Oktoberfest
Freier Zeltplatz auf Wiesn nach Rückzug von „Wirte-Rebell“
Ein Zelt auf dem Oktoberfest - das ist für viele Gastronomen wie ein Sechser im Lotto. Oder wie es Christian Schottenhamel, Wirt des berühmten gleichnamigen Festzeltes formuliert: „Das ist schon der Zenit.“ Ausgerechnet so eine begehrte Möglichkeit hat der Münchner Wirt Alexander Egger nun verstreichen lassen. Ein Überblick über die Situation, bei der auch eine Klage samt Eilverfahren für Wirbel rund ums Oktoberfest gesorgt hat.
Eigentlich hatte der Gastronom den Vertrag für sein Festzelt Münchner Stubn, in dem er bislang immer Geflügel-Schmankerl angeboten hat, schon in der Tasche. Bis Freitag um 23.59 Uhr hätte er das Dokument unterschrieben bei der Stadtverwaltung einreichen müssen. Das sei aber nicht geschehen, zitiert die Münchner „Abendzeitung“ die Wiesn-Stadträtin Anja Berger (Grüne). Ein Umstand, den das Wirtschaftsreferat der Stadt München bestätigt.
Ein Festzelt sausen lassen - waren es wirtschaftliche Erwägungen? Oder zu viel Aufwand? Oder Frust? Zu möglichen Hintergründen will sich Egger nicht äußern. „Wir haben in dieser Sache keinen weiteren Kommentar“, sagte ein Sprecher des Gastronoms auf Anfrage.
Tatsächlich ist nun ein Platz frei - eine Riesenchance! Münchner Medien handeln den Gastronomen Klaus Bartl. „Ich bewerbe mich seit mehreren Jahren immer wieder um einen Zeltplatz auf dem Oktoberfest“, sagte er der „tz“. Für dieses Jahr habe er im Mai eine Absage bekommen. Der Gastronom betreibt die Almwirtschaft in Haar und den Campingplatz in Thalkirchen, für auswärtige Oktoberfestgäste aus aller Welt ein legendärer Ort mit Festivalstimmung.
Ob es Bartl wird? Da hielt sich die Stadt am Montag noch bedeckt. Die „tz“ zitierte Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne): „Wir werden die freie Fläche zeitnah, vermutlich schon nächste Woche, an einen anderen Bewerber vergeben.“ Im Wirtschaftsreferat bereite man das schon vor.
Sicher ist jedoch, dass Egger in vergangenen Monaten für Wirbel und Unmut bei den Wiesnwirten gesorgt hat - vor allem mit Klagen unter anderem wegen der Vergabe der Festzelte durch die Stadt, konkret der großen Traditionszelte Paulaner und Schottenhamel. Egger hätte selbst gern ein großes Zelt bewirtschaftet, hatte dafür aber keinen Zuschlag bekommen.
In wichtigen Gremien sitzt der Gastronom nicht mehr. Von Ämtern etwa beim Hotel- und Gaststättenverbandes trat Egger zurück. Die Arbeitsgemeinschaft der Kleinen Wiesnzelte beschloss, seine Anwesenheit sei „nicht mehr erwünscht“. „Das ist nicht die bayerische Art, wir wollen die Wiesn-Familie zusammenhalten und schützen“, sagte Otto Lindinger von Bodo's Cafézelt. Man dürfe sein Recht natürlich durchsetzen, „aber nicht auf diese Art“.
In erster Instanz war Egger mit seinem Vorhaben gescheitert, die Vergabe bei Paulaner und Schottenhamel nachzuprüfen. Ende Mai wies die Vergabekammer Südbayern seinen Antrag zurück. Der Wirt legte Beschwerde ein. Das Bayerische Oberste Landesgericht will nun am 11. September mündlich verhandeln, acht Tage vor Beginn des Oktoberfestes am 19. September.
Die Frage dabei: Ist der Ausschluss auswärtiger Wirte vom Bierzelt-Betrieb rechtens, wie ihn die Stadtverwaltung seit mehr als 200 Jahren praktiziert? Oder müssten die Zelte, die als äußerst lukrativ gelten, nicht doch europaweit ausgeschrieben werden? Ein Thema, das womöglich bis zum Europäischen Gerichtshof in Luxemburg gehen könnte. Egger kündigte an, alle rechtlichen Möglichkeiten auszuschöpfen, „damit auf dem Oktoberfest echte Chancengleichheit gewährleistet wird“.
Zwischendurch gab es noch Panik, als der Wirt Mitte Mai einen Eilantrag einlegte und forderte, die Betreiber der Schottenhamel-Festhalle und des Paulaner-Festzeltes zunächst nicht zur Wiesn zuzulassen. Kein Anstich also vor Promipublikum im Schottenhamel? Doch das Gericht wies den Eilantrag zurück und der Aufbau der Bierburgen konnte Ende Juni wie geplant starten.
Andere Gastronomen reagierten verärgert. „Das ist auf der Wiesn schon eine große Familie“, beschreibt es Schottenhamel, einer der Sprecher der Wiesn-Wirte. Befürchtet wurde ein Ausverkauf der Tradition durch eine europaweite Ausschreibung. Kölsch im Mini-Glas statt eine Maß Münchner Bier?
„Durch eine grenzenlose Kommerzialisierung würde unser Oktoberfest sein unverwechselbares Gesicht verlieren und nicht mehr so sein wie früher“, sagt etwa Peter Inselkammer, ebenfalls Wirtesprecher. Und Schottenhamel ergänzt: Die Wiesn sei ein Stück Heimat und kulturelle Identität. „Wir dürfen sie nicht den internationalen Multis opfern, die nur auf Gewinnmaximierung aus sind.“
Für Schottenhamel ist es nach all dem Wirbel keine Überraschung, dass Egger den Überlassungsvertrag für sein kleines Oktoberfestzelt nicht unterzeichnet hat. „Das ist für mich nur logisch und konsequent.“ Schließlich habe der Wirt über Jahre hinweg gejammert, nicht genug Geld damit zu verdienen.
Wie viel Wirte und Schausteller auf dem Oktoberfest an einem Tag umsetzen, ist nicht bekannt. Vermutet wird für alle zusammen eine zweistellige Millionensumme. Genaue Zahlen? Das bleibt ein Geheimnis. „Jeder macht den Umsatz, der zu seinem Zelt passt“, formulierte es Schottenhamel. „Wir würden das alles nicht machen, wenn wir damit nicht Geld verdienen würden.“














