Wiesn-Tradition

Oktoberfest: Traditionstheater Schichtl ist jetzt Kulturerbe

Der «Schichtl» Manfred Schauer und sein Team werben für die Vorstellung. (Archivbild)

Der «Schichtl» Manfred Schauer und sein Team werben für die Vorstellung. (Archivbild)

Von dpa

Das mehr als 150 Jahre alte Wiesn-Traditionstheater „Auf geht's beim Schichtl“ ist jetzt immaterielles Kulturerbe in Bayern. Das weit über München hinaus bekannte Varieté ist auf Empfehlung eines unabhängigen Expertengremiums mit 18 weiteren Kulturformen in das Bayerische Landesverzeichnis aufgenommen worden, wie das Heimatministerium mitteilte. Der „Schichtl“ sei seit 1869 eine feste Institution auf dem Münchner Oktoberfest, hieß es zur Begründung.

„Unfassbar. Ich hab' einen Puls von 295“, kommentierte Schichtl-Inhaber Manfred Schauer. Er habe die Nachricht gerade erst erhalten, sagt Schauer, der das Zauber-Theater auf dem Oktoberfest 1985 übernommen hatte. Im vergangenen Jahr habe er die Bewerbung zur Aufnahme als immaterielles Kulturerbe eingereicht: „Man muss was wollen, um was zu erreichen.“

Die Hinrichtung einer lebenden Person ist der traditionelle Höhepunkt der Show. (Archibvild)
Die Hinrichtung einer lebenden Person ist der traditionelle Höhepunkt der Show. (Archibvild)
Die Hinrichtung einer lebenden Person ist der traditionelle Höhepunkt der Show. (Archibvild)
Der Wiesn-Henker an seiner Guillotine. (Archivbild)
Der Wiesn-Henker an seiner Guillotine. (Archivbild)
Der Wiesn-Henker an seiner Guillotine. (Archivbild)

In dem Theater wird vor Publikum per illusionistischer Bühnenmechanik die simulierte „Enthauptung einer lebenden Person auf offener, hell erleuchteter Bühne mittels Guillotine“ zelebriert. An jedem Wiesntag gibt es ungefähr 20 Vorstellungen, etwa alle halben Stunden wird enthauptet - und damit jedenfalls mehr als 300 Mal an den mindestens 16 Festtagen.

Das Theater ist nach seinem Begründer Michael August Schichtl benannt. Vor jeder Schau wirbt Schauer mit den Darstellern vor dem Theaterzelt für das Spektakel: „Auf geht's beim Schichtl“, heißt es dann - Spruch kennen viele, die Herkunft weniger.

Zu den Neuaufnahmen in das Landesverzeichnis des Immateriellen Kulturerbes zählen auch der Hopfenanbau in Deutschland, die Alm- und Alpwirtschaft, die Erlanger Bergkirchweih, die Tirschenreuther Krippentradition, die Lohrer Karfreitagsprozession und die Ansbacher Rokoko-Festspiele.

„Das immaterielle kulturelle Erbe Bayerns symbolisiert Heimat und vermittelt ein Gefühl von Identität, Zugehörigkeit und Gemeinschaft“, sagte Finanz- und Heimatminister Albert Füracker (CSU). Diesen Reichtum des Landes an verschiedensten Traditionen und Bräuchen in der Gegenwart zu erhalten und in die Zukunft zu tragen, hätten sich viele Menschen im Freistaat mit großem Engagement zur Aufgabe gemacht. „Das bayerische Landesverzeichnis des immateriellen Kulturerbes wächst mit 19 neuen Eintragungen auf nun insgesamt 103 an. Das verdeutlicht einmal mehr, wie groß die lebendige Vielfalt unserer kulturellen Ausdrucksformen ist.“

Seit 2003 stellt die UNESCO immaterielle kulturelle Ausdrucksformen in den Fokus der Öffentlichkeit. Überall auf der Welt sollen überliefertes Wissen und Können, das einen wesentlichen Bestandteil unserer Alltagskulturen ausmacht, als immaterielles Kulturerbe sichtbar gemacht sowie Maßnahmen unterstützt werden, die zur Erhaltung und Weiterentwicklung geeignet sind. Bisher sind 185 Staaten dem UNESCO-Übereinkommen beigetreten. Deutschland ist seit 2013 Vertragsstaat. Neben dem bundesweiten Verzeichnis gibt es in Bayern auch ein eigenes Landesverzeichnis.

Die nächste Bewerbungsrunde für eine Aufnahme in beide Verzeichnisse startet erst im Jahr 2028.

Dieser Artikel ist Teil eines automatisierten Angebots der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Er wird von der idowa-Redaktion nicht bearbeitet oder geprüft.

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