YouTube-Tipp „Ultralativ“ macht Aufklärungsarbeit in Sachen YouTube

Ausgezeichnet: Im Juli 2019 erhielten Fynn Krüger (links) und Paul Schulte für „Ultralativ“ den Grimme-Online-Award in der Kategorie „Wissen und Bildung“. In der Mitte: Laudatorin Hazel Brugger. Foto: Grimme-Institut/Rainer Keuenhof

Seit drei Jahren betreibt „Ultralativ“ Aufklärungsarbeit in Sachen YouTube. Dafür haben seine Macher auch einen Preis erhalten.

Kann Dagi Bees YouTube-Kanal depressiv machen? Was verbirgt sich hinter dem Dunning-Kruger-Effekt? Und worum geht es eigentlich bei „Raid: Shadow Legends“, für das gerade vor gefühlt jedem Video Werbung geschaltet ist? Diese und noch viele weitere Fragen beantworten Fynn Krüger und Paul Schulte auf ihrem Kanal „Ultralativ“. In ihren meist drei bis acht Minuten langen Videos beschäftigen sie sich mit den Methoden, die YouTuber und Social-Media-Stars anwenden, um ihr Publikum auszunutzen. Ein Beispiel: das Video „Ich bin kein Vorbild“. In ihm kritisieren Fynn und Paul die Einstellung vieler YouTube-Influencer, einerseits kein Vorbild für ihre Fans sein zu wollen, andererseits aber genau diese Vorbildfunktion leidlich auszunutzen.

Dank der schnoddrigen Stimme von Fynn Krüger und der sehr witzigen Darbietung klären die beiden nicht nur auf, sie unterhalten auch noch. Manipulative Statements, wie Fynn und Paul im Video „Ich bin kein Vorbild“ auseinandernehmen, waren auch der Grund, warum sie „Ultralativ“ ins Leben riefen. Beide, damals in der zehnten Klasse, stolperten gleich über mehrere solcher Videos und suchten im Netz nach Seiten, die das Vorgehen der Influencer erklärten und durchleuchteten. Sie fanden nichts – also machten sie es eben selbst.

Was im Netz schiefläuft

Einen Großteil der vergangenen Jahre beschäftigte sich „Ultralativ“ dann vor allem mit den Abgründen von YouTube und der sogenannten Lifestyle-YouTuber wie Simon Desue oder Dagi Bee. Den einen oder anderen positiven Beitrag gab es auch, zum Beispiel den Liebesbrief an das YouTube-Urgestein Coldmirror, bekannt durch ihre „Harry Potter“-Parodien. Mittlerweile haben Fynn und Paul ihr Themengebiet aber erweitert. Neben YouTube gibt es jetzt auch Beiträge über TikTok, Medien und Medienmanipulation im Allgemeinen und über alles, was im Netz schiefläuft. Zu den 225 000 Abonnenten brachte das „Ultralativ“ 2019 auch einen Grimme-Preis ein. In ihrer Begründung lobte die Jury „Ultralativ“ als eigenständiges Format, das Medienkritik animiert, knapp und relevant präsentiert. Leicht konsumierbar, aber mit viel inhaltlicher Tiefe sorgt „Ultralativ“ für mehr Transparenz in der undurchsichtigen und kommerzialisierten Internet-Szene. Sehen kann man Fynn und Paul in ihren Videos übrigens nicht. Das unterscheidet sie von vielen anderen YouTubern, kommt bei ihren Fans aber an. „Viele finden es gut, dass es uns um die Sache geht und nicht um die Selbstdarstellung“, erklärte Paul Schulte in einem Interview mit den Kieler Nachrichten.

Reich – das sagen die beiden selbst – wird man mit dieser Art von Video nicht. Neben ihrem Kanal arbeiten Fynn und Paul deshalb, unter anderem als Dozenten und Workshopleiter, in denen sie ebenfalls das Thema Medienkompetenz behandeln.

Weitere Artikel

 

idowa-Newsletter kostenlos abonnieren

E-Mail-Adresse:
 
 
 

0 Kommentare

Kommentieren

null

loading