Gesundheitsversorgung
Kürzung bei Psychotherapeuten - Sorge um Patientenversorgung

Jens Wolf/dpa-Zentralbild/dpa
4,5 Prozent weniger Honorare ab 1. April: Die beschlossenen Honorarkürzungen für Psychotherapeuten könnten die Versorgungslage für Patienten in Bayern weiter verschärfen. (Symbolbild)
Die bundesweiten Honorarkürzungen für Psychotherapeutinnen und Therapeuten drohen die ohnehin schon angespannte Versorgungslage in Bayern weiter zu verschärfen. „Ich sehe die Entscheidung kritisch, denn es ist zu befürchten, dass sich diese Kürzung negativ auf die Patientenversorgung auswirken könnte“, sagte Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU) der Deutschen Presse-Agentur in München. Der bayerische Jugendring (BJR) warnte insbesondere für Kinder und Jugendliche vor fatalen Folgen.
Der Erweiterte Bewertungsausschuss hatte beschlossen, die Honorare zum 1. April um 4,5 Prozent abzusenken. Zugleich werden Zuschläge für die Finanzierung von Personalkosten der Praxen rückwirkend zum 1. Januar um 14,5 Prozent erhöht. In Summe ergebe sich eine Senkung von 2,3 Prozent für dieses Jahr, erläuterte der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV).
In Bayern sind nach Angaben des Gesundheitsministeriums derzeit 6.950 Vertragspsychotherapeuten tätig. Laut der Daten von Anfang Februar sind davon 1.069 ärztliche Psychotherapeuten, 4.408 psychologische Psychotherapeuten und 1.548 Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten.
Dies sind zwar etwas höhere Zahlen als die von Anfang 2024, als 6.521 Psychotherapeuten tätig waren - davon 1.122 ärztliche Psychotherapeuten, 4.065 psychologische Psychotherapeuten und 1.416 Kinder- und Jugendpsychotherapeuten. Im gleichen Zeitraum ist aber auch die Quote der Psychotherapeuten, die in Teilzeit arbeiten, von 42 auf rund 46 Prozent gestiegen.
Gerlach betonte, es sei klar, dass die gesetzlichen Krankenkassen unter hohem finanziellem Druck stehen und vor diesem Hintergrund alle Akteure verantwortungsvoll mit Beitragsgeldern umgehen müssten. „Grundsätzlich notwendige Einsparbemühungen dürfen psychisch erkrankte Menschen jedoch nicht benachteiligen.“ Das Bundesgesundheitsministerium sei daher in der Pflicht, die Auswirkungen auf die psychotherapeutische Versorgung „sehr genau zu beobachten und gegebenenfalls korrigierend einzugreifen“, sagte er.
Der Bayerischen Jugendring fordert eine Rücknahme der Kürzung. „Wer jetzt kürzt, verschärft eine ohnehin angespannte Versorgungslage“, sagte der BJR-Präsident Philipp Seitz. Die möglichen Folgen - längere Wartezeiten, weniger Therapieangebote oder sogar Praxisschließungen - träfen Kinder und Jugendliche unmittelbar.
Auch die Linke in Bayern läuft Sturm gegen die Kürzungen. Sie hat für diesen Samstag zu Protesten in München und Nürnberg aufgerufen. „Dass die Krankenkassen jetzt bei der am schlechtesten bezahlten Fachgruppe kürzen wollen, ist ein völlig falsches Signal. Es braucht dringend einen Ausbau der Angebote - Kürzungen werden die Situation nur verschlechtern“, sagte Landesprecher Martin Bauhof.
Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), die auch die Psychotherapeuten vertritt, will sogar juristisch gegen die Honorarkürzung vorgehen. Geplant ist laut KBV-Chef Andreas Gassen eine Klage beim Landessozialgericht Berlin-Brandenburg gegen einen entsprechenden Beschluss des zuständigen Gremiums des Gesundheitswesens, das über Vergütungen entscheidet.








