YouTube-Doku-Tipp Arte zeigt die Fehler des Kapitalismus

"Automatisiert und getaktet, sehr mechanisch das Ganze": Ein Arbeiter aus China spricht über sein eintöniges Leben. Foto: Pixabay (Symbolfoto)

Welchen Preis hat unsere Art zu leben? Doku-Reihe "Der Kapitalismus. Fluch oder Segen?" zeigt den Ursprung und die fatalen Folgen des Kapitalismus.

Beste Ware, neue Errungenschaften, glückliche Menschen - soweit der kapitalistische Traum. Die Arte-Reihe "Der Kapitalismus. Fluch oder Segen?" erweckt uns gnadenlos aus ihm.

Darum geht's: Der Philosoph Adam Smith entwickelte ein Modell für unser System, den Kapitalismus: Angebot und Nachfrage bestimmen den Markt, jeder trägt mit der täglichen Arbeit zum Wohlstand von allen bei. Der wächst quasi automatisch. Doch die Formel geht nicht ganz auf.

Es läuft eher wie nach der Entdeckung Amerikas. Europäer suchten dort vor allem Profit. Der Eroberer Hernán Cortés vernichtete das Aztekenreich. Sein Motiv: Ihn drückte ein Schuldenberg. Den wollte er mit seiner Beute beseitigen. "Zum Teufel mit meinen Schulden!", ahmt ein Experte in der Doku den Entdecker nach. "Ich werde mir noch mehr Geld borgen und einfach alles auf diese verrückte Expedition setzen!" Sein Heer zahlte der Eroberer nicht. Die Soldaten verschuldeten sich, für Waffen oder Medizin. Dann schickte Hernán Cortés sie in die Provinz. Dort wurden sie gezwungenermaßen zu "raubgierigen Gouverneuren". Ein Musterbeispiel dafür, wie kapitalistische Kettenreaktionen funktionieren: Ausbeutung pflanzt sich fort.

Auch Preisdumping oder Kinderarbeit zeigen: Die Regeln im Spiel um die Schätze der Welt sind ungerecht. Einer der Verlierer ist ein Chinese, der sein Leben "sehr anstrengend" findet, sagt er im Film. Er lebt in einer Arbeiterkaserne von Foxconn, einem Elektroriesen. Im Wohnheim werden die Leute "gezielt vereinzelt". Wer zusammen am Band steht, lebt getrennt. Der Mann und seine Kollegen schuften unter harten Bedingungen. Sie stellen zum Beispiel iPhones her, die sie sich selbst wohl nicht leisten können. Wir in Europa schon. Wir sind unter anderem die unrechtmäßigen Gewinner.

In aller Kürze: Fünfeinhalb Stunden darüber, wie die Welt funktioniert.

Fazit: Unsere Marktwirtschaft ist nicht durch und durch schlecht. Sie treibt Technik und Forschung an. Doch in den Arte-Filmen geht es darum, wie verlogen dieses System ist. Und wie sehr wir in den westlichen Ländern uns selbst und den Rest der Welt täuschen. Wer sich auf die Filme einlässt, stellt die Frage aus dem Titel "Fluch oder Segen?" nicht mehr, sondern will nur noch wissen: "Wie kommen wir da raus?"

"Der Kapitalismus. Fluch oder Segen?", Doku-Reihe, sechs Folgen, je 54 Minuten, auf arte.tv und YouTube:

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