mit seinen Kindern nach Norwegen zieht und verdächtigt wird, seine Tochter körperlich misshandelt zu haben.

Doch wie immer gilt: Nicht immer ist die Wertung von Kritikerinnen und Kritikern ein Hinweis darauf, wer letztlich gewinnt. 2025 wurde der Film „Ein einfacher Unfall“ des Iraners Jafar Panahi zum Sieger gekürt. Dieses Jahr entscheidet eine Jury unter dem Vorsitz des südkoreanischen Regisseurs Park Chan-wook („No Other Choice“) über die Gewinner.

Dieser Artikel ist Teil eines automatisierten Angebots der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Er wird von der idowa-Redaktion nicht bearbeitet oder geprüft.

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