Zweite Corona-Welle im Anmarsch? So bereiten sich die Krankenhäuser in der Region vor

Derzeit ist die Lage in den Krankenhäusern in der Region entspannt. Viele Betten auf den Intensivstationen stehen derzeit leer (Symbolbild). Foto: dpa

Müssen wir mit einer zweiten Covid-19-Welle rechnen? Etliche Experten gehen davon aus, genaues kann niemand sagen. Wir haben in den Krankenhäusern in der Region nachgefragt, ob und wie sie sich auf eine möglicherweise wieder steigende Zahl von Covid-19-Patienten vorbereiten.

Die bayerischen Krankenhäuser kehren schrittweise zum Normalbetrieb zurück. Erst kürzlich startete an der Klinik Bogen im Landkreis Straubing-Bogen, die in der Phase steigender Covid-19-Fallzahlen zum Corona-Zentrum umgerüstet worden war, wieder der Regelbetrieb. Doch was wäre, wenn eine zweite Welle tatsächlich käme? Wären die Krankenhäuser in der Region vorbereitet?

Krankenhausgesellschaft: „Wir können jetzt flexibel reagieren“

Die bayerische Krankenhausgesellschaft gibt sich auf unsere Nachfrage zuversichtlich: „Wir gehen nicht von einer neuen großen Welle aus“, erklärt Pressesprecher Eduard Fuchshuber auf Anfrage von idowa, „Es wird wohl eher punktuelle Hotspots, bei bestimmten Firmen oder in bestimmten Einrichtungen geben. Wir haben die Hoffnung, dass sich das Infektionsgeschehen künftig auf vereinzelte Ereignisse eingrenzen lässt.“

Die im Frühjahr hochgefahrenen Intensivkapazitäten in den Krankenhäusern könnten schnell wieder einsatzbereit gemacht werden, sagt Fuchshuber: „Es ist nicht wie ein Feuerwehreinsatz, der innerhalb weniger Minuten stattfinden muss. Bei steigenden Fallzahlen haben wir mehrere Tage Zeit, uns vorzubereiten.“ Es sei möglich, Kapazitäten zwischen den Krankenhäusern zu verlagern. So, wie zeitweise Patienten aus Italien und Frankreich in bayerischen Krankenhäusern behandelt worden sind, könnten auch die deutschen Krankenhäuser die Patienten untereinander austauschen, wenn es hart auf hart kommt: „Die Krankenhäuser sind jetzt noch besser vernetzt“, erklärt Eduard Fuchshuber.

Klinikum Landshut: „Intensivbetten stehen weiterhin bereit“

"Die Situation hat sich zwar in den letzten Wochen deutlich entschärft", sagt Regina Kaindl, Pressesprecherin des Klinikum Landshut. Man sei sich jedoch bewusst, dass die Gefahr einer zweiten Welle oder eines lokalen Ausbruchs weiterhin bestehe. Gerade der Reiseverkehr während der Sommerferien könne dazu beitragen, so Kaindl weiter.

Am Klinikum in Landshut sollen daher die Corona-Regelungen weiter bestehen bleiben. So müssen weiterhin alle Personen Mundnasenschutz tragen, der Besucherverkehr bleibt beschränkt und es gelten weitere Hygieneregeln. "Wir gehen hier mit großer Vorsicht vor. Am Klinikum Landshut steht weiterhin eine eigene Corona-Station zur Verfügung, außerdem stehen Intensivbetten bereit." Die Kapazitäten könnten bei Bedarf jederzeit wieder erhöht werden. Im Moment sind laut Angaben des Klinikums drei Covid-19-Verdachtspatienten in stationärer Behandlung.

Uni-Klinikum Regensburg: „Die Strategie hat sich bewährt“

In einer zweiten Infektionswelle würde das Uni-Klinikum Regensburg auf die bewährten strategischen Eckpunkte aus dem Frühjahr setzen, heißt es von der dortigen Pressestelle: „Das UKR hatte sich frühzeitig mit vielfältigen Maßnahmen auf eine steigende Zahl von Covid-19-Patienten gut vorbereitet und konnte als Covid-19-Schwerpunktkrankenhaus in der Spitze mehr als 40 Covid-19-Patienten mit schwerem und schwerstem Krankheitsverlauf versorgen, ohne die Kapazitätsgrenzen zu erreichen.“ Momentan arbeite das Klinikum wieder im Normalbetrieb unter Anwendung eines strengen Hygienekonzeptes.

Für den Fall einer „zweiten Welle“ des Coronavirus sei das UKR jederzeit in der Lage, schnell zu reagieren: Es könnten umgehend wieder isolierte Behandlungsplätze auf Normal- und Intensivstationen eingerichtet und Personalkapazitäten dorthin verlagert werden. Zudem haben wir unsere Lagerbestände für Schutzkleidung, Desinfektionsmittel und ähnlichem deutlich erhöht, um nicht kurzfristig von Lieferengpässen in Bedrängnis gebracht zu werden. Auch kann die eigene Herstellung von Desinfektionsmitteln wiederaufgenommen werden. Zudem besteht eine gute Kooperation mit den Kliniken der Region, sodass wir in enger Abstimmung umgehend die Verteilung der Patienten je nach Versorgungsbedarf und freien Kapazitäten vornehmen können.

Kliniken Bogen-Mallersdorf: „Sondersituation wünschen wir uns nicht mehr“

Den Kreiskliniken Bogen-Mallersdorf kam im Frühjahr, in der Hochphase des steigenden Infektionsgeschehens, eine besondere Rolle zu. Die Klinik Bogen wurde komplett von der Regelversorgung getrennt und zum Covid-19-Zentrum umgewidmet. Erst vor wenigen Tagen war die Klinik Bogen zum Regelbetrieb zurückgekehrt. Seit dem 15. Juni ist kein Covid-19-Patient mehr in die Klinik Bogen eingeliefert worden. Klinikvorstand Robert Betz sagt heute über diese Zeit: „Die erste Welle hat uns in beiden Kliniken viel abverlangt. Wir können daraus aber auch viel mitnehmen, was wir für eine eventuelle zweite Welle sicher als Erfahrungsschatz nutzen können. Insofern sind wir, wie auch alle anderen Kliniken, heute sicher besser vorbereitet, als zu Anfang der Coronakrise.“

Würde die Klinik wieder als Covid-Zentrum zur Verfügung stehen? „Man muss schon ganz klar anmerken, dass wir uns diese Sondersituation für uns nicht mehr wünschen, da dies – und das sieht man jetzt im Nachgang – schon sehr aufreibend für unsere Mitarbeiter war“, sagt der Klinikleiter: „Auch die in unserem Fall für die Klinik Bogen außerordentlich hohe, finanzielle Zusatzbelastung, mit nicht gedeckten Erlösausfällen in drei Monaten von mehr als 1,5 Millionen Euro lässt uns und vor allem auch den Landkreis nicht ,Hurra' schreien.“

Betz hofft daher nach eigener Aussage, dass eine zweite Welle erst gar nicht kommt.

 

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