Strahlenschutz

Testflüge in Bayern als Übung für möglichen Atomunfall

Aus der Luft messen Experten die Radioaktivität am Boden. Nun wird für den Ernstfall in Schwaben geprobt.

Aus der Luft messen Experten die Radioaktivität am Boden. Nun wird für den Ernstfall in Schwaben geprobt.

Von dpa

Mit Strahlenmessungen aus einem Hubschrauber bereiten sich Behörden auf einem möglichen Atomunfall vor. Obwohl in Deutschland keine Kernkraftwerke mehr im Betrieb seien, müsste man auf Unfälle vorbereitet sein, teilte das Bundesamt für Strahlenschutz mit. Letztlich geht es bei den aktuellen Übungen in Schwaben auch um eine mögliche Havarie in einem Atommeiler im Ausland. „Denn Radioaktivität macht nicht an Grenzen halt“, betont das Bundesamt.

Derzeit finden daher in Zusammenarbeit mit der Bundespolizei Testflüge statt. Helikopter der Bundespolizei seien bis Donnerstag südlich von Augsburg bei Mindelheim und Schwabmünchen sowie am Forggensee unterwegs, kündigte das Bundesamt an.

Die Maschinen starten jeweils vom Fliegerhorst in Kaufbeuren. Über Land fliegen sie die Testgebiete in einer Höhe von etwa 90 Metern ab. Nahezu 600 Quadratkilometer sollen so untersucht werden.

Die Hubschrauber der Bundespolizei werden im Ernstfall mit speziellen Strahlenmesssystemen ausgestattet.
Die Hubschrauber der Bundespolizei werden im Ernstfall mit speziellen Strahlenmesssystemen ausgestattet.
Die Hubschrauber der Bundespolizei werden im Ernstfall mit speziellen Strahlenmesssystemen ausgestattet.
Für die Testflüge starten die mit Messgeräten für Radioaktivität ausgerüsteten Airbus-Hubschrauber vom Fliegerhorst Kaufbeuren.
Für die Testflüge starten die mit Messgeräten für Radioaktivität ausgerüsteten Airbus-Hubschrauber vom Fliegerhorst Kaufbeuren.
Für die Testflüge starten die mit Messgeräten für Radioaktivität ausgerüsteten Airbus-Hubschrauber vom Fliegerhorst Kaufbeuren.
Die speziellen Strahlenmesssysteme können in die Hubschrauber der Bundespolizei eingebaut werden.
Die speziellen Strahlenmesssysteme können in die Hubschrauber der Bundespolizei eingebaut werden.
Die speziellen Strahlenmesssysteme können in die Hubschrauber der Bundespolizei eingebaut werden.

Im April gab es solche Übungsflüge bereits grenzüberschreitend mit der französischen Strahlenschutzbehörde im Schwarzwald und im Elsass. Frankreich hat im Unterschied zur Bundesrepublik noch zahlreiche Kernreaktoren im kommerziellen Einsatz.

Das Bundesamt für Strahlenschutz hat für das Aufspüren von Strahlenquellen in Berlin und München flugtaugliche Messsysteme stationiert. Diese werden im Notfall von Helikoptern der Bundespolizei oder des Katastrophenschutzes aus betrieben.

Mit den Trainingsflügen wird dieser Ernstfall simuliert. „Gelangen zum Beispiel bei einem Unfall radioaktive Stoffe in die Umwelt, ist es für den Schutz der Bevölkerung entscheidend, schnell einen guten Überblick zu erhalten“, erläuterte das Bundesamt. Strahlungsmessungen aus der Luft könnten dafür einen wichtigen Beitrag leisten. Innerhalb von drei Stunden kann nach Angaben des Bundesamtes eine Fläche von rund 100 Quadratkilometern untersucht werden.

Wie weit Radioaktivität nach einem Atomunfall in die Umwelt gelangen kann, zeigte die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl in der Ukraine im Jahr 1986. Etwa zehn Tage lang wurden in der Kraftwerksruine große Mengen radioaktiver Stoffe freigesetzt. Mehrere radioaktive Wolken zogen über Europa, in der ganzen Bundesrepublik wurde die Belastung gemessen und möglicherweise belastete Nahrungsmittel wurden vernichtet.

Nach Angaben des Bundesamtes können auch heute noch Waldpilze oder Wildschweine aus manchen Gebieten kontaminiert sein. Das aktuelle Testgebiet südwestlich von Augsburg gehöre zu den Gegenden in Deutschland, die am stärksten von dem Atomunfall vor 40 Jahren betroffen seien. Die Fachleute erwarten daher, dass sie dort mit den Hubschrauberflügen außer den natürlich im Erdboden vorkommenden radioaktiven Stoffen auch Cäsium-137 nachweisen werden, das aus dem Unglücksreaktor stammt.

Dieser Artikel ist Teil eines automatisierten Angebots der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Er wird von der idowa-Redaktion nicht bearbeitet oder geprüft.

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