Gäubodenvolksfest
Überschlag mit der Schiffschaukel - dem blauen Himmel entgegen

"Immer wenn die Schaukel nach oben schwingt, musst du aufrecht stehen. Geht es abwärts, gehst du in die Hocke." - Der Überschlag mit der Schiffschaukel klingt einfach. (Foto: jg)

Es ist wohl eine von vielen Mutproben, die man am alljährlichen Gäubodenvolksfest neben "Hau den Lukas" und den Schießständen ausprobieren kann: den Überschlag mit der Schiffschaukel. Jedes Jahr wieder beobachte ich die tapferen Volksfestbesucher, die ihr Glück versuchen, und staune, wenn sie sich ein paar Mal mit der Gondel überschlagen. Ob ich das auch schaffe? Für Freistunde habe ich den Versuch gewagt.
Vorsichtig steige ich in die Schiffschaukel. Nur eine von sieben Gondeln ist für den Überschlag geeignet. Wer es versuchen will, muss mindestens 14 Jahre alt sein. Ein Mitarbeiter macht zuerst meinen rechten Fuß mit einer engen Schlaufe fest. Anschließend legt er mir einen orangefarbenen Gürtel um den Bauch.
"Immer wenn die Schaukel nach oben schwingt, musst du aufrecht stehen. Geht es abwärts, gehst du in die Hocke", erklärt er mir. Ich nicke und winke ein paar Freunden und Verwandten zu, die sich meinen Überschlagsversuch nicht entgehen lassen wollen. "Wenn du im richtigen Moment beide Beine durchstreckst, nimmst du den ganzen Schwung mit und kommst dadurch immer höher", fügt der Mitarbeiter hinzu, bevor er mich und die Schaukel anschubst. Der Kraftakt beginnt.
Anfangs funktioniert das ständige Auf und Ab ganz gut. Aber es wird von Sekunde zu Sekunde schwerer. Meine Zuschauer feuern mich an: "Auf geht's, David! Du schaffst das!"
Kampf mit der Fliehkraft
Ich beiße die Zähne zusammen. Mein größter Feind ist im Moment die Fliehkraft. Sie drückt mich in die Hocke und so wird es für mich immer härter, beide Beine durchzustrecken. Langsam schmerzen meine Unterschenkel. Ich will nicht aufgeben. Da ertönt die Stimme des Ansagers. Er brüllt scherzend ins Mikrofon: "Komm schon, du Flasche! Gib Gas!" Ich nehme ein letztes Mal alle Kraft zusammen und konzentriere sie in meinen Beinen, doch am Ende siegt die Fliehkraft. Ich habe es leider nicht geschafft. Der Mitarbeiter bremst die Gondel ab, öffnet den Gurt um meinen Bauch und macht meinen Fuß los. Etwa zwei Minuten hatte ich für den Versuch Zeit.
Als ich aussteige, fühlen sich meine Beine an wie Wackelpudding. "Mach dir nichts draus, wenigstens hast du es versucht", ruft mir ein Zuschauer aufmunternd zu. Ich gehe ein paar Schritte und stelle fest: Mir ist schwindlig. Mittlerweile schmerzen auch meine Oberarme und Oberschenkel. Der Überschlag mit der Schiffschaukel sieht einfacher aus, als er wirklich ist. Nach mir versuchen es noch einige Volksfestbesucher. Alle scheitern - bis auf einen älteren Herren. Scheinbar hat er die richtige Technik angewandt oder genug Kraft. Sechs- bis achtmal überschlägt er sich. In diesem Moment wird mir klar: Ich will es noch einmal ausprobieren - im nächsten Jahr. Irgendwann werde ich die Fliehkraft bezwingen.


